Mammographien: Nach Fehldiagnosen werden künftige Untersuchungen oft vernachlässigt

Alexander Stindt
Fehlerhafte Ergebnisse bei der Mammographie können ernste Auswirkungen haben
Viele Frauen machen regelmäßig eine sogenannte Mammographie, um sich so vor Brustkrebs zu schützen. Es kann aber vorkommen, dass eine Mammographie verdächtige Befunde ergibt, welche später nicht auf Krebs zurückzuführen sind. Forscher fanden jetzt heraus, dass falsche Befunde bei vorangegangen Mammographien dazu führen, dass Frauen häufig ihre zukünftigen Untersuchungen vernachlässigen oder überhaupt nicht mehr hingehen. Dies hat einen großen Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit, wenn anschließend wirklich Brustkrebs auftritt.

Die Wissenschaftler des Advocate Lutheran General Hospital in Park Ridge stellten bei einer Untersuchung fest, dass fehlerhafte Mammographien dazu führen können, dass betroffene Frauen häufig nach der Fehldiagnose nicht mehr bei weiteren Untersuchungen auftauchen oder diese massiv verzögern. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Studie in der Fachzeitschrift „Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention“.

Fehldiagnosen bei Mammographien können betroffene Frauen verunsichern und zu unbegründeten Ängsten führen. Dadurch gehen viele dieser Frauen nicht mehr zu späteren Mammographien und die Gefahr, unerkannt an Brustkrebs zu erkranken, steigt. (Bild: Tyler Olson/fotolia.com)

Ängste vor fehlerhafter Mammographie führen zu Schwierigkeiten bei weiteren Tests
Wenn Frauen empfohlen wurde, jedes Jahr ein Mammogramm zu erstellen, tendierten diese Frauen durch die Angst vor einer fehlerhaften Mammographie dazu, dass sie ihren nächsten Test um bis zu weitere 13 Monate verzögern, erläutern die Autoren. Bei Frauen mit ausschließlich negativen Tests, verzögerten sich die Tests zum Vergleich nur um etwa drei bis sechs Monate. Bei Frauen ohne eine vorherige Fehldiagnose lag die Wahrscheinlichkeit, dass ein fortgeschrittener Tumor diagnostiziert wird bei 0,3 Prozent. Bei Frauen mit einer Fehldiagnose war der Wert leicht aber trotzdem deutlich erhöht und lag bei 0,4 Prozent. Eine Mammographie ist eine Untersuchung, welche eigentlich Tumore erkennen soll. Sie kann sich aber negativ auf die Psyche der Frau auswirken, wenn es zu einer Fehldiagnose oder zu einem unbegründeten Krebsverdacht kommt, sagen die Mediziner.

Fehldiagnose kann zur einer Biopsie führen
Mammogramme können zu falschen positiven Ergebnissen führen. Betroffene Frauen leiden dadurch dann häufig unter unbegründeten Ängsten. Außerdem werden durch diese Fehldiagnosen häufig weitere teure und teilweise auch schmerzhafte Tests durchgeführt, wie beispielsweise eine Biopsie. Es gibt schon länger Zeit Diskussionen darüber, ob diese negativen Auswirkungen die Vorteile der Screenings überwiegen.

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Weitere Forschung ist nötig
Sollten die Ergebnisse durch andere Untersuchungen bestätigt werden, muss dem Problem nach Auffassung der Forscher dringend zusätzliche Aufmerksamkeit gewidmet werden. So kann sichergestellt werden, dass Frauen mit falschen Befunden daran erinnert werden, dass sie an ihren regelmäßigen Untersuchungen teilnehmen, erläutern die Experten.

Sieben bis 17 Prozent der betroffenen Frauen erhalten eine unnötige Biopsie
Wenn ein Gerät zur Mammographie etwas Verdächtiges gefunden hat, ist es in der überwiegenden Mehrheit der Fälle nichts bedrohliches. Bei einer Mammographie ist etwa einer von zehn durchgeführten Tests fehlerhaft positiv. Sozusagen haben Frauen mit einer jährlichen Mammographie eine Wahrscheinlichkeit von 50 zu 50, dass im Laufe eines Jahrzehnts ein falsches positive Ergebnis festgestellt wird, sagen die Mediziner. Bei schätzungsweise sieben bis 17 Prozent dieser Frauen wird dann eine Biopsie durchgeführt.

Mediziner untersuchen für ihre Studie 741.150 Screening-Mammogramme
Für ihre Untersuchung analysierten die Forscher 741.150 Screening-Mammogramme, die zuvor von einer großen Gesundheitsorganisation durchgeführt wurde. In 12,3 Prozent der Fälle waren verdächtige Ergebnisse letztendlich ein falscher Alarm. Während der drei Jahre nach dieser initialen Mammographie hatten 77,9 Prozent der Frauen mit einem falsch positiven Ergebnis eine nachfolgende Mammographie, verglichen mit 85,0 Prozent der Frauen, welche keine fehlerhaften Ergebnisse bei ihrer Untersuchung hatten, erklären die Wissenschaftler.

Nach unnötiger Biopsie kommen Frauen nicht mehr regelmäßig zur Mammographie
Es schien eine große Rolle zu spielen, ob bei Frauen eine Biopsie durchgeführt wurde. Frauen mit fehlerhafter Diagnose und darauf folgender Biopsie kamen seltener zu weiteren Mammographien. Bei den Betroffenen war die Wahrscheinlichkeit wieder zur regelmäßigen Mammographie zu kommen, um 19 Prozent niedriger. Mammographie-Screenings sind derzeit das einzige Werkzeug, das wirklich funktioniert. Es gibt einige Einschränkungen, aber solch eine Untersuchung erhöht die Überlebensfähigkeit der Frauen durch eine frühzeitige Erkennung von Krebs, sagen die Autoren. (as)

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