Formel: Marienkäfer mit kräftiger Farbe sind giftiger

Sebastian
Forscher entschlüsseln die Marienkäfer-Formel
Fast jeder mag Marienkäfer. Sie gelten als niedlich, sollen Glück bringen und werden sogar aus Schokolade hergestellt. Wie Forscher der britischen Universitäten Exeter und Cambridge im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten, sind bestimmte Marienkäferarten aber alles andere als harmlos für Ameisen und Vögel. Je kräftiger sie gefärbt sind, desto giftiger ist das Sekret, schreiben die Wissenschaftler.

Marienkäfer (Bild: Alekss/fotolia)
Marienkäfer (Bild: Alekss/fotolia)

Marienkäfer sondern zum Schutz ein giftiges Sekret ab
Die Farbe der Deckflügel von Marienkäfern verrät, wie giftig sie für andere Tiere sind. Die einzelnen Arten zeichnen sich nicht nur durch eine individuelle Färbung aus, sondern auch durch die Zahl ihrer Punkte. Die meisten Menschen denken insbesondere an den Siebenpunkt (Coccinella septempunctata), wenn sie über Marienkäfer sprechen. Zudem existieren aber auch viele ähnliche Arten wie der in Europa und den USA eingebürgerte Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) und der Zweipunkt (Adalia bipunctata). Ihre Färbung reicht von gelb, orange und rot bis zu einem braunen Camouflage-Look.

Bei Gefahr sondern die Tiere ein gelbliches Sekret aus speziellen Poren ab, das sehr unangenehm riecht, widerlich schmeckt und für Angreifer wie Ameisen oder Vögel sogar tödlich sein kann. Die britischen Forscher wollten herausfinden, welche Marienkäfer am giftigsten sind und dies äußerlich erkennbar ist. Dafür gaben sie das giftige Sekret in Behälter mit Daphnien. Je mehr der kleinen Krebse daraufhin starben, umso giftiger stuften die Wissenschaftler das Sekret ein. Wie sich herausstellte waren die Käfer mit der intensivsten Färbung, zu denen der Zweipunkt zählt, auch die giftigsten Tiere. Als besonders harmlos erwies sich dagegen der unauffällig gelbbräunlich gefärbte Nadelbaum-Marienkäfer (Aphidecta obliterata).

Vögel erkennen den Zusammenhang von Farbe und Giftigkeit bei Marienkäfern
In weiteren Versuchen setzen die Forscher UV-Licht ein. Sie wollten damit die Wahrnehmung bestimmter Vögel nachahmen. Dann stellten sie Marienkäfer-Attrappen her und präsentierten sie Wildvögeln, um zu testen, ob Fressfeinde den Zusammenhang von Farbe und Giftigkeit erkennen. Wie sich herausstellte wurden die Käfer mit den kräftigen Farben am seltensten angegriffen.

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„Marienkäfer gehören zu den am meisten geschätzten und charismatischsten Insekten, wobei sie sowohl schön gefärbt als auch der Freund eines jeden Gärtners sind. Unsere Studie zeigt, dass nicht nur die Farbe der Marienkäfer offenbart, wie giftig sie für Fressfeinde sind, sondern auch, dass die Vögel die Signale der Marienkäfer deuten können. Vögel greifen auffällige Marienkäfer seltener an“, erläutert Lina María Arenas, Doktorandin an den Universitäten Exeter und Cambridge.

„Unsere Ergebnisse zeigen uns, dass Marienkäfer ‚ehrliche‘ Signale an Fressfeinde senden, weil ihre Farbe zeigt, wie gut sie sich verteidigen können“, berichtet Dr. Martin Stevens von der Universität Exeter. „Relativ unauffälliger Arten, wie der Lärchen-Marienkäfer, verfügen über geringe Verteidigungsmöglichkeiten und legen mehr Wert darauf, nicht gesehen zu werden, wohingegen, auffällige und bunte Arten, wie der Siebenpunkt-Marienkäfer, offen ihre guten Verteidigungsmöglichkeiten gegenüber Fressfeinden zur Schau stellen.“ (ag)