Medizinforschung: Neue Kamerapille hilft bei der Kehlkopf- und Darmkrebs-Diagnose

Sebastian
Kamera zum Schlucken erleichtert Darmuntersuchungen
Es gibt einige Erkrankungen, die generell schlecht festzustellen sind. Manchmal wäre es für Ärzte praktikabler, wenn sie einfach direkt in den Patienten hineinsehen könnten. Durch eine neu entwickelte Minikamera soll die innere Untersuchung von Erkrankten nun einfacher und zuverlässiger werden.
Um beispielsweise Darm- und Kehlkopfkrebserkrankungen schneller zu entdecken, entwickelten britische Wissenschaftler von der „Glasgow University“, jetzt eine verschluckbare Minikamera. Solche kleinen Kameras werden schon länger eingesetzt, um beispielsweise Darmuntersuchungen durchzuführen. Das Besondere an dieser neuen „Kamerapille“ ist, dass sie zum ersten Mal Fluoreszenzlicht verwendet, um ihre Diagnosefunktionen zu erweitern. Die Ergebnisse ihrer aktuellen Forschung veröffentlichten die Mediziner jetzt in dem Fachjournal „Scientific Reports„.

Mini-Kamera kann Darmkrebs schneller erkennen. Bild: ag visuell - fotolia
Mini-Kamera kann Darmkrebs schneller erkennen. Bild: ag visuell – fotolia

Kamerapille statt Endoskop
Bei Darmuntersuchungen gibt es schon seit längerer Zeit die Möglichkeit, sogenannte Videopillen einzusetzen. Diese Art der inneren Betrachtung ist nicht so unangenehm, wie beispielsweise die Verwendung von Endoskopen. Solche Minikameras hatten bisher jedoch einen entscheidenden Nachteil. Das Spektrum des verwendeten sichtbaren Lichts, schränke die Sicht durch eine Videopille stark ein, erklärten die britischen Wissenschaftler in ihrer Studie. Die neue Kamerapille ist noch nicht in der klinischen Anwendung. Die Entwickler arbeiten daran, dass die Systeme auf neue Bereiche ausgeweitet werden. So soll es der Pille in Zukunft auch möglich sein Ultraschall einzusetzen.

Neues System ermöglicht genauere fehlerfreie Diagnose
Die neue entwickelte Videopille sei sehr klein und stromsparend genug, um über einen Zeitraum von 14 Stunden Aufnahmen vom gesamten menschlichen Magen-Darmtrakt zu machen, erklärte der Wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Mohammed Al-Rawhani. Das neue System kann auch verwendet werden, um Antikörpern durch den menschlichen Körper zu verfolgen. Diese Antikörper werden eingesetzt, um Krebserkrankungen zu behandeln. Die neue Kamerapille könnte helfen solche erkrankten Bereiche zu markieren. So würde ein neuer Weg geschaffen werden, um Krebs zu behandeln. Der Einsatz von sogenannten Videopillen sei eine wertvolle neue Technik, die Medizinern helfen könnte weniger falsche Prognosen bei Krebserkrankungen zu stellen. Somit könnte der Einsatz des neuen Systems zu einer wirksameren Behandlung von Krebs in der Zukunft führen, sagte Dr. Al-Rawhani in der Studie.

Industrie plant Kamerapille möglichst schnell auf den Markt zu bringen
Die Fluoreszenz-Bildgebungstechnik ist bereits ein festes diagnostisches Werkzeug in der Medizin, aber die Technik ist sehr teuer, zu sperrig und unhandlich. Aus diesem Grund wird solch eine Technik meist nur in großen Laboren eingesetzt. Doch nun ist es dem Team aus Wissenschaftlern gelungen, zum ersten Mal die Fluoreszenz-Bildgebung mit einer fortgeschrittenen „Halbleiter Ein-Pixel-Imaging-Technik“ in einer Kamerapille zu verwenden. Das System sei eine aufregende Entwicklung und biete eine wertvolle neue Möglichkeit für die Magen-Darm-Bildgebung, erklärte der Projektleiter Prof. David Cumming. Es sei noch viel zu tun, bevor solche Videopillen kommerziell produziert und bereit für den klinischen Einsatz wären. Aber die Forscher seien schon in ersten Gesprächen mit der Herstellerindustrie, um in naher Zukunft das Produkt auf den Markt zu bringen, fügte der Mediziner hinzu. Die Forschung konzentriert sich nun auf die Erweiterung von Funktionen des neuen Systems, wie beispielsweise dem Einsatz von Ultraschall.(as)