Mehr psychische Erkrankungen durch Arbeitsstress

Sebastian

Leistungsdruck und Stress verursachen mehr Fehlzeiten am Arbeitsplatz

13.05.2013

Stress, Leistungsdruck und die ständige Verfügbarkeit verursachen bei Angestellten immer mehr psychische Leiden. Das ergeht aus einer kleinen Auswertung der gesetzlichen Krankenkasse KKH. Mit Hilfe der hausinternen Patientendaten stellte die Kasse eine Untersuchung an. Die Psychischen Krankheiten sind bald „die Volkskrankheiten Nummer Eins“, berichtet der Kassenchef Ingo Kailuweit angesichts der Studienergebnisse.

Psychische Leiden auf dem Weg zur Volkskrankheit
Bei einer Auswertung von Kassenmitgliederdaten kam zutage, dass psychische Krankheiten unter Arbeitnehmern deutlich zunehmen. So fehlten am Arbeitsplatz durch Krankschreibungen nach Angaben der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) im vergangenen Jahr 2012 Verkäufer im Groß- und Einzelhandel im Durchschnitt etwa 43,6 Tage aufgrund psychischer Probleme. Im Gesundheits- und Sozialwesen wie Pflegekräfte in Kliniken oder Altenhilfeeinrichtungen fehlten die Arbeitnehmer 2013 durchschnittlich 40,7 Tage. „Psychische Erkrankungen könnten in ein paar Jahren die Volkskrankheit Nummer eins werden“, sagte KKH-Chef Ingo Kailuweit gegenüber der Zeitung „Bild“. „Erfolgsdruck und ständige Erreichbarkeit sind auf Dauer eine Gefahr für die Gesundheit. Da müssen wir mit den Arbeitgebern gegensteuern.“

Ständige Erreichbarkeit schädlich für die Psyche
Ständige Erreichbarkeit per Diensthandy und Email sei heute bereits Standard in vielen Branchen. Die Zunahme der psychischen Erkrankungen wie Depressionen seien aber gerade aufgrund dieser permanenten Arbeitsethik begründet. Und das unabhängig von der Branchen, wie auch das Statistische Bundesamt kürzlich bestätigte. Nach Auswertung der Bundesbehörde gaben bei einer Umfrage etwa 59,1 Prozent der Arbeitnehmer an, dass sie „zu atypischen Zeit arbeiten müssen“. Darunter fallen Überstunden, Berufstätigkeiten am Wochenende sowie Rufbereitschaften im Dauereinsatz.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund errechnete, dass heutzutage in vielen Arbeitsbereichen eine massive Arbeitsverdichtung stattfinde. So müssten etwa 63 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland heutzutage mehr Leistungen in gleicher Arbeitszeit vorweisen, als noch vor einigen Jahren. Über 50 Prozent gaben zudem an, 45 Stunden pro Woche und mehr zu arbeiten. 72 Prozent sagten sogar, sie arbeiten im Schnitt 15 Überstunden pro Woche.

Jeder achte Krankentag aufgrund psychischer Leiden
Nach einer Analyse der Betriebskrankenkassen (BKK) setzt sich die Zunahme der psychischen Leiden kontinuierlich fort. „Jeder achte Krankheitstag ist den psychischen Störungen zu zuordnen“, heißt es in der Studie. Waren im Vorjahr die Beschädigten noch 178 Tage krankgeschrieben, waren es ein Jahr später schon 213 Tage je 100 Kassenmitglieder. Die Krankmeldungen aufgrund psychischer Erkrankungen dauern zudem mit 37 Krankheitstagen am Längsten. Allein bei den Männern sind die Krankentage um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Bei den Frauen fiel der Anstieg mit 18 Prozent nur unbedeutend schwächer aus. (sb)

Bild: Gerd Altmann, Pixelio