Mehrheit der Deutschen hat Darmpilze

Fabian Peters

Mehrheit der Deutschen weist Darmpilze auf

02.05.2011

Rund 80 Prozent der Deutschen tragen Pilz-Erreger im Darm. Die normalerweise ungefährlichen Pilze, können ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen, wenn das ökologische Gleichgewicht im Darm gestört wird und die Pilz-Erreger beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren, warnte Professor Richard Raedsch, Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Internisten.

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„Riskant wird es, wenn das Immunsystem geschwächt ist und sich die Pilze unkontrolliert vermehren können“, erklärte Professor Richard Raedsch, Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Internisten und Internist am St. Josefs-Hospital Wiesbaden. Denn es drohen Pilzinfektionen und Entzündungen der Haut – schlimmstenfalls sogar eine Pilzsepsis, eine Blutvergiftung die auch andere Organe schädigen und lebensbedrohliche Folgen haben kann, warnte Prof. Raedsch.

Darmpilze können erhebliche gesundheitliche Probleme bedingen
Die hierzulande bei vier von fünf Menschen nachzuweisenden Pilz-Erreger im Darm, stellen unter normalen Bedingungen für den Körper keine gesundheitliche Bedrohung dar, erklärte der Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Internisten. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, können die Pilze laut Aussage des Experten unkontrolliert wachsen und verschiedene weitere Erkrankungen auslösen. So sind Pilzinfektionen (Kandidosen) eine mögliche Folge der unkontrollierten Pilz-Ausbreitung. Beispielsweise kann die sogenannte Soor, eine Pilzinfektion der Haut und Schleimhäute, zu schmerzhaften Entzündungen in den Hautfalten der Achseln oder Analregion, aber auch zu Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, Speiseröhre oder Geschlechtsorgane führen, erläuterte Prof. Raedsch. Insbesondere Patienten mit Vorerkrankungen wie Rheuma, Diabetes oder Krebs seinen von einer unkontrollierten Ausbreitung der Pilz-Erreger gefährdet, erklärte der Experte. Allerdings können laut Raedsch auch ganz gewöhnliche hormonelle Umstellungen wie zum Beispiel während der Schwangerschaft oder Menopause das Immunsystem so schwächen, dass die Pilze sich dramatisch vermehren.

Medikamente wie Antibiotika begünstigen Pilzinfektionen
Der Fachmann macht für das unkontrollierte Wachstum der Pilz-Erreger im Darm jedoch nicht nur Schwächungen des Immunsystems verantwortlich, sondern unterstreicht die entscheidende Bedeutung von Medikamenten wie Antibiotika, Kortison oder verschiedenen Immunsuppressiva (nach Organtransplantationen verwendet, damit die Betroffenen fremde Organe nicht abstoßen). So könne die durch Kortison und Immunsuppressiva bedingten Schwächungen des Immunsystems ebenfalls eine unkontrollierte Pilz-Ausbreitung verursachen, erklärte Prof. Raedsch. Bei Verwendung von Antibiotika zur Bakterien-Bekämpfungen werden indes nicht nur die „schlechten“ sondern auch die „guten“ Bakterien, welche zum Beispiel die Pilzsporen unschädlich machen, eliminiert, erläuterte der Fachmann. So gerate das ökologische Gleichgewicht zwischen Pilzen und Bakterien aus den Fugen und die Pilze beginnen sich unkontrolliert zu vermehren. Wie Frank Herfurth vom Verband Unabhängiger Heilpraktiker in Köln gegenüber „Welt Online“ erklärte, setzt damit häufig „ein Teufelskreis“ ein, da „das Immunsystem (…) viel Energie auf den Hefepilz (verwendet) und diese Energie (…) nicht mehr für die Immunabwehr zur Verfügung“ steht. Den Darstellungen des Experten nach sind weitere Schwächungen des Immunsystems die Folge und die Vermehrung der Pilze kann erneut deutlich steigen.

Darmpilze entziehen lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe
Die Darmpilze und andere Keime entziehen dem Körper lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe, da sie die aufgenommen Nährstoffe für das eigene Wachstum verwerten, erklärte Frank Herfurth. Dabei könnten die produzierten Giftstoffe besonders hoher Pilzkonzentrationen schlimmstenfalls durch die Darmwand in die Blutbahn gelangen und so weitere Erkrankungen bedingen. „Das sind neben bekannten Pilzerkrankungen und Verdauungsbeschwerden auch weniger bekannte wie beispielsweise Immunschwäche oder Depressionen“, erläuterte der Heilpraktiker. Prof. Raedsch wertete die vielfältigen Zusammenhänge, die zwischen Pilz-Erregern im Darm und verschiedensten Erkrankungen hergestellt werden, jedoch eher kritisch. So seien Darmpilze schon für alle möglichen Krankheiten und Empfindlichkeiten von „Herzbeschwerden über Migräne bis hin zu Libidoverlust“ verantwortlich gemacht worden. Der Zusammenhang mit den Darmpilzen lasse sich allerdings „längst nicht immer wissenschaftlich belegen“, erklärte Raedsch.

Diagnose einer erhöhten Darmpilzkonzentration
Liegt ein Verdacht auf überhöhte Pilzkonzentrationen im Darm vor, werde zur Diagnose eine Pilzkultur angelegt und mikroskopisch untersucht, erläuterte Prof. Raedsch. Mögliche Verdachtsmomente einer überhöhten Darmpilzkonzentration seien zum Beispiel regelmäßige Magen-Darm-Beschwerden oder auch die langfristige Einnahme Darmflora-schädigender Medikamente. Im Rahmen der Diagnose werde die Keimzahl pro Gramm im Stuhl bestimmt, wobei Werte unter 10.000 normal seien, erklärte der Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Internisten. Kritisch seien Werte von über einer Million Keime pro Gramm, Werte zwischen 10.000 und eine Millionen seien „zwar nicht besorgniserregend, sollten aber beobachtet werden“, betonte Prof. Raedsch. Wird eine Pilzkonzentration von mehr als eine Millionen Keimen pro Gramm Stuhl nachgewiesen, sollte dem Fachmann zufolge sofort einen entsprechende medikamentöse Behandlung eingeleitet werden. Ansonsten könne „es zu schweren Entzündungen an Mundhöhle, Speiseröhre, Enddarm und auch im Scheidenbereich kommen“, warnte der Wiesbadener Internist.Schlimmstenfalls drohe eine „Pilzsepsis, einer Pilzvergiftung des Blutes, die auch die inneren Organe angreift und sogar zu Organversagen führen kann“, erklärte Prof. Raedsch. In der Naturheilkunde setzten die Therapeuten anstatt auf Medikamente zum Beispiel auf Methoden zur Darmsanierung, bei denen die Darmflora durch Darmspülungen, Ernährungsumstellungen und Phytotherapie (Behandlung mit Heilpflanzen) wieder ins Gleichgewicht gebracht werden soll.

Ernährungsgewohnheiten für die Entwicklung der Darmpilze entscheidend
Einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Darmpilze schreiben sowohl Prof. Raedsch als auch Frank Herfurth den Ernährungsgewohnheiten der Betroffenen zu. Insbesondere zuckerreiche Nahrungsmittel begünstigen laut Aussage der Experten die Darmpilzvermehrung. Nach einer erfolgten Behandlung sollte zuckerhaltige Nahrung daher möglichst gemieden und stattdessen auf calcium- , eisen- und zinkhaltige Nahrungsmittel zurückgegriffen werden, erklärte Frank Herfurth. Denn durch die hohe Pilzkonzentration sei der Körper in der Regel unterversorgt mit diesen wichtigen Nährstoffen. Dabei seien Eisen und Zink zum Beispiel in Hülsenfrüchten, Haferflocken und Weizenkeimen enthalten, erklärte Herfurth. Die „wirkungsvollste“ Eisenquelle bleibe jedoch „Fleisch, denn der Körper kann Eisen aus tierischen Lebensmitteln sechs- bis achtmal besser verwerten als Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln“, betonte der Kölner Heilpraktiker. Für die Calciumaufnahme empfiehlt der Experte . Milchprodukte, aber auch verschiedene Gemüsearten wie zum Beispiel Brokkoli. Neben den genannten Nährstoffen sollte Herfurth zufolge auch Caprylsäure, die in einer gesunden Darmflora wirkungsvoll die Vermehrung der Darmpilze verhindert, nach einer Pilztherapie vermehrt aufgenommen werden. So lasse sich mit dieser vor allem in Butterfett enthaltenen Säure, die Darmflora langfristig stärken, erklärte Herfurth. Auf Weißmehl sollte indes ebenfalls besser verzichtet werden. Das Fazit des Heilpraktikers: „Der wichtigste Hebel, mit dem man einem ausufernden Wachstum von Darmpilz vorbeugen kann, ist die Ernährung. (fp)