Diabetes – Anzeichen, Ursachen und Behandlung

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Diabetes mellitus

Diabetes Typ II verbreitet sich in Deutschland immer rasanter. In Deutschland sollen mittlerweile fast neun Millionen Menschen betroffen sein. Die Dunkelziffer der unerkannten Fälle soll bei etwa vier Millionen liegen. Doch die Aufklärung schreitet mit geringeren Schritten voran, als die Erkrankung selbst.

 

Definition

Der Begriff Diabetes mellitus stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „honigsüßer Durchfluss“, eine Anspielung auf das Hauptsymptom des Diabetes: Den im Urin enthaltenen Zucker. Diabetes mellitus ist ein Krankheitsbegriff für verschiedene Formen der Glukose-Stoffwechselstörung. Ursache für Diabetes können entweder Insulinmangel oder eine Insulinresistenz, also eine Empfindlichkeit, oder beides sein.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert in ihren ?-Zellen der Langerhans`schen Inseln das Hormon Insulin. Dieses vermittelt an die Zellen den Transport von Traubenzucker (Glukose) in das Zellinnere, von wo aus er zur Energiegewinnung verbraucht wird (Glykolyse). Insulin bewirkt die Glukoseaufnahme in die Körperzellen zur Energiegewinnung, sowie die Speicherung in Form von Glykogen in Leber und Muskelzellen. Bei Diabetes ist die Insulinherstellung gestört und die Glukose kann nicht in die Zellen aufgenommen werden. Gleichzeitig fehlt die Hemmung der Zuckerneubildung in der Leber. Die Glukose verbleibt also im Blut, wodurch es zu einem Blutzuckeranstieg kommt.

Ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht, schädigt dies die Blutgefäße, was wiederum zu Folgeerkrankungen führen kann. Hierzu zählen Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine und Füße, Veränderungen der Netzhaut, Störungen der Nierenfunktion und Erektionsstörungen. Geschädigte Nerven können Taubheitsgefühle und Gefühlsstörungen verursachen. Um solchen Leiden zuvor zu kommen, ist eine lebenslange und sorgfältige Blutzuckereinstellung unumgänglich. Es werden verschiedene Formen des Diabetes unterschieden.

Formen und Einteilungen

Diabetes mellitus Typ 1
Der Diabetes mellitus Typ 1 wird auch als juveniler Diabetes oder insulin dependent (IDDM) bezeichnet, da er sich bereits im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter manifestiert und die Betroffenen Zeit ihres Lebens Insulin zuführen müssen.
Ursache ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Autoimmunantikörperprozess, bei dem das körpereigene Immunsystem die ? -Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört.

So entsteht Diabetes Typ2
So entsteht Diabetes Typ2. Bild: Bilderzwerg/fotolia

Diabetes mellitus Typ 2
Etwa 90 Prozent aller Diabetiker leiden an einem Typ 2 Diabetes. Der Typ 2 Diabetes wird auch als non insulin dependent (NIDDM) oder als Altersdiabetes bezeichnet, da er früher vornehmlich ältere Menschen betraf. Mittlerweile werden die Betroffenen immer jünger. Dieser Typ gehört zum sogenannten metabolischen Syndrom. Bei ihm ist die körpereigene Insulinproduktion erhalten, anfänglich sogar meist erhöht.

Durch Bewegungsmangel kommt es zu einer Verlangsamung des Glukoseabbaus. Die Insulinausschüttung (Insulinsekretion) ist gestört, wobei häufig die Zufuhr schnell resorbierbarer Kohlenhydrate hinzukommt. Die Insulinkonzentration im Blut steigt dadurch an, gleichzeitig sinkt die Zahl der Insulinrezeptoren und somit die Insulinempfindlichkeit der Zielzellen. Dies wird als Insulinresistenz bezeichnet.

Sekundärer Diabetes
Bei dieser Form entwickelt sich ein Diabetes aufgrund vorangegangener Erkrankungen wie beispielsweise Bauchspeicheldrüsenerkrankungen (z.B. Bauchspeicheldrüsenentzündung, Bauchspeicheldrüsenkrebs), Erkrankungen mit vermehrter Produktion von Hormonen die dem Insulin entgegenwirken (M. Cushing, Akromegalie), Niereninsuffizienz, oder durch die Einnahme von Medikamenten wie Kortikosteroide oder Diuretika vom Typ der Benzothiadiazine.

Schwangerschaftdiabetes (Gestationsdiabetes)
Diese Form des Diabetes entwickelt sich bei 3% der Schwangeren im letzten Drittel der Schwangerschaft und normalisiert sich in der Regel nach der Entbindung. Es besteht jedoch ein erhöhtes Restrisiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus der Mutter. Das Kind wird in der Regel mittels operativer Entbindung zur Welt gebracht und hat ein deutlich erhöhtes Geburtsgewicht von über 4500g (Großwuchs/Makrosomie). Atemnotsyndrome, Unterzucker (Hypoglukämie) und Gelbsucht (Ikterus) beim Neugeborenen sind keine Seltenheit.

Symptome des Typ 1 Diabetes
Der Typ 1 tritt plötzlich auf. Es kommt zu einer gesteigerten Urinausscheidung, obwohl der Betroffene in der Regel vermehrt trinkt, um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Die zunehmende Stoffwechselstörung geht mit Übelkeit und Schwäche bis hin zu Bewusstseinsstörungen einher. Häufig sind Diabetes mellitus Typ 1-Patienten trotz reichlicher Nahrungsaufnahme recht schlank.

Symptome des Typ 2 Diabetes
Der Typ 2 entwickelt sich schleichend und wird häufig erst spät erkannt. Allgemeinsymptome wie Schwäche und Leistungsminderung gehen mit Pilzinfektionen der Haut, Juckreiz, Sehstörungen und rezidivierenden Harnwegsinfekten (z.B. Zystitis) einher. Zudem weisen die Betroffenen meist Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck (Hypertonie) und Übergewicht (Adipositas) auf. Im Vergleich zum Typ 1 Diabetes treten bei dem Typ 2 Diabetes die charakteristischen Symptome wie Durst oder Harnentleerungsstörungen wie vermehrte Urinausscheidung (Polyurie) erst später auf.

Für männliche Patienten beider Typen besteht eine erhöhte Gefahr, im Verlauf der Erkrankung an Potenzstörungen zu leiden, während für weibliche Patienten die Wahrscheinlichkeit eines Ausbleibens der Menstruation (Amenorrhoe) besteht.

Diagnostik

Die Diagnose des Typ 1 lässt sich anhand des erhöhten Blutzuckerspiegels im nüchternen Zustand relativ leicht stellen. Beim Typ 2 hingegen besteht die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung oft bereits jahrelang, so dass er häufig erst aufgrund der Folgeerkrankungen diagnostiziert wird.

Die Diagnostik zeigt sich etwas komplizierter, da der Nüchtern-Blutzuckerwert meist nahe dem Normalwert liegt. Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen, dienen die Blutzuckeruntersuchung, die Laborwerte des Urins und der orale Glukosetoleranztest. Zudem sind im Verlauf und zur Stellung der Erstdiagnose die Blutfette, Leberwerte, Harnsäure, Kreatin und Kreatininclearance, sowie eine Untersuchung des Urins auf Mikroalbumin, ein Ruhe- und ein Belastungs-EKG und eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Oberbauches erforderlich.

Blutzuckeruntersuchung

Mittels eines Blutzuckerschnelltests lassen sich die die Blutzuckerwerte des Patienten innerhalb von zwei Minuten bestimmen. Liegt der Wert des Nüchtern Blutzuckers unter 80 mg/dl ist ein Diabetes unwahrscheinlich. Ab einem Wert von 120 mg/dl sprechen wir von einem manifesten Diabetes mellitus. Es ist sinnvoll, ein Blutzucker Tagesprofil zu erstellen. Hierbei werden vor den Mahlzeiten und etwa eine Stunde anschließend die Werte gemessen. Beim Gesunden liegt dieser Wert unter 120mg/dl, beim Diabetiker über 180 mg/dl.

Laboruntersuchung des Urins

Steigt der Blutzuckerspiegel im Blut über 120 mg/dl im Blut, wird die sogenannte Nierenschwelle überschritten und Glukose nachweislich mit dem Urin ausgeschieden (Glukosurie). Zeigt der Urin-Sticktest an, dass die Niere Ketonkörper ausscheidet (Acetonurie), droht ein hyperglykämisches Koma. Mit zunehmender Schädigung der Nierenkörperchen gelangen Eiweiße aus dem Blut in den Urin (Mikroalbuminurie). Dies ist ein Zeichen für eine Schädigung der Nierenmembran. In der Folge verlieren die Patienten komplex gebaute Eiweiße, was zu sichtbaren Eiweißmangelödemen führt.

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Zu beachten ist, dass die Durchführung eines oralen Glukosetoleranztestes bei bereits pathologischen Nüchternblutzuckerwerten kontraindiziert ist. Zudem sollte er nicht bei Fieber, nach einem Herzinfarkt oder während der Menstruation durchgeführt werden. Auch die Einnahme verschiedener Medikamente wie beispielsweise Benzothiadiazine, Kortikosteroide oder Östrogene erhöhen den Blutzuckerspiegel und verfälschen die Werte dementsprechend. Vor dem Test nimmt der Patient an drei aufeinander folgenden Tagen mindestens 150 g Kohlenhydrate zu sich, bleibt vor dem Test jedoch 12 Stunden nüchtern. Nach Bestimmung des Nüchternblutzuckers nimmt der Patient innerhalb von 5 Minuten 75 g Glukose in Form eines Saftes zu sich. 2 Stunden später wird erneut der Blutzuckerspiegel gemessen. Ist dieser nun über 200 mg/dl hoch, liegt ein Diabetes vor. Werte zwischen 140 und 200 mg/dl zeugen von einer pathologischen Glukoseintoleranz.

Glykohämoglobine (HbA1)

Der Glykohämoglobin-Wert erlaubt es, eine Aussage über den Blutzuckerwert innerhalb der letzten 6 bis 8 Wochen zu treffen und dient so als Verlaufkontrolle und zur Überprüfung der medikamentösen Einstellung und Mitarbeit des Diabetes-Patienten. Hierbei wird entnommenes venöses Blut eingedickt. Je nach Labor kann es zur Variation der angegebenen Werte kommen. In der Regel liegt der Wert bei guter Einstellung unter 7 Prozent, bei schlechter über 9 Prozent.

Diabetisches Koma

Das diabetische Koma tritt bei extrem hohen Blutzuckerwerten auf und wird auch als hyperglykämischer Schock bezeichnet. Ein Grund kann zu wenig Insulin sein, etwa durch zu niedrige Insulin Dosierung oder vergessene Injektionen. Auch die Notwendigkeit eines höheren Insulin Bedarfes ( z. B. Diätfehler oder Infektionen) kann zu einem Diabetischen Koma führen.

Hierbei wird zwischen ketoazidotischem und hypersomalem Koma unterschieden. Beide Formen kündigen sich vorher durch die gleichen Symptome an, zu denen Appetitlosigkeit, gesteigerter Durst (Polydipsie), vermehrte Urinausscheidung (Polyurie), Erbrechen, Schwäche, gesteigerte Atemfrequenz (Tachypnoe), Bewusstseinstrübung, so wie Schocksymptome (gesteigerte Pulsfrequenz und erniedrigter Blutdruck, Herzrasen) gerechnet werden. Die Therapie beider Formen erfolgt auf der Intensivstation, wo Insulin zugeführt wird und der Flüssigkeitsverlust und der Elektrolythaushalt ausgeglichen werden.

Ketoazidotisches Koma

Das Ketoazidotische Koma betrifft überwiegend den Typ 1 Diabetes und entwickelt sich innerhalb von Stunden oder Tagen. Viele Patienten klagen über Bauchschmerzen, bei ihnen lässt sich ein auffallend harter Bauch ertasten. Es kommt zu einer Überzuckerung mit Blutzuckerwerten von 300 bis 700 mg/dl und Fettabbau mit einhergehender Produktion von Ketonkörpern. Dadurch wird ein obstartiger Azetongeruch in der Atemluft (sog. Kussmaulatmung) erzeugt.

Hyperosmolares Koma

Vom hyperosmolaren Koma ist in der Regel der Typ 2 Diabetiker betroffen. Es entwickelt sich schleichend mit Blutzuckerwerten von über 600 mg/dl. Durch den hohen Flüssigkeitsverlust in Folge der vermehrten Ausscheidung von Urin kommt es zum Verlust an Elektrolyten und zu innerer Austrocknung (Exsikkose). Die Haut der Betroffenen ist trocken und warm.

Hypoglykämischer Schock (Unterzucker)

Bei einem hypoglykämischen Schock liegt ein erniedrigter Blutzuckerspiegel von meist unter 50 mg/dl als Folge einer Überdosierung von Insulin oder Sufonylharnstoffen im Vergleich zur Kohlenhydrataufnahme vor. Auch Alkoholkonsum oder starke körperliche Belastung können für den Schockzustand auslösend sein. Dieser entwickelt sich plötzlich und kann innerhalb von Minuten auftreten. Er zeigt sich durch Heißhunger, übermäßiges Schwitzen, innere Unruhe und Zittern. Die Pulsfrequenz steigt deutlich, während der Blutdruck sinkt. Außerdem kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit, sowie zu Krämpfen und zentralen Atem- und Kreislaufstörungen kommen.

Einem Diabetiker sollte bei Verdacht oder Anzeichen für Unterzuckerung sofort Glukose in Form von Zucker (z. B. Traubenzucker, Schokolade, Apfelsaft, Cola) zugeführt werden. Darüber hinaus sollte immer nach der Ursache für das Auftreten der Hypoglykämie gesucht werden, um einen erneuten Schock zu verhindern.

Folgeerkrankungen

Patienten die unter Diabetes leiden, sind oftmals von Folgeerkrankungen betroffen. Hier zeigen wir die wichtigsten Folgeerkrankungen einer Diabetes mellitus auf.

Diabetische Makroangiopathie und Mikroangiopathie

Als Makro- und Mikroangiopathie werden diabetische Gefäßschäden bezeichnet. Die Erkrankung der großen Blutgefäße (Makroangiopathie) führt zu einer Arteriosklerose, aus der sich ein erhöhtes Risiko für KHK (Koronare Herzkrankheit), Schlaganfall (Apoplex), und die periphere arterielle Verschlusskrankheit ergibt. Aufgrund der Nervenschädigungen (Polyneuropathie) ist das Schmerzempfinden herabgesetzt, so dass die ersten Warnsymptome für einen Herzinfarkt wie Angina Pectoris Anfälle oder Claudicatio intermittens bei einer arteriellen Verschlusskrankheit fehlen. Zu den Erkrankungen der kleinen Blutgefäße (Mikroangiopathie) zählen die Diabetische Nephropathie, Diabetische Polyneuropathien, Augenkomplikationen, Diabetischer Fußsyndrom sowie die Diabetische Kardiomyopathie.

Diabetische Nephropathie

Bei der Diabetischen Nephropathie (Glomerulosklerose Kimmelstiel-Wilson) kommt es zur Vergrößerung der Kapillarknäuel (Glomerolie) der Niere. Die glomerulären Kapillarwände verdicken sich und es bilden sich Knötchen in den Kapillarknäueln (Glomerulie). Früh zeigt sich eine erhöhte Eiweiß-Ausscheidung im Urin (Albuminurie) an Hand der Urin Laborwerte. Etwa 50 Prozent der Dialyse Patienten sind Diabetiker.

Diabetische Polyneuropathie

Als Diabetische Polyneuropathien werden nicht verletzungsbedingte Erkrankungen peripherer Nerven bezeichnet. Sie zeigen sich durch Sensibilitätsstörungen, Missempfindungen besonders der Unterschenkel und der Füße, Schmerzen und eventuell Lähmungen. Häufig kommt es zu einer Mitbeteiligung des vegetativen Nervensystems mit Herzrhythmusstörungen, Blutdruckregulationsstörungen, Schwindel, Magenentleerungsstörungen, Übelkeit, Störungen der Blasenfunktion, Durchfall (Diarrhoe) oder Verstopfung (Obstipation). Auch Sexualfunktionsstörungen bei Männern und Frauen sind möglich.

Augenkomplikationen

Die Diabetische Retinopathie bezeichnet die Netzhautschädigung durch Gefäßneubildungen und Einblutungen, sowie Netzhautablösungen durch Mikroangiopathie. Zudem können Linsentrübung (Katarakt) und Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom) Folge des Diabetes sein.

Diabetisches Fußsyndrom

Etwa ein Viertel der Diabetiker entwickelt ein diabetisches Fußsyndrom. Das Zusammenspiel von Makro- und Mikroangiopathie und die damit einhergehende Infektanfälligkeit können bereits bei kleinsten Verletzungen und Druckstellen am Fuß zu Geschwüren mit Knochenbeteiligung und Gangrän führen. Im Anfangsstadium ist die Druckentlastung durch orthopädische Schuhe erfolgversprechend, im Endstadium ist jedoch eine Operation oder Amputation häufig unabdingbar. Aus diesem Grund ist die Prophylaxe zur Entstehung einer Verletzung, beispielsweise durch gezielte medizinische Fußpflege, unbedingt zu beachten.

Diabetische Kardiomyopathie

Die genaue Ursache der diabetischen Kardiomyopathie, also Erkrankung des Herzmuskels, ist noch ungeklärt. Vermutlich ist sie auf die Stoffwechselstörungen und eine Mikroangiopathie, also eine Schädigung der kleinen Gefässe, zurückführen.

Konventionelle Therapie

Der Typ 1 Diabetiker ist von Anfang an insulinpflichtig und wird es sein ganzes Leben bleiben. Je nach Schwere der Erkrankung ist die Form, in der dies geschieht, unterschiedlich. Zudem ist eine regelmäßige Verlaufskontrolle anzuraten. Bei beiden Diabetes Formen ist das Ziel der Therapie die optimale Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden über einen normalen Blutzuckerwert. Beim Typ 2 Diabetes wird dies eingangs über konsequente Diät und Bewegungstherapie zur Reduktion des Körpergewichtes versucht. Wird dadurch keine ausreichende Senkung des Blutzuckerspiegels erreicht, ist auch hier die medikamentöse Therapie unabdingbar. Zudem lässt in der Regel die körpereigene Insulinproduktion mit den Jahren nach, was auch in diesem Fall zu einer sekundären Insulinpflicht führt.

Diät bei Diabetes

In der Diabetesbehandlung stellt die Diät die Grundlage einer erfolgreichen Behandlung dar. Sie entspricht im Wesentlichen einer ausgewogenen Vollwertkost. Die Basis der Diät ist die Beachtung der Kohlenhydat- und Fettaufnahme. Gleichzeitig soll der von Alter, Geschlecht, Beruf und Freizeitaktivitäten abhängige Energie- und Nährstoffbedarf gedeckt sein. Für Typ 1 Diabetiker ist es unabdingbar, die genaue Menge an Kohlenhydraten in einzelnen Nahrungsmitteln zu kennen. Für den Typ 2 Diabetes steht der Kaloriengehalt der Nahrungsmittel im Vordergrund der Diät.

Grundsätzlich sollte die Nahrungsaufnahme auf sechs bis sieben kleinere Mahlzeiten anstatt auf drei Hauptmahlzeiten verteilt werden. Prozentual sollte die Nahrung zu 50 % aus Kohlenhydraten, zu 35% aus Fetten und zu 15% aus Eiweiß zusammengesetzt sein. Käse, Wurst und Fleisch sollten nur in geringem Maße aufgenommen werden. Die Ernährung sollte nur einen geringen Anteil an Monosaccariden (Weißmehl, Zucker) aufweisen, stattdessen werden Polysaccaride (Kartoffeln, Vollkorn, Reis) bevorzugt.

Vom Speiseplan zu streichen sind Traubenzucker, Saccharose und Honig. Ersatzweise sollten Zuckeraustauschstoffe wie Fruktose, Laktose, Sorbit oder Xylit verwendet werden. Als Getränke eignen sich Mineralwasser und ungesüßte Kräutertees. Zudem sollte der Alkoholkonsum weniger als 20 g am Tag betragen. Diabetikerbier und trockene Weine sind erlaubt.

Orale medikamentöse Therapie

Die orale medikamentöse Therapie ist bei Typ 2 Diabetikern indiziert, wenn trotz Gewichtsreduktion die Normalisierung der Blutzuckerwerte ausbleibt. Die Produktion von körpereigenem Insulin durch die Bauchspeicheldrüse ist Voraussetzung für die Durchführung der oralen medikamentösen Therapie. Es stehen folgende Wirkstoffe zur oralen Therapie zur Verfügung:

Sulfonylharnstoffe:
Sulfonylharnstoffe (enthalten in Rp Gluborid® oder Rp Euglucon®) sind der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff in der oralen medikamentösen Therapie. Er stimuliert die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse und wirkt so blutzuckersenkend. Im fortgeschrittenen Stadium des Diabetes ist eine Kombination mit Insulin möglich. Dabei kann es zu Nebenwirkungen wie Magen–Darm Beschwerden oder Allergien kommen. Bei falscher Einnahme könnte eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) die Folge sein.

Guarmehle und Acarbose:
Guarmehle (z.B. in Glucotard®) und Enzymhemmer wie Acarbose (etwa in Rp Glucobay®) hemmen die Kohlenhydratresorption im Magendarm-Trakt. Dadurch können Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten verhindert werden. Die beiden Antidiabetika werden häufig bei Typ 1 Diabetikern zur Unterstützung der Insulin-Therapie eingesetzt. Anfängliche Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall (Diarrhoe) sind keine Seltenheit.

Biguanide:
Biguanide (Metformin z. B. Rp Glucophage®) verzögern die Kohlenhydratresorption aus dem Darm. Gleichzeitig fördern sie die Glukoseaufnahme in die Muskulatur, hemmen die Neubildung von Glukose, etwa aus Milchsäure in der Leber, und erleichtern die Gewichtsabnahme, da sie den Appetit senken. Sie werden allerdings aufgrund der Gefahr von Blutveränderungen und metabolischer Azidose durch Laktatvermehrung im Blut nur noch in Einzelfällen verordnet.

Insulin-Therapie

Die Insulin-Therapie ist bei allen Typ 1 Diabetes und beim Typ 2 Diabetes angezeigt, wenn Diät, Bewegungstherapie und orale antidiabetische Medikation nicht ausreichen.

Sie kann auch kurzfristig, beispielsweise bei größeren OPs bei Diabetes Patienten und beim diabetischen Koma, eingesetzt werden. Mittlerweile werden über 90 Prozent aller Diabetiker mit genetisch hergestelltem Humaninsulin behandelt. Patienten, die bereits vor längerer Zeit mit Insulin vom Schwein oder Rind gut eingestellt wurden, werden nicht mehr umgestellt.

Das Insulin wird per Spritze verabreicht. Der Patient bzw. das Pflegepersonal spritzt im Rahmen einer Dauerverordnung meist abwechselnd in das Unterhautfettgewebe (subkutan) des Bauches oder des Oberschenkels. Es gibt Insulin-Einmalspritzen oder sogenannte Insulin Pens, mit Hilfe derer die Dosierung per Knopfdruck eingestellt werden kann. Selten werden beim Typ 1 Diabetes Insulinpumpen eingesetzt, die über einen im Unterhautfettgewebe sitzenden Katheter kontinuierlich Insulin abgeben. Die Dosierung wird in internationalen Einheiten (IE) angegeben. Unterschieden wird zwischen kurzwirksamen Insulinen, Verzögerungsinsulinen, Langzeitinsulinen und Mischinsulinen.

Kurzwirksame Insuline:
Sie werden bei akuten Stoffwechselentgleisungen sowie bei intensivierter konventioneller Insulintherapie eingesetzt. Sie wirken bereits nach 15 bis 30 Minuten und haben ihren Wirkungsgipfel nach ein bis zwei Stunden. Nach vier bis sechs Stunden ist keine Wirkung mehr zu verzeichnen.

Langzeitinsuline:
Langzeitinsuline kommen bei intensivierter Insulintherapie zum Einsatz. Ihre Wirkzeit beginnt erst nach drei bis vier Stunden und hält bis zu 28 Stunden an.

Mischinsuline
Mischinsuline sind eine Mischung aus Normal- und Verzögerungsinsulinen. Sie sind in verschiedenen Mischverhältnissen erhältlich. Hauptanwendungsgebiet ist die konventionelle Insulintherapie.

Verzögerungsinsuline:
Intermediärinsuline (wie z. B. Insulman Basal, Humininsulin Basal) weden bei älteren Patienten mit stabiler Stoffwechsellage und als Bestandteil von Mischinsulinen eingesetzt. Sie haben eine Wirkdauer von 12 bis 18 Stunden die nach etwa 30 bis 45 Minuten beginnt. Das Maximum ist nach etwa vier bis acht Stunden erreicht.

Naturheilkunde bei Diabetes

Im Falle einer Diabetes mellitus Typ 1-Erkrankung handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung gegen die insulinproduzierenden Pankreaszellen. Dementsprechend macht eine naturheilkundliche Therapie nur wenig Sinn. Typ 2 kann jedoch durchaus mit Therapien und Mitteln aus dem naturheilkundlichen Spektrum positiv beeinflusst werden.

Ernährungstherapie Diabetes

Grundsätzlich gelten die Richtlinien für eine an den tatsächlichen Kalorienbedarf angepasste gesunde Ernährung. Empfohlen wird eine reichliche Zufuhr von Kohlenhydraten mit hohem Ballaststoff-Anteil, wie etwa Gemüse, Topinambur, Kartoffeln, Obst, Vollkornprodukte und Rohkost. Ballaststoffe sorgen dafür, dass Kohlenhydrate nur verzögert in den Darm abgegeben werden. Dadurch bleibt der Blutzuckerspiegel konstant und ein schneller Blutzuckeranstieg während der Mahlzeiten kann verhindert werden. Insbesondere Brokkoli und Spinat aber auch Gurken und Grapefruits sollen sich günstig auf die Stoffwechselstörung auswirken.

Weißmehlprodukte, geschälter Reis und Fertigprodukte sind aufgrund der enthaltenen raffinierten Kohlenhydrate zu meiden. Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel sind absolut verboten. Da Süßstoff das Verlangen nach süßen Lebensmitteln steigert, sollte er mit Bedacht verwendet werden. Lebensmittel mit vielen ungesättigten Fettsäuren, wie etwa Wurst oder Fleisch, gilt es nur in Maßen zu konsumieren. Statt tierischer Fette sollten hochwertige pflanzliche Öle den Vorzug erhalten. Hilfreich zur Anregung des Stoffwechsels kann eine Trinkkur mit sulfat- oder magnesiumhaltigen Heilwässern sein.

Homöopathie Diabetes

Von einer homöopathischen Behandlung kann eine echte Heilung der Diabetes nicht erwartet werden, eine Besserung der Stoffwechsellage ist jedoch möglich, ebenso können die Bemühungen um Normalgewicht und Bewegungsfreude gestärkt werden. Folgende Konstitutionsmittel können zur Behandlung angezeigt sein: Acidum phosphoricum, Carcinosinum, Helonias, Lac Defloratum, Lycopodium, Lycopus, Phosphorus, Plumbum, Sulfur, Tarantula. Komplexmittel zur Unterstützung enthalten meist Syzygium jambolanum (eine bewährte Indikation bei Diabetes melitus), Kreosotum (bei Folgezuständen wie Juckreiz oder Gangrän), Acidum phosphoricum (bei nervösen Erschöpfungszuständen oder Gedächtnisschwäche) oder Natrium sulfuricum (bei Störungen von Leber und Pankreas oder depressiver Verstimmung).

Ordnungstherapie

Wichtig für Diabetes-Patienten ist regelmäßige körperliche Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen. So kann die Glukosetoleranz verbessert und Übergewicht abgebaut werden. Bei Übergewicht wirkt sich eine schonende Gewichtsreduktion vorteilhaft auf die Normalisierung des Blutzuckerspiegels aus. Da Stress zu beträchtlichen Blutzuckerschwankungen führen kann, sollte dieser soweit wie möglich ausgeschaltet werden. Als ordnende Faktoren dienen ausreichender Schlaf und die Einhaltung eines regelmäßigen Tagesablaufs. Auf Nikotin und Alkohol sollte verzichtet werden.

Orthomolekulare Therapie

Für Diabetiker ist Zink sehr wichtig, da es mit Insulin biochemisch und funktionell in enger Beziehung steht: Als Zink-Insulin-Komplex wird Insulin in der Bauchspeicheldrüse gespeichert. Dieser Komplex wird bei der Insulinfreisetzung aufgespalten. Bei vielen Diabetikern wird von einer Störung in diesem Ablauf ausgegangen und häufig ein erniedrigter Zinkplasmaspiegel als Folge der Ausscheidung von Zink mit dem Urin festgestellt. In diesem Fall empfiehlt die Orthomolekulare Medizin die Gabe von Zink, welches die Insulinintensität erhöhen und Insulinabbau regulieren kann. Hyperglykämie und ein gestörter Fettstoffwechsel setzen viele Diabetes-Patienten unter erheblichen oxidativen Stress. Antioxidative Vitamine wie Vitamin C oder Vitamin E können dem entgegenwirken.

Eine weitere geeignete Nahrungsergänzung für Diabetiker ist Bierhefe, die aufgrund des Gehalts an Chrom die Glukosetoleranz erhöht (der Glukosetoleranzfaktor ist chromhaltig) und die Wirkung des Insulins verstärkt. Um die Gefahr von Nervenschäden abzumildern, ist zu einer Gabe von B-Vitaminen zu raten. Bei diabetischen Neuropathien wird ?-Liponsäure empfohlen.

Phytotherapie Diabetes

Verschiedene Heilpflanzen wirken sich positiv auf den Zuckerstoffwechsel aus und stabilisieren den Blutzuckerspiegel. Zu ihnen zählt Löwenzahn (Taraxacum officinale), der entgiftend wirkt und den Leberstoffwechsel harmonisiert. Da die Leber neben der Bauchspeicheldrüse das zentrale Organ für die Regulation des Zuckerhaushaltes ist, wirkt sich dies positiv auf den Patienten aus.

Wegwarte (Cichorium intybus) reguliert die Tätigkeit der Oberbauchorgane Milz, Bauchspeicheldrüse und Leber und kann so ebenfalls ausgleichend auf Blutzuckerschwankungen wirken, Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) zeigt einen ähnlichen Effekt. Artischocke (Cynara scolymus) ist hervorragend zur Senkung erhöhter Blutzuckerwerte geeignet und reguliert in der Leber die Umwandlung von Fett in Zucker.

Bärlauch (Allium ursinum) kann Ablagerungen an der Gefäßinnenwand abbauen und den Blutdurchfluss verbessern. Weiterhin wird der Zimtrinde eine günstige Wirkung bei Diabetes mellitus Typ 2 zugesprochen, was bei einer Tagesdosis von 1- 6 g in einer Studie nachgewiesen werden konnte.

Stevia

Aus der Naturheilkunde sind schon lange Stimmen zu hören, die den vermehrten Einsatz der Stevia- Pflanze als Süßungsmittel verlangen. Die Blätter der aus Südamerika stammenden Pflanze, können über das 30fache des Rohrzuckers bieten. Eine Eigenschaft, die die Indianer Südamerikas schon seit Jahrhunderten nutzen. Für Diabetiker wäre das Honigkraut, wie die Pflanze auch genannt wird, gut, weil keine Erhöhung des Blutzuckerspiegels erfolgen würde. Stevia Rebaudiana soll die unangenehmen Nebenerscheinungen der Zuckeraufnahme wie Karies und zunehmendes Gewicht garnicht haben und sogar den Blutzucker senken können. In der Naturheilkunde wird Stevia deswegen bisher schon bei Bluthochdruck und Sodbrennen verwendet. Die Zulassung der Europäischen Commission (EC) als Lebensmittel ist bisher noch nicht erfolgt, aber es soll Bestrebungen großer Konzerne wie Coca Cola geben, Patente auf einzelne Inhaltsstoffe zu erwirken.

Osteopathie und Diabetes

Eine Behandlung mit den Händen wirkt bei einem Diabetes auf betroffene Patienten und Außenstehende selbst meist erst einmal befremdlich und undenkbar. Aber bei noch funktionstüchtigen Arealen in der Bauchspeicheldrüse kann eine mechanische Intervention eine unterstützende Maßnahme sein. Schon 1906 beschrieb der Osteopath Marion Edward Clark in seinem Buch „ Angewandte Anatomie“ den Zusammenhang zwischen Funktionsstörungen des Pankreas und dem sechsten, siebten und achten Brustwirbel, sowie den dazugehörigen Rippen. Daneben sollen Funktionsstörungen der Gallenblase und des Vagusnerven Einfluss auf die Funktion der Bauchspeicheldrüse nehmen.

Der Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still, beschrieb in seinem Buch „Forschung und Praxis“ vier Jahre später als Clark, dass Diabetes und Fettleibigkeit „Wirkungen von schweren Subluxationen in der Gegend des ersten, zweiten, dritten und vierten Brustwirkelkörpers“ seien. Diese würden aus der mechanischen Sicht der Osteopathie dafür sorgen, dass der fünfte und sechste Nerv, der zwischen den Rippen verläuft irritiert werde. Er riet dazu, in diesem Bereich „die Empfindung, die Bewegung und die Ernährung in Betracht“ zu ziehen. Weiterhin riet er unter anderem, „sanft den Magen und die Eingeweide von der rechten auf die linke Seite“ zu ziehen. (js)

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Nachweis: Michael Horn  / pixelio.de