Michael Douglas erkrankte durch Oralsex an Krebs

Lars Budde

Michael Douglas erkrankte durch Oralsex an Zungenkrebs

03.06.2013

Im Interview mit einer britischen Zeitung erklärt Schauspieler Michael Douglas, seine überstandene Krebserkrankung ließe sich auf Oralsex zurückführen. „Ohne zu spezifisch zu werden, dieser bestimmte Krebs wird durch HPV (Humane Papillomaviren) verursacht, die vom Cunnilingus stammen“, erzählte der 68-Jährige. Ursprünglich war Douglas der Meinung, der Stress aufgrund der Haftstrafe seines Sohnes sei für die Erkrankung verantwortlich. „Aber ja, es ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die den Zungenkrebs verursachte.“

Der Tumor des Schauspielers wurde trotz regelmäßiger Untersuchungen lange Zeit nicht von Ärzten erkannt, sie behandelten seine Symptome zunächst mit Antibiotika. Ein befreundeter Arzt aus Montreal erkannte schließlich den walnussgroßen Tumor im Rachenraum. „Seinen Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen“, sagte Douglas. Eine achtwöchige Behandlung inklusive Chemotherapie heilte den Schauspieler vor rund zwei Jahren. Alle sechs Wochen müsse er sich jetzt medizinisch prüfen lassen. Doch Douglas gibt sich zuversichtlich: „Diese Art des Krebs, kommt in 95 Prozent der Fälle nicht mehr zurück“.

Oralsex ist häufiger Verursacher von Krebs im Mund- und Rachenraum
Ursprünglich galt Rauchen und Alkohol als die Hauptursache von Tumoren im Kopf-Hals-Bereich. Mittlerweile zeigen Studien, dass ein Großteil der im Mundbereich auftretenden Tumore humane Papillomaviren aufweist. Professor Jens Klußmann, Direktor der Uniklinik Gießen, erklärte auf der Jahresversammlung für HNO-Heilkunde im vergangenen Jahr: „Diese Viren lösen wahrscheinlich jeden zweiten Krebs im Mundrachen und jeden vierten Tumor der Mundhöhle aus.“ Eine besondere Rolle spielt hierbei der Virustyp 16.

Mit jährlich über 18.000 Betroffenen sind Kopf-Hals-Tumore die vierthäufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Wie viele der Tumore im Mundbereich durch humane Papillomaviren verursacht werden, ist allerdings unklar. US-amerikanische Studien ermittelten Werte um 60 Prozent, skandinavische Studien kommen auf ganze 90 Prozent. „In Deutschland liegen die Raten bisher bei rund 30 Prozent“, so Klußmann. Norwegische Wissenschaftler gehen von einer jährlichen in Höhe von vier bis fünf Prozent aus. Unklarheit herrscht noch über die genauen Infektionsursachen.

HPV-Erkrankungen sind nicht ungewöhnlich
Mittlerweile sind mehr als 100 Typen des HP-Virus bekannt, die üblicherweise in Haut- und Schleimhautzellen sitzen. Die Übertragung erfolgt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, seltener auch durch gemeinsam benutzte Handtücher oder Trinkgläser. Oftmals bleibt die Ansteckung von den Betroffenen unbemerkt. Rund 40 HPV-Typen befinden sich an Geschlechtsteilen und dem After, sie werden deshalb auch als „genitale HPV-Typen“ bezeichnet.

Rund 75 Prozent aller Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben mit HPV. In der Regel wird jedoch das eigene Immunsystem mit der Krankheit fertig. Die Viren sind deshalb auch nicht dauerhaft nachweisbar. Eine erneute Ansteckung ist aber jederzeit möglich. Im Genitalbereich führen HP-Viren entweder zu Genitalwarzen, die vergleichsweise harmlos sind. Es sind aber auch fortschreitende Gewebsveränderungen möglich, die zu einem bösartigen Tumor entarten können.

Impfstoff soll junge Mädchen vor HP-Viren schützen
Bekannt ist, dass HP-Viren Gebärmutterhalskrebs verursachen. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg ermittelten darüber hinaus einen . Eine Untersuchung ergab, dass Hautzellen von Tieren durch „beta-Papillomaviren anfälliger für schädliche UV-Strahlung“ werden. Sie seien demnach direkt an der Krebsentstehung beteiligt.

Um junge Mädchen vor den Folgen der Infektion zu schützen, bevor sie sich überhaupt anstecken können, empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts im Alter von zwölf bis 17 Jahren eine Impfung vor den Hochrisiko-Typen. Noch ist allerdings unklar, ob auch Jungen von dem Impfstoff profitieren. Für sie gibt es deshalb noch keine allgemeingültige Impfempfehlung. (lb)

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