Mit Musik-Therapie gegen Demenz-Erkrankungen vorgehen?

Fabian Peters

Musik entfaltet weitreichende positive Effekte bei Demenz

Welche Wirkung hat Musik auf Demenz? Dieser Frage sind britische Wissenschaftler des International Longevity Centre – UK und der Utley Foundation nachgegangen und haben nun erste Ergebnisse vorgelegt. Insbesondere der Einsatz von Musik bei der Prävention, Behandlung und Pflege von Menschen mit Demenz stand dabei im Fokus. Laut Aussage der Wissenschaftler entfaltet Musik zahlreiche positive Effekte bei Demenz-Patienten.


Das interdisziplinäre Forschungsteam unter Beteiligung von Professor Alistair Burns, Nationaler Klinischer Direktor für Demenz am NHS England, hat untersucht, wie musikbasierte Aktivitäten das Leben von Menschen mit Demenz verändern können. Der nun vorgestellte Report mit den ersten Forschungsergebnissen mache deutlich, „dass Musik bei Demenzkranken – ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer ethnischen Herkunft oder ihres sozialen Hintergrunds – die Kommunikation verbessern und Ängste, innere Unruhe und Depressionen verringern kann“, so die Mitteilung der Utley Foundation.

Demenzpatienten können erheblich von einer Musiktherapie profitieren. (Bild: Firma V/fotolia.com)

Demenz bleibt bislang unheilbar

Millionen Menschen leiden an einer Demenzerkrankung und in den kommenden Jahrzehnten wird sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland die Zahl der Erkrankungen dramatisch steigen. Die Betroffenen zeigen dabei einen zunehmenden Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten und werden hierdurch in ihrem Alltag massiv beeinträchtigt – bis hin zu vollständigen Pflegebedürftigkeit. Bislang sind Demenzerkrankungen nicht heilbar, bei frühzeitiger Diagnose kann jedoch der Krankheitsverlauf verzögert werden.

Zu wenig Zugang zu Musiktherapie

„Trotz wachsender Beweise für den Wert von Musik für Menschen mit Demenz wird nicht genug unternommen, um den Zugang zu angemessenen Musik-basierten Aktivitäten zu verbessern“, betont die Geschäftsführerin des ILC-UK, Sally Greengross. Bezogen auf die spezielle Musiktherapie betrage die aktuelle Verfügbarkeit in Großbritannien nur rund 30 Sekunden wöchentlich pro Person mit Demenz. Lediglich sehr wenige Menschen profitieren „von dieser wertvollen Intervention“, so Greengross weiter.

Therapeutische Möglichkeiten nutzen

In dem aktuellen Report wird anhand einer Vielzahl von Einzelberichten dargelegt, „was wir derzeit über die Auswirkungen von Musik auf Demenz wissen“, erläutern Greengross und Kollegen. Auch werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie unsere alternde Gesellschaft von dieser wenig genutzten therapeutischen Möglichkeit profitieren kann, so die Experten weiter.. „Musik sollte nicht nur als nice-to-have betrachtet werden“, betont Sally Bowell vom ILC-UK.

Evidenzbasierte Vorteile der Musik

Musik hat laut Aussage der Forscher „für Menschen mit Demenz greifbare, evidenzbasierte Vorteile, wie zum Beispiel die Minimierung der Verhaltens- und psychologischen Symptome, die Bekämpfung von Depressionen und Ängsten und, was noch wichtiger ist, die Verbesserung der Lebensqualität.“ Doch Menschen mit Demenz leben den Experten zufolge oft in einer stillen Welt. Musik könne sie hier regelrecht wieder zum Leben erwecken. „Wir möchten auf die wichtigen Vorteile der Musik aufmerksam machen und Organisationen und Einzelpersonen gleichermaßen dabei unterstützen, den Zugang zu Musik für Menschen mit Demenz zu fördern“, betonen die Forscher. (fp)