Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom: Mutter quälte eigenen Sohn mit Kot-Infusionen

Sebastian
Mutter soll Sohn mit Kot und Urin verseuchte Spritzen verabreicht haben, um ihn krank zu machen
Einer Mutter aus Hamburg wird vorgeworfen, ihrem damals dreijährigem Sohn mit Kot und Urin verseuchte Spritzen verabreicht zu haben, um das Kind krank zu machen. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Frau am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet, einer seltenen psychischen Störung, bei der die Mütter große Fürsorge vorgaukeln, obwohl sie ihren Kindern gesundheitliche Schäden zufügen. Über den Fall berichtet der „NDR“.

Mutter leidet wahrscheinlich am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom
Laut dem Bericht des Senders soll die Frau ihrem Sohn eine Mischung aus verdünntem Kot, Urin, Speichel und abgestandenem Wasser gespritzt haben. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat die 30-Jährige wegen schwerer Kindesmisshandlung angeklagt, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte. Der damals dreijährige Junge sei durch die Bakterien so schwer krank geworden, dass er über Monate im Krankenhaus behandelt werden musste und zeitweise sogar in Lebensgefahr schwebte.

Die ständigen Injektionen haben das Kind sehr geschädigt. (Bild: stalnyk - fotolia)
Die ständigen Injektionen haben das Kind sehr geschädigt. (Bild: stalnyk – fotolia)

Nachdem die Ärzte zunächst Leukämie bei dem Kind vermuteten, entdeckten sie Flaschen mit der bakterien-verseuchten Lösung im Krankenzimmer. Mit den Vorwürfen konfrontiert, gab die Frau zu, ihrem Sohn die krankmachenden Injektionen verabreicht zu haben. Sie kam daraufhin in die Psychiatrie. Ob sie vermindert schuldfähig ist, muss noch geklärt werden. Die Anklage lautet auf „Misshandlung von Schutzbefohlenen, wodurch der Schutzbefohlene in die Gefahr des Todes gebracht wurde, zudem gefährliche Körperverletzung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht“, berichtet der Sender.

Möglicherweise leidet die Mutter am äußerst seltenen Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. In Deutschland soll es nur zwischen 50 und 200 Fällen geben. Die Betroffenen – meist sind es die Mütter – täuschen Krankheiten ihrer Kinder vor und verursachen diese sogar, um das Kind in medizinische Behandlung zu geben. Dort erscheinen die Täterinnen sehr „fürsorglich und besorgt“, zitiert der Sender einen Psychiater. Die Mütter würden die Aufmerksamkeit genießen, die ihnen wegen ihrer positiven Rolle als fürsorgliche Mutter entgegengebracht werde. Meist weise diese Form des Kindesmissbrauchs auf „sehr starke innerseelische Nöte“ der Mütter hin, „ein Hilfeschrei, über das Kind ausgedrückt“. (ag)