Mythen in der Urologie: was stimmt, was nicht?

Heilpraxisnet

Viele Volksweisheiten halten näherer Betrachtung nicht stand

13.09.2011

Rund um die Urologie kursieren zahlreiche Mythen: „Fahrrad fahren mache impotent“ oder „Kälte verursache Blasenentzündungen“ gehören zu den Klassikern. Doch in welchen dieser Aussagen steckt tatsächlich ein Funken Wahrheit und welche stellen sich bei fachlicher Überprüfung als Irrtümer heraus? Dr. Reinhold Schaefer, Urologe und Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Uro-GmbH Nordrhein, einem Zusammenschluss niedergelassener Urologen, klärt über fünf häufige Legenden der Urologie auf.

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Machen Laptop, Handy & Co. impotent?
Häufiges Thema: die männliche Potenz und Fruchtbarkeit. Gerade technische Geräte stehen immer wieder in Verdacht, die Männlichkeit zu gefährden. Dem Volksglauben nach beeinträchtigt beispielsweise Wärme durch Sitzheizung oder bei Benutzung eines Laptops auf dem Schoß die Fruchtbarkeit des Mannes. „Es stimmt zwar, dass Hoden starke Wärme nicht vertragen und die optimale Temperatur für uneingeschränkte Samenproduktion unterhalb der Körpertemperatur liegt“, erklärt Dr. Schaefer, „für eine dauerhafte Schädigung wäre aber eine wochen- bis monatelange Überhitzung nötig.“ Möglich ist jedoch, dass lange Wärmeeinwirkung über Stunden kurzzeitig die Spermienqualität vermindert.

Handys gelten dagegen vor allem aufgrund der von ihnen ausgehenden Strahlung als fruchtbarkeitsschädigend. Diese Angst scheint nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand allerdings weitgehend unbegründet. Auch hier kommt allenfalls Wärme, welche Mobiltelefone vor allem beim Tragen in Hosentaschen abgeben, als Ursache für eine temporär eingeschränkte Spermienqualität infrage.

Ebenfalls hartnäckig hält sich das Gerücht, Fahrrad fahren mache impotent. Urologen widersprechen aber auch dieser häufig geäußerten Vermutung. Selbst wer viel und lange radelt, trägt demnach keinen Schaden davon. Eventuelle Schmerzen nach längeren Touren führen Experten auf eine Fehlstellung des Sattels zurück. „Selbst diese schmerzhaften Reizungen deuten jedoch in keiner Weise auf Einschränkungen der Potenz hin,“ betont Dr. Schaefer. Er empfiehlt breite, weich gepolsterte Sättel und eine Neigung der Spitze nach unten.

Frauenleiden und Geheimtipps auf dem Prüfstand
Doch nicht nur Männer werden mit Halb- und Unwahrheiten der Urologie konfrontiert. Beim weiblichen Geschlecht drehen sich Volksweisheiten aber häufig um eine Erkrankung, unter der viele Frauen wirklich oft leiden: eine Blasenentzündung. Nach landläufiger Meinung verursacht Unterkühlung die sogenannte Zystitis. Tatsächlich begünstigen Nässe und Kälte jedoch allenfalls die Entstehung einer Blasenentzündung. Ursächlich sind Bakterien, die auf unterschiedlichsten Wegen in die Harnblase gelangen. Mit viel Trinken und Warmhalten von Füßen und Unterleib verhindern Betroffene aber in einigen Fällen durchaus, dass aus einer Blasenreizung eine Entzündung entsteht.

Als sanftes Mittel, einer Harnwegsinfektion vorzubeugen oder sie sogar zu bekämpfen, empfehlen viele den Genuss von Cranberrysaft, -kapseln oder der getrockneten Frucht. Doch auch hier zeigt sich, dass Mythos und Realität oft nicht übereinstimmen. „Ein in der Beere enthaltener Stoff erschwert Studien zufolge Bakterien zwar in der Tat, sich an den Wänden der Blase festzusetzen, einen verlässlicher Schutz oder ein wirksames Mittel gegen eine vorhandene Entzündung stellt er jedoch nicht dar“, stellt Dr. Schaefer klar. (pm)

Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de