Mythos Winterdepressionen: Jahreszeit ohne Einfluss auf Depressionen

Laut Forschern ist kein Zusammenhang zwischen Depressionen und saisonalen Wetterlagen feststellbar. (Bild: kei907/fotolia.com)
Fabian Peters
Studie erklärt Zusammengang zwischen Depressionen und saisonalen affektiven Störungen
Gehören Sie zu den Menschen, die im Winter zu Stimmungstiefs und depressiven Phasen neigen? Dann sollten Sie sich keine weiteren Sorgen machen. Denn eine sogenannte saisonale affektive Störung (SAD) kann keine dauerhaften Depressionen auslösen und hat auch keine verstärkende Wirkung auf vorhandene Depressionen.

Gerade im Herbst oder Winter neigen viele Personen dazu, etwas trauriger und schwermütiger zu sein. Solch ein Zustand wird saisonale affektive Störung genannt. Diese Art der Depression ist mit einer Veränderungen der Jahreszeiten verbunden. Trotzdem sollten sich Betroffene nicht zu viele Sorgen machen. Die Forscher stellten fest, dass es keinen wirklichen Zusammenhang zwischen saisonalen Veränderungen und Depressionen gibt. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse in dem Fachjournal „Clinical Psychological Science“.

Laut Forschern ist kein Zusammenhang zwischen Depressionen und saisonalen Wetterlagen feststellbar. (Bild: kei907/fotolia.com)
Laut Forschern ist kein Zusammenhang zwischen Depressionen und saisonalen Wetterlagen feststellbar. (Bild: kei907/fotolia.com)

Saisonale affektive Störungen
Eine saisonale affektive Störung beginnt oft im Herbst und setzt sich während der Wintermonate fort. Betroffene zeigen Symptome, wie beispielsweise ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Wertlosigkeit, verlieren das Interesse an ihren Aktivitäten oder leiden unter Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen. Es gibt allerdings keine Beziehung zwischen saisonalen Veränderungen und den Depressionen von Personen, sagt Professor Stelen Lobello. Die saisonale affektive Störung könne eine Diagnose sein, die von großen Pharmaunternehmen unterstützt wird, um einen neuen Markt zu öffnen und mehr Medikamente zu verkaufen, mutmaßen die Mediziner. Dies sei möglicherweise ein motivierender Faktor bei der Schaffung dieser Erkrankung gewesen, erklärt Dr. Lorber vom „Lenox Hill Hospital“. Die Forscher analysierten für ihre Studie die Daten von mehr als 34.000 amerikanischen Erwachsenen, die über Depressionen klagten. Dabei stellten sie fest, dass eine saisonale Veränderung alleine nicht in der Lage ist, Depressionen auszulösen. Seit etwa 30 Jahren gab es Kontroversen unter Medizinern über saisonale affektive Störungen und deren Auswirkungen auf Depressionen.

Saisonale Veränderungen beeinflussen keine schweren Depressionen
Depression stehen in keinem Zusammenhang mit dem Breitengrad, der Jahreszeit oder der Sonneneinstrahlung, erklären die Wissenschaftler. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass ein saisonaler Modifikator keine schweren Depressionen begünstigt. Die Idee einer saisonalen Depression sei zwar stark in unser Alltagspsychologie verwurzelt, aber diese Theorie werde nicht durch objektive Daten gestützt, sagen die Forscher. Saisonale Veränderungen sollten ihrer Ansicht nach in Zukunft nicht mehr als Modifikator von schweren Depressionen angesehen werden. SAD existieren durchaus, aber nur eine geringe Menge der Betroffenen leidet an richtigen Depressionen, erklären die Experten. Die depressiven Symptome von SAD können im Frühjahr und Sommer geringer ausfallen. Deshalb sei es wichtig gewesen, die Betroffenen auch zu untersuchen, wenn die depressiven Symptome weniger schwerwiegend ausfielen, sagen die Mediziner. Die Forschung ergab, dass es keine saisonalen Unterschiede in den Berichten über depressive Symptomen festzustellen waren. Die Jahreszeit scheint sich also nicht auf Depressionen auszuwirken. (as)

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