Nach Fukushima 51 US-Soldaten erkranken an Krebs

Fabian Peters

Etliche US-Soldaten nach Fukushima-Einsatz an Krebs erkrankt

07.01.2014

Zahlreiche US-Soldaten der Besatzung des Flugzeugträgers „USS Ronald Reagan“, die nach dem Tsunami und der Katastrophe von Fukushima vor der Küste Japans erheblichen Strahlenbelastungen ausgesetzt waren, sind laut US-Medienberichten an Krebs erkrankt. Die Betroffenen haben das Betreiberunternehmen des Atomkraftwerks in Fukushima (Tepco) auf Schadensersatz verklagt.

Von den rund 5.000 Matrosen auf dem US-Flugzeugträger sollen laut Angaben der „New York Post“ mindestens 70 unter Folgeerkrankungen der Strahlenbelastung leiden. 51 Soldaten seien an Krebs erkrankt, andere zeigen Schilddrüsenerkrankungen, Gebärmutterblutungen und weitere Schädigungen durch die Strahlenbelastung, berichtet die Zeitung. Zweieinhalb Monate war der US-Flugzeugträger in dem verseuchten Meer vor Japan unterwegs, wobei die Matrosen auf unterschiedlichen Wege kontaminiert wurden.

Radioaktiver Schnee auf dem Schiffsdeck
So berichtet die Soldatin Lindsay Cooper von radioaktivem Schnee, der im März 2011 auf dem Schiffsdeck niedergegangen sei. Sie hätte mit ihren Kameraden noch Witze darüber gemacht: „Hey, es ist radioaktiver Schnee“, einige Fotos geschossen und Videos gedreht. Wie gefährlich der Schnee tatsächlich war, ahnten die Soldaten jedoch nicht. Eine Dampfwolke, die von dem Kernkraftwerk in Fukushima freigesetzt wurde, traf auf die kalte Pazifik-Luft und ging als Niederschlag in Form von Schnee nieder. Entsprechend hoch fiel die Strahlenbelastung des Schnees aus. Den US-Medienberichten zufolge haben spätere Untersuchungen ergeben, dass die Strahlenbelastung damals 300 Mal höher war, als das Level, das als unbedenklich gilt. Zudem sei das kontaminierte Meerwasser in das Entsalzungssystem des Flugzeugträgers geflossen und somit aus den Wasserhähnen und Duschen auf dem Schiff gekommen. Die Matrosen wurden diesem nicht nur täglich ausgesetzt, sondern haben es auch als Trinkwasser genutzt. Entsprechend hoch fiel die Belastung der inneren Organe aus. Obwohl sich die Besatzung der Strahlenbelastung zunehmend bewusst wurde und nach Ausweichmöglichkeiten suchte, kreuzte der Flugzeugträger ohne verfügbaren Anlaufhafen über zweieinhalb Monate in den verseuchten Gewässern, da sowohl Japan als auch Südkorea eine Einlaufen des Flugzeugträgers verweigerten.

70 Crewmitglieder mit Strahlenschäden
Infolge der Strahlenbelastung, der sie bei ihrer humanitären Mission ausgesetzt waren, sind laut Angaben der „New York Post“ nur drei Jahre später 51 Matrosen an Krebs erkrankt. Sie haben nun eine Klage gegen die Betreiberfirma des Atomkraftwerks eingereicht haben. Ihr Anwalt, Paul Garner, erklärte gegenüber der „New York Post“, dass mindestens 70 Crewmitglieder an „Leukämie, Hodenkrebs, gynäkologische Blutungen“ und anderen Beschwerden durch die radioaktive Kontamination leiden. Die Soldatin Lindsay Cooper kämpft nach eigenen Angaben seit der Zeit vor Fukushima mit erheblichen Gewichtsschwankungen, da ihre Schilddrüse völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist. „In einem Monat verliere ich 60 bis 70 Pfund und dann lege ich sie im nächsten Monat wieder zu“, so Cooper. „Mein Menstruationszyklus dauert mitunter sechs Monate und ich kann nicht mehr schwanger werden“, fuhr die Soldatin fort und ergänzte: „Es hat mich ruiniert.“ Auch ihren Dienst bei der Marine musste Cooper aus gesundheitlichen Gründen sechs Monate nach der Katastrophe einstellen.

Schwerwiegende langfristige Folgen der Atomkatastrophe
Die Krebserkrankungen der US-Soldaten nur drei Jahren nach der Katastrophe von Fukushima verdeutlichen, mit welchen langfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Verlauf der nächsten Jahrzehnte noch zu rechnen ist. Wie schwer die Schäden an kommenden Genrationen der japanischen Bevölkerung ausfallen werden, lässt sich heute allerdings nur schwer abschätzend. Es bleibt zu hoffen, dass die Betroffenen Soldaten mit ihrer Klage Erfolg haben und die Betreiberfirma an dieser Stelle zur Rechenschaft gezogen wird. Zumal davon ausgegangen werden kann, dass auch die Besatzungen weiterer Hilfsschiffe und andere Hilfskräfte entsprechend verstrahlt wurden. Auf die denkbar tragischste Weise hat die Katastrophe deutlich gemacht, dass eine sichere Nutzung der Atomenergie nicht gewährleistet werden kann und welch verheerendes Ausmaß die Schäden im Falle eines Unglücks annehmen. (fp)

Bild: Thommy Weiss / pixelio.de