Nasenspray gegen Angstattacken

Astrid Goldmayer

Nasenspray gegen Angstattacken

01.02.2012

Forscher des Max-Planck-Instituts gelang es kürzlich, ein Nasenspray mit dem angstlösenden Neuropeptid S (NPS) zu entwickeln. Durch die Aufnahme über die Nasenschleimhaut wird die Blut-Hirn-Schranke überwunden, die das Gehirn vor dem Eindringen von potentiellen toxischen Substanzen schützt. Bereits nach vier Stunden entfaltet sich die Wirkung auf die Hirnregionen, die für Ängste und Panikattacken zuständig sind. Dies konnten Forscher kürzlich anhand von Mäusen nachweisen.

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Blut-Hirn-Schranke schützt Organ vor Toxischen Substanzen
Angst ist ein Gefühl, dass uns vor potentiellen Gefahren warnen soll. Wird sie zu einem permanenten Begleiter, ist dies krankhaft. Etwa neun Prozent der Deutschen leiden unter Angsterkrankungen, die zu den häufigsten psychischen Störungen zählen. Umso größer ist das Interesse, Medikamente zu entwickeln, die angstlösend auf die entsprechenden Hirnareale wirken.

Medikamente, die Einfluss auf diesen sensiblen Bereich nehmen, müssen die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden, die das Gehirn vor dem Eindringen potentieller toxischer Substanzen schützt. Bei Kindern ist diese natürliche Hemmschwelle allerdings noch nicht vollständig ausgebildet, was zur Folge hat, dass Wirkstoffe im Blut fast ungehindert auch ins Gehirn gelangen und dort möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen haben. Dies sollten Eltern dringend bedenken, wenn sie ihren Kindern beispielsweise freiverkäuflichen Arzneimitteln verabreichen.

Neuropeptid S überwindet Blut-Hirn-Schranke
Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie mussten nach einem Weg suchen, um die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Dabei stießen sie auf das angstlösende NPS, dass sie an Mäusen testeten. Neuropeptide gehören zu den Proteinen, die von Nervenzellen gebildet werden und dort wirksam sind.

Die Forscher um Ulrike Schmidt führten Untersuchungen zur Wirksamkeit von NPS im Gehirn durch. Darüber hinaus wurde die Aufnahme über die Nasenschleimhaut getestet. Den Wissenschaftlern gelang es, den Weg des NPS von der Nasenschleimhaut bis in die Nervenzellen verschiedener Hirnregionen sichtbar zu machen. Damit konnte die gezielte und sehr spezifische Aufnahme der Substanz in die Zellen durch Bindung an den NPS-Rezeptor gezeigt werden.

Nach vier Stunden entfaltet sich die Wirkung
Im Gehirn der Mäuse konnten bereits geringe Mengen von NPS nach 30 Minuten nach Verabreichung über die Nasenschleimhaut nachgewiesen werden. Nach vier Stunden konnten die Wissenschaftler die anxiolytische Wirkung beobachten, denn die Mäuse waren weniger ängstlich. Zwar ist der genaue Wirkmechanismus von NPS noch nicht geklärt, jedoch konnte für NPS eine anxiolytische Wirkung bei intranasaler Verabreichung bewiesen werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass NPS die Signalübertragungswege zwischen Nervenzellen des Hippocampus beeinflusst. Die Verabreichung der Substanz könnte zur Dämpfung des Emotionszentrum im Gehirns führen.

„Unsere Ergebnisse öffnen die Tür zur Entwicklung zukünftiger Medikamente für Patienten mit krankhafter Angst auf der Basis von Neuropeptid S", erklärt Ulrike Schmidt. „Die einfache Anwendung und schnelle und direkte Wirkung durch einen anxiolytisch wirkenden Nasenspray könnte für viele Patienten mit Angststörungen wie Panikattacken und Posttraumatischer Belastungsstörung ein Segen sein." Sicherlich geben die Forschungsergebnisse Angstpatienten neue Hoffnung, jedoch kann ein angstlösendes Nasenspray nur als Hilfsmittel gegen Panikattacken verstanden werden. (ag)

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Bild: Andreas Morlok /Pixelio