Naturkosmetik: Nur Öko nicht mehr ausreichend

Sebastian

Gesund und bewusst Leben: Naturkosmetik: Öko alleine reicht nicht

10.06.2013

Natürliche Inhaltsstoffe und schonend für Mensch und Umwelt; diese Kriterien sind Konsumenten von Naturkosmetik heutzutage nicht mehr genug. Von den Produkten wird mittlerweile auch verlangt, was herkömmliche Kosmetik bewirken kann, zum Beispiel Pickel zu bekämpfen.

Die Kunden wollen mehr als Natürlichkeit
In der Vergangenheit war es Verbrauchern von Naturkosmetik vor allem wichtig, dass die Produkte gut verträglich sind und auf natürlichen Rohstoffen basieren, beispielsweise auf pflanzlichen Ölen, Fetten und Aromen, idealerweise aus einem kontrolliert ökologischen Anbau. Viele legten und legen auch Wert darauf, dass die Produkte ohne Tierversuche oder tierische Inhaltsstoffe hergestellt werden. All das reicht inzwischen allein nicht mehr aus. „Die Kunden wollen mehr“, meint die Branchenexpertin Elfriede Dambacher. „Naturkosmetik hat heute keinen Sonderbonus mehr, nur weil sie natürlich ist.“ In Deutschland fristet der Kosmetik-Markt mittlerweile kein Nischendasein mehr, sondern ist auf allen Ebenen angekommen, vom Preiseinstieg- bis zum Premium-Segment, erklärt Dambacher. Parallel dazu seien die Erwartungen an die Produkte gestiegen. „Naturkosmetik muss komplett die Erwartung an Funktionalität erfüllen, die die Verbraucher haben, und darüber hinaus natürlich den Zusatznutzen Natur vermitteln“, analysiert die unabhängige Branchenspezialistin, die auch das Jahrbuch Naturkosmetik herausgibt. So etwa bei Gesichtscreme. Die müsse nicht nur gut verträglich sein, vielmehr müsse sie auch für spezielle Hauttypen und Erfordernisse, wie Gegen-Pickel oder Anti-Aging, geeignet sein.

Newcomer setzen auf neue Trends
Der Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel (BDIH) in Mannheim, ist der Ansicht, dass es vor allem die Newcomer unter den Herstellern sind, die auf solche neue Trends setzen. Tobias Peschl vom BDIH meint dazu: „Sie sind im Gegensatz zu den etablierten Playern eher gezwungen, einen zusätzlichen Mehrwert zu bieten.“ Aber auch die etablierten Unternehmen müssten sich Wege suchen, um mit der Entwicklung mitzuhalten, damit sie ihre Stammkunden nicht verlieren.

Bislang sind es Hersteller wie Weleda, Wala, Laverana oder Logocos, die zu den großen Marktteilnehmern in Deutschland gehören. Weleda, die ihren Sitz im schweizerischen Arlesheim haben, kann den Trend zu anspruchsvolleren Produkten nur bestätigen. „Es gibt von der Leistungsfähigkeit immer mehr eine Annäherung von Naturkosmetik und konventioneller Kosmetik – und das gelingt auch in vielen Bereichen“, so das Weleda-Vorstandsmitglied Andreas Sommer. Für Unternehmen gelte jedoch, eher die langfristigen Verbraucherinteressen im Blick zu haben. Im vergangenen Jahr lag das Umsatzvolumen der Branche bei etwa 860 Millionen Euro. Laut dem Jahrbuch Kosmetik ein Plus von 5,5 Prozent. Dambacher findet, dass Trendprodukte und die Weiterentwicklung von Produktgruppen hilfreich seien. Dadurch entstünde neues Interesse an Naturkosmetik.

Auf „kontrollierte Naturkosmetik“ achten
Beim Kauf von Naturkosmetik gilt aber grundsätzlich auch Vorsicht vor den weitverbreiteten Verkaufstricks. So hatte das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ dazu geraten, sich nicht von Werbeversprechen der Hersteller täuschen zu lassen. Denn selbst wenn „Natur“, „Nature“ oder „Natural“ drauf steht, heißt es noch lange nicht, dass chemische Stoffe die zum Teil gesundheitlich bedenklich sind, ausgespart werden. Ganz im Gegenteil, die natürlichen Stoffe sind oft nur in minimalen Anteilen enthalten, obwohl der Produktname etwas anderes suggeriert. Wer hingegen echte Naturkosmetik erwerben möchte, sollte auf das Siegel „kontrollierte Naturkosmetik“ achten. Die Naturkosmetik wird nicht nur in Reformhäusern vertrieben, sondern mittlerweile auch in Drogerieketten. (sb)

Bild: Petra Dirscherl / pixelio.de