Neue Forschungen erleichtern die Auswahl der Behandlung bei Prostatakrebs

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen Nebenwirkungen verschiedener Behandlungen der Prostata
Wenn bei Männern Prostatakrebs im frühen Stadium festgestellt wird, müssen Betroffene die Wahl treffen, wie ihre weitere Behandlung ablaufen soll. Aktuelle Forschung könnte diese Entscheidung eventuell erleichtern. Forscher untersuchten jetzt die Auswirkungen und Nebenwirkungen von verschiedenen Behandlungsmethoden.

Die Wissenschaftler des Vanderbilt University Medical Center stellten bei ihrer Untersuchung fest, welche Art von Behandlung bei welchem Stadium von Prostatakrebs am besten ist. Dafür analysierten die Experten die Nebenwirkungen von verschiedenen Behandlungsmethoden für erkrankte Männer mit Prostatakrebs im frühen Stadium. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „JAMA“.

Prostata-Krebs bedroht das Leben vieler Männer weltweit. Mediziner analysierten jetzt, welche Form der Behandlung zu wie starken Nebenwirkungen führt. Dies soll Betroffenen die Wahl der Behandlungsmethode erleichtern. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Patienten mit Prostatakrebs leiden unter Verlust der Lebensqualität
Aktuelle Untersuchungen belegen, dass nach Operationen häufiger sexuelle Probleme und Harninkontinenz auftreten, verglichen mit einer Bestrahlung. Außerdem gibt es deutliche Unterschiede in der Lebensqualität der Erkrankten. Betroffene Männer leiden besonders unter der Unklarheit, ob sich der Krebs weiter verbreitet oder nicht, erläutern die Experten. Dieses Problem betreffe die meisten Männer mit der Erkrankung.

Beobachten und Abwarten kann eine vernünftige Option für Erkrankte sein
Angesichts der früheren Untersuchungen, welche vergleichbare Überlebensraten zeigten, unterstützen die aktuellen Ergebnisse auch die medizinische Beobachtung (Watchful Waiting) der Erkrankung als eine vernünftige Option für Männer im frühen Stadium von Prostatakrebs. Dies gilt vor allem bei weniger aggressiven Tumoren, erläutert Dr. Daniel Barocas vom Vanderbilt University Medical Center. Allerdings könnten Männer, welche solch eine Beobachtung als Behandlung wählen, Probleme durch eine vergrößerte Prostata haben. Zu diesen gehören beispielsweise häufiges Wasserlassen.

Mehr zum Thema:

Ergebnisse können dabei helfen, sich einfacher für eine Behandlung zu entscheiden
Die aktuelle Forschung könnte dabei helfen, dass Patienten sich einfacher für eine zukünftigen Behandlung entscheiden können. Dies erspart Betroffenen den Stress bei der Entscheidungsfindung, sagen die Experten. Viele Erkrankte sind nach ihrer Diagnose in einer Art Schock-Modus. Wenn Ärzte sie dann über das Krebs-Stadium, Tumor-Größe, Behandlungsmöglichkeiten und potenzielle Nebenwirkungen aufklären, klingt das für die meisten Patienten wie eine Art Fremdsprache, erläutern die Wissenschaftler. Dann müssen die Erkrankten die Methode wählen, mit welcher Art der Behandlung der Krebs therapiert werden soll.

Zu welchen gesundheitlichen Problemen führt eine Behandlung?
Die Lebensqualität der Erkrankten hängt von der Art der Behandlung ab. Aber auch Einschränkungen der sexuellen Funktion und Probleme beim Urinieren können auf die Methode der Behandlung zurückgeführt werden. Die Ergebnisse der aktuellen Forschung sorgen dafür, dass Männer im frühen Stadium von Prostatakrebs besser über mögliche Einschränkungen informiert werden, welche durch die Art der Behandlung entstehen.

Wie verbreitet ist Prostatakrebs?
Bei mehr als einer Million Männern weltweit wird pro Jahr Prostatakrebs festgestellt. Die American Cancer Society schätzt, dass es in diesem Jahr etwa 160.000 neue Fälle von Prostatakrebs alleine in den USA geben wird. Dazu kommen noch mehr als 26.000 Todesfälle durch die Erkrankung, sagen die Experten.

Welche Methoden zu Behandlung gibt es?
Zur Behandlung von Prostatakrebs verwenden Mediziner unter anderem Chirurgie oder Bestrahlung. Chirurgie mit der Hilfe von Robotern kann dazu genutzt werden, durch kleine Einschnitten die Prostata zu entfernen. Alternativ dazu wird Präzisionsstrahlung eingesetzt, um so das umgebende Gewebe zu schonen, erklären die Mediziner. Bei einer Studie der University of North Carolina verwendeten die Forscher eine spezielle Art von Strahlung, welche durch radioaktive Pellets in die Tumor eingebracht wird. Von dieser neuen Methode gab es bisher noch keine Einschätzung, wie sie sich auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirkt, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Lebensqualität verschlechtert sich mit steigendem Alter
Die Ergebnisse zeigen meist die Nebenwirkungen von älteren Optionsmethoden. Anhaltende Impotenz und Inkontinenz treten häufiger nach Operationen auf. Außerdem berichten Patienten, die extern bestrahlt wurden, häufiger über kurzfristige Darmprobleme. Die Unterschiede in der Lebensqualität durch die Art der Behandlung haben sich während des Zeitraums der Studie verringert. Das liegt zumindest teilweise daran, dass die Lebensqualität sich mit dem Alter bei allen Männern verschlechtert, sagen die Autoren. Dies war auch bei Erkrankten zu beobachten, welche die medizinische Beobachtung als Behandlungsmethode gewählt haben.

Mediziner untersuchen fast 3.700 Männer für Studienzwecke
Bei aktuellen Studien wurden insgesamt fast 3.700 Männer untersucht. Diese waren im Durchschnitt im Alter von 60 Jahren oder älter. Probanden mussten regelmäßig Fragebögen über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren ausfüllen, erläutern die Experten. Diese Zeit ist nicht lang genug, um sogenannte Rezidiv- oder Überlebensraten zu vergleichen. Deswegen lag der Fokus der Forscher auf den anhaltenden Symptomen der Erkrankten.

Auswirkungen auf die sexuelle Funktion von Männern
Wenn Männer vor ihrer Erkrankung normale Sexualfunktionen aufwiesen, gab es nach der chirurgischen Behandlung bei mehr als 57 Prozent der Patienten zwei Jahre später eine verschlechterte Funktion. Im Vergleich dazu lag der Wert bei sogenannten Strahlungs-Implantaten bei 34 Prozent, externe Strahlung führte zu einer Verschlechterung bei 27 Prozent der Patienten, erklären die Autoren. Wenn Betroffene die medizinische Überwachung gewählt hatten, lag der Wert bei 25 Prozent.

Wie wirken sich die Behandlungsmethoden auf Harninkontinenz aus?
Drei Jahre später kam es bei 14 Prozent der Erkrankten, welche einen chirurgischen Eingriff gewählt hatten, zu signifikanten Problemen mit Harninkontinenz. Zum Vergleich dazu hatten nur sechs Prozent der Männer unter medizinischer Beobachtung diese Probleme. Bei einer Behandlung mit Strahlentherapie entwickelten fünf Prozent der Patienten Harninkontinenz, fügen die Wissenschaftler hinzu. (as)