Neue Impfung soll effizienten Kariesschutz bieten

Alexander Stindt
Sind Zahnarztbesuche zur Entfernung von Karies in Zukunft überflüssig?
Die meisten Menschen gehen nicht gerne zum Zahnarzt. Ein Grund dafür ist sicher, die Angst vor der Behandlung Karies befallener Zähnen. Solch eine Behandlung gestaltet sich meist als nicht sehr angenehm, in einigen Fällen kann sie sogar äußerst schmerzhaft sein. Forscher aus China arbeiten jetzt an der Entwicklung einer Impfung, welche die menschliche Zahngesundheit unterstützt und Karies dauerhaft vorbeugen könnte.

Die Wissenschaftler des Wuhan Institute of Virology (WIOV) an der Chinese Academy of Sciences arbeiten zur Zeit bei ihrer Untersuchung an einem Impfstoff , welcher die Gesundheit der Zähne aufrecht erhält und sogar vor Karies schützen kann. Die Mediziner veröffentlichten die derzeitigen Zwischenergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“.

Viele Menschen auf der ganzen Welt leiden an Karies. Wenn eine Behandlung ausbleibt, kann dieser zum Verlust von Zähnen führen. Wissenschaftler entwickeln jedoch aktuell eine Impfstoff, der vor Karies zu schützen scheint. (Bild: Igor Gromoff/fotolia.com)

Mediziner entwickeln Impfstoff gegen das Karies-Bakterium Streptococcus mutans
Zahnschmerzen sind eine große Belastung für Betroffene. Wenn die Probleme an den Zähnen dann eine Behandlung durch einen Zahnarzt erfordern, kann dies nochmals eine äußerst schmerzhafte und unangenehme Erfahrung werden. Auch aus diesem Grund wäre es extrem hilfreich, wenn eine einfache Impfung vor Karies und anderen Problemen an den Zähnen schützen würde. Die Experten aus China versuchen zur Zeit einen Impfstoff gegen das Karies-Bakterium Streptococcus mutans zu entwickeln. Dafür nutzten die Forscher eine Fusion von verschiedene Proteinen, welche gegen den Erreger Streptococcus mutans wirksam sind. Dieses Bakterium ist maßgeblich für die Entstehung von Karies verantwortlich, erläutern die Wissenschaftler.

Was ist Karies?
Unter Karies verstehen wir eine generelle Zerstörung der Substanz des Zahnes, welche die sogenannten Abbauprodukte von Bakterien im Mundraum auslösen. Es gibt allerlei Umstände, welche die Entstehung von Karies fördern, wie beispielsweise die Bildung von Zahnbelag und kariesfördernden Bakterien. Auch Zucker und bestimmte Kohlenhydrate in Lebensmitteln wie Chips, Weißbrot und Nudeln können die Säure-Bildung durch Kariesbakterien fördern.

Kombination von Proteinen kann Karies vorbeugen
Die Forscher hatten bereits bei vorherigen Untersuchungen versucht, einen effektiven Schutz vor Karies zu entwickeln. Dafür hatten sie bestimmte Proteine des Streptococcus mutans Bakteriums mit Proteinen des Escherichia coli Bakteriums kombiniert. Durch diese Kombination konnte Karies tatsächlich erfolgreich vorgebeugt werden, es gab jedoch nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Beispielsweise traten Entzündungen im Mundraum auf, erklären die Forscher.

Wie wirkte sich die Impfung in Versuchen an Mäusen aus?
Bei ihrer aktuellen Untersuchung haben die Wissenschaftler den Wirkstoff überarbeitet, damit dieser genauso effektiv wirkt, ohne dabei die unangenehmen Nebenwirkungen hervorzurufen. Der neue Impfstoff wurde dann an Mäuse in einem Labor getestet. Die Tiere nahmen den Stoff in dem Versuch durch ihre Nasenhöhle auf, sagen die Experten. Die Ergebnisse waren eindeutig und wecken Hoffnung auf eine erfolgreiche Impfung gegen Karies. Wenn die Mäuse vorher noch nicht unter Karies litten, konnte die Entstehung von Karies in 64,2 Prozent der Fälle verhindert werden. Wenn die Zähne der Tiere bereits vorher an Karies erkrankt waren, konnte bei 53,9 Prozent ein therapeutischer Effekt festgestellt werden, fügen die Mediziner hinzu.

Die meisten Menschen müssen im Laufe ihres Lebens mehrfach Karies behandeln lassen
Auch wenn sich die sogenannte Zahngesundheit in der westlichen Welt in den letzten Jahren massiv verbessert hat, stellt sie trotzdem ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Etwa 60 bis 90 Prozent der Kinder im Schulalter haben Probleme mit ihren Zähnen, mutmaßen die Experten. Aber nicht nur Kinder sind von Karies und anderen Zahnproblemen betroffen, auch Erwachsene leiden oftmals unter Zahnschmerzen. Die meisten erwachsenen Menschen müssen im Laufe ihre Lebens mehrfach einen Zahnarzt aufsuchen, um sich dort einer Behandlung gegen Karies zu unterziehen, berichten die Experten.

Impfstoff wird niemals eine gründliche Mundpflege ersetzen
Die Häufigkeit, mit der die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens einen Zahnarzt aufsuchen müssen, lässt darauf schließen, dass ein Impfstoff gegen Karies sicherlich reißenden Absatz finden würde. Viele Menschen auf der ganzen Welt würden von solch einem Impfstoff profitieren, erläutern die Forscher. Vor allem bei Menschen in Entwicklungsländern und abgelegenen Gegenden könnte der Impfstoff viele Probleme verhindern, weil hier ansonsten keine angemessene zahnmedizinische Versorgung gewährleistet werden kann. Diese Unterversorgung könnte durch einen Impfwirkstoff gegen Karies zumindest teilweise ausgeglichen werden. Bis es aber soweit ist, wird es vermutlich noch längere Zeit dauern. Der neu entwickelte Impfstoff muss zuvor noch in verschiedenen klinischen Studien getestet werden, erklären die Wissenschaftler. Und selbst, wenn der Impfstoff auf dem Markt ist, wird eine Impfung niemals eine gründliche und gewissenhafte Mundpflege ersetzen können. (as)