Neue Studie: Kann Lithium im Trinkwasser Menschen vor Demenz bewahren?

Alexander Stindt
Wie wirkt sich Lithium im Trinkwasser auf das Risiko für die Entstehung von Demenz aus?
Mediziner suchen schon lange Zeit nach Möglichkeiten, um Menschen vor Demenz-Erkrankungen zu schützen. Forscher fanden jetzt heraus, dass der Konsum von Trinkwasser mit einem erhöhten Gehalt von Lithium zu einem geringeren Risiko für die Entwicklung von Demenz führen könnte.

Die Wissenschaftler der University of Copenhagen stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Lithium im Trinkwasser vor der Entstehung von Demenz schützen könnte. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „JAMA Psychiatry“.

Unser Körper benötigt ausreichend Flüssigkeit. Wasser ist da eine gute Option, es ist gesund und macht nicht dick. Forscher stellten jetzt fest, dass in Wasser enthaltenes Lithium vor einer Demenz-Erkrankung schützen könnte. (Bild:: Syda Productions/fotolia.com)

Wissenschaftler untersuchen für ihre Studie die Daten von über 800.000 Probanden
Für ihre Studie untersuchten die Experten über 800.000 Teilnehmer. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Konsum von Wasser mit Lithium vor der Entwicklung von Demenz schützen könnte. Lithium ist ein normaler Bestandteil in unserem Trinkwasser, obwohl die Menge dabei stark variiert, erläutern die Forscher. Die Mediziner betrachteten die medizinischen Aufzeichnungen von 73.731 dänischen Menschen mit Demenz und 733.653 Teilnehmern ohne die Erkrankung. Außerdem wurde das Leitungswasser in verschiedenen Gebieten des Landes untersucht.

Moderater Lithium-Wert erhöht das Risiko, hoher Lithium-Wert reduziert das Risiko
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein moderate Lithium-Spiegel (zwischen 5,1 und 10 Mikrogramm pro Liter) das Risiko für die Entstehung von Demenz um 22 Prozent erhöht, verglichen mit niedrigeren Konzentrationenen von Lithium im Wasser (unter fünf Mikrogramm pro Liter). Allerdings konnte interessanterweise auch festgestellt werden, dass Trinkwasser mit dem höchsten Lithium-Spiegel (über 15 Mikrogramm pro Liter) zu einer Reduktion des Risikos um 17 Prozent führte, erklären die Wissenschaftler.

Lithium wird zur Behandlung der bipolaren Störung verwendet
Diese Untersuchung zeigt, dass es eine Verbindung zwischen Lithium im Trinkwasser und der Inzidenz von Demenz gibt, welche dringend weiter untersucht werden sollte, sagen die Forscher. Eine höhere langfristige Lithium-Exposition aus Trinkwasser könne mit einer geringeren Inzidenz von Demenz assoziiert werden. Lithium ist bekannt dafür, dass es eine Wirkung auf das Gehirn hat und wird beispielsweise auch zur Behandlung einer bipolaren Störung verwendet, fügen die Autoren hinzu.

Lithium verändert biologische Prozesse im Gehirn
Allerdings ist die Konzentration von Lithium im Leitungswasser viel niedriger als bei einer medizinischen Verwendung, erläutern die Experten weiter. Die Experimente haben gezeigt, dass Lithium eine große Anzahl von biologischen Prozessen im Gehirn verändert.

Weitere Studien sind nötig
Bei der aktuellen Studie zeigte sich, dass Lithium eine schützende Wirkung gegenüber einer Alzheimer-Erkrankung zu haben scheint. Außerdem wird Lithium bereits dazu verwendet, um Menschen mit bipolaren Störungen zu behandeln. Einige Untersuchungen kamen darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass dies auch der Grund sein könnte, warum betroffene Menschen besser vor einer Alzheimer-Erkrankung geschützt sein könnten. Weitere Studien müssen jetzt überprüfen, ob regelmäßige Dosen von Lithium den Beginn von Demenz verhindern können, sagen die Mediziner. Im Moment gibt es noch kein Medikament, welches den Fortschritt von Demenz stoppen, umkehren oder verlangsamen kann. (as)