Neue Therapie schafft Hoffnung bei Hautkrebs

Sebastian
Forscher testen erfolgreich neue Methode zur Erkennung von Metastasen
Der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) gilt als besonders bösartig, denn er streut schon früh in die Blut- und Lymphbahnen und entwickelt auf diesem Wege schnell Metastasen in Lymphknoten oder anderen Organen des Körpers. Um den Krebs bestmöglich behandeln zu können, ist dementsprechend eine frühe Diagnose besonders wichtig. Forscher des Universitätsklinikums Essen haben eine neue, vielversprechende Technik untersucht, welche zukünftig einen Großteil der Operationen ersetzen könnte. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie nun im Fachmagazin „Science Translational Medicine„.

Bösartigste Form von Hautkrebs
Bei dem malignen Melanom der Haut – auch schwarzer Hautkrebs – genannt, handelt es sich um die bösartigste Form von Hautkrebs. Denn die Krebsform geht zwar von der Haut aus, doch von dort streuen Krebszellen schon in einem frühen Stadium in die Blut- und Lymphbahnen. So können sie sich im ganzen Körper verbreiten und in den Lymphknoten oder anderen Organen (z.B. Lunge, Knochen, Gehirn) Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden. Um den Krankheitsverlauf prognostizieren zu können, müssen Mediziner daher vor allem klären, ob der Tumor schon Metastasen gebildet hat. Denn ist dies der Fall, sinkt die Chance auf eine Heilung deutlich.

Neue Hoffnung bei Hautkrebs. Bild: Peter Hermes Furian - fotolia
Neue Hoffnung bei Hautkrebs. Bild: Peter Hermes Furian – fotolia

Die Metastasen bilden sich im Regelfall zu Beginn in den erstgelegenen Lymphknoten im Abflussgebiet der betroffenen Hautregion. Um die Verschleppung von Tumorzellen in den Lymphfluss nachzuweisen, wird den Patienten bislang ein Eiweißstoff mit radioaktivem Technetium in den Tumorbereich gespritzt, welcher sich in dem so genannten „Schildwächter-Lymphknoten“ (auch „Sentinel Lymph Node“, kurz: SLN) anreichert. Anschließend wird dieser Knoten operativ entfernt und weiter untersucht. Doch dieses Vorgehen ist sehr aufwendig und gilt als nicht besonders zuverlässig, denn ein hoher Anteil der untersuchten Wächterlymphknoten erhält fälschlicherweise einen unauffälligen Befund.

Neues Verfahren könnte Operation ersetzen
Nun könnte es jedoch einen neuen, viel versprechenden Ansatz für die Behandlung der aggressiven Krebsform geben. Denn möglicherweise könnte durch ein innovatives bildgebendes Verfahren zukünftig die Entfernung von Lymphknoten vermieden werden. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Universitätsklinikums Essen hervor. Demnach könne die so genannte „multispektrale optoakustische Tomografie“ (MSOT) Aufschluss darüber geben, ob der Tumor schon in die Lymphknoten gestreut hat oder nicht.

Wie die Forscher um Ingo Stoffels und Joachim Klode vom Universitätsklinikum Essen gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ berichten, könne das neue Verfahren sehr bedeutsam für die Prognose des Krankheitsverlaufes sein. Ihre Untersuchung habe ergeben, dass die MSOT alle befallenen Lymphknoten erkannt und dementsprechend wesentlich sensibler reagiert habe als bisherige Techniken. Anders als beim bisherigen Einsatz des radioaktivem Technetiums werde bei der neuen Methode das Gewebe mit Laserblitzen bestrahlt, erläutern die Forscher. Sobald diese auf das im Melanom enthaltene Farbpigment Melanin treffen, leuchte der Tumor auf, zudem würde sich durch die entstehende Wärme der Bereich um die betroffene Stelle ausdehnen. Die dabei entstehende Druckwelle könne schließlich mittels eines Ultraschallmikrofons registriert werden, so die Wissenschaftler weiter.

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MSOT erzielt deutlich genauere Ergebnisse
Das Team um Ingo Stoffels und Joachim Klode hatte sowohl die alte als auch die neue Technik zunächst an 506 entnommenen Lymphknoten von 214 Melanom-Patienten überprüft und erkannt, dass die MSOT deutlich genauere Ergebnisse erzielte. Denn während mit der herkömmlichen Methode nur bei 14,2 Prozent der Proben Metastasen gefunden wurden, kamen sie mit dem neuen Verfahren auf 22,9 Prozent. Anschließend setzten die Forscher die MSOT bei 20 Patienten mit schwarzem Hautkrebs ein, denen noch keine Lymphknoten entnommen worden waren. Es zeigte sich, dass die neue Technik alle vorhandenen Lymphknoten-Metastasen entdeckte und in den meisten Fällen einen unauffälligen Befund diagnostizierte.
Damit belege die Studie den Wissenschaftlern nach zum ersten Mal deutlich, dass das neue Verfahren eine Ergänzung oder sogar Verbesserung der heutigen diagnostischen Möglichkeiten darstelle – was unter Umständen auch für andere Hautkrebsarten oder beispielsweise Brustkrebs gelten könne. „Wenn ein nicht invasiver Ansatz zuverlässig Metastasen der Schildwächter ausschließen könnte, könnte man fast 80 Prozent der Patienten diese Operation ersparen“, so die Forscher.

Alltagstauglichkeit muss in weiteren Studien erprobt werden

Doch ganz frei von Fehlern ist auch die neue Methode nicht. Denn die MSOT könne auch Fehlalarme auslösen, etwa durch Reste kleiner Blutungen oder Pigmente aus Tätowierungen. Nichts desto trotz stelle die Technik eine wertvolle Hilfe bei der Diagnose dar, mittels derer Metastasen zuverlässig entdeckt bzw. ausgeschlossen werden könnten, resümieren die Autoren. Auch Stefan Delorme vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg stuft die Studie der Essener Kollegen als sehr sorgfältig und aufwändig durchgeführt ein.

Die innovative Kombination aus Ultraschall und molekularer Bildtechnik sei demnach den bisherigen Methoden möglicherweise überlegen – doch ob das Verfahren im Alltag tatsächlich zuverlässig arbeite, müssten nun weitere Untersuchungen klären. „Wenn sich das bewahrheitet, würde dies eine enorme Entlastung für die Patienten bedeuten“, sagte Delorme gegenüber der Nachrichtenagentur. Laut den Essener Medizinern sei der nächste Schritt bereits in Arbeit: „Wir planen eine prospektive Multicenter-Studie, die diese Resultate an einer größeren Patientenzahl bestätigen soll.“

Mehr als 18.000 Neuerkrankungen im Jahr
Der Schwarze Hautkrebs stellt weltweit den Tumor mit der am schnellsten zunehmenden Häufigkeit dar. Allein hierzulande erkranken laut der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. jedes Jahr mehr als 18.000 Menschen daran, hinzu kommen etwa weitere 9000 Fälle, in denen eine Frühform des Melanoms festgestellt wird. Insgesamt sind Männer und Frauen gleich oft betroffen. Während sich der schwarze Hautkrebs bei Männern am häufigsten am Rücken entwickelt, tritt er bei Frauen besonders häufig an den Unterschenkeln auf.

Hat das Melanom bereits Metastasen gebildet, zählt es zu den am schwierigsten zu behandelnden Tumoren. Wird es nicht rechtzeitig erkannt, führt es sehr häufig zum Tod. Dementsprechend ist es generell empfehlenswert, die Möglichkeit der Hautkrebs-Früherkennung („Hautkrebs-Screening“) zu nutzen, auf die jeder ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch hat. Menschen mit erhöhtem Risiko (z.B. durch helle Haut, familiäre Vorbelastung oder große angeborene Leberflecke) sollten sich vorsichtshalber sogar jedes Jahr untersuchen lassen. (nr)