Neuer Bluttest kann Brustkrebs schon bis zu einem Jahr früher diagnostizieren

Volker Blasek

Studie identifiziert neue Marker im Blut, die eine frühe Diagnose von tödlichem Brustkrebs ermöglichen

Forscher entdeckten in einer aktuellen Studie, die im Journal Genome Medicine veröffentlicht wurde, Veränderungen in einem Teil der DNA, die auf frühe Anzeichen von tödlichem Brustkrebs hinweisen konnten. Die abnormalen Muster waren bereits im Blutserum nachweisbar, bevor der Krebs die Brust befallen hat. Mit Hilfe dieser Erkennungsmethode können tödliche Brustkrebserkrankungen bis zu einem Jahr früher diagnostiziert werden.


Ein Team von Forschern des University College London (UCL) fand heraus, dass bei Brustkrebserkrankungen kleine Moleküle von Kohlenstoff und Wasserstoff in einem Prozess an einen bestimmten Marker (EFC # 93) angehängt werden. Dieser Prozess wird DNA-Methylierung genannt. Eine abnormale DNA-Methylierung ist in menschlichen Tumoren üblich. Bei Brustkrebsentwicklung treten Methylierungsveränderungen sehr früh auf. „Unsere Studie liefert erstmals den Nachweis, dass DNA-Methylierungsmarker wie EFC # 93 einen hochspezifischen Indikator bilden, der tödliche Brustkrebserkrankungen bis zu einem Jahr früher diagnostizieren kann“, erläutert Professor Martin Widschwendter vom UCL. Dies könne eine individualisierte Behandlung ermöglichen, die sogar ohne radiologische Beweise in der Brust beginnen könnte.

Neu identifizierte Marker im Blut ermöglichen die Diagnose von tödlichem Brustkrebs bis zu zu einem Jahr früher. (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Methylierungsmarker oder Mammographie-Screening?

Die Forscher analysierten zuerst die DNA-Methylierung von EFC # 93 in Blutserumproben von 419 Brustkrebspatientinnen. Laut Widschwendter konnte das Vorhandensein des DNA-Methylierungsmarkers EFC # 93 im Blutserum in 43 Prozent der Fälle die Frauen korrekt identifizieren, welche innerhalb der nächsten drei bis sechs Monate eine tödliche Brustkrebserkrankung entwickelten. „Wichtig war, dass EFC # 93 frühzeitige nicht-tödliche Brustkrebserkrankungen nicht entdeckte“, berichtet Widschwendter. Im Vergleich dazu weise das Mammographie-Screening eine Spezifität von bis zu 92 Prozent auf, führe jedoch zu einer sehr erheblichen Überdiagnose. „Das bedeutet, dass Tumore entdeckt werden, die niemals klinische Symptome verursacht hätten“, so Widschwendter. Die Verwendung von zellfreier DNA als Marker sei ein vielversprechender Weg, dieses Problem zu vermeiden.

Antihormon-Therapie für Frauen mit früh erkanntem Brustkrebs

Den Autoren der Studie zufolge sind nun klinische Studien erforderlich, um zu bewerten, ob Frauen, bei denen DNA-Methylierungmarker EFC # 93 nachweisbar sind und die keinen Krebs haben, der per Mammographie feststellbar ist, von einer Antihormon-Therapie profitieren würden, bevor der Krebs in der Brust sichtbar wird. Das Team von Professor Widschwendter bereitet derzeit ein großangelegtes zellfreies DNA-Forschungsprogramm für die Bevölkerung vor. (fp)