Neurologie: Schon wenige Kopfbälle können dem Gehirn deutlich schaden

Viele Menschen in Deutschland und der restlichen Welt spielen gerne Fußball. Mediziner warnen jetzt vor den Gefahren für das Gehirn, welche durch Kopfbälle entstehen können. (Bild: Brocreative/fotolia.com)
Alexander Stindt
Studie untersucht die Auswirkungen von Kopfbällen auf das menschliche Gehirn
Kopfbälle beim Fußball können signifikante Veränderungen der Gehirnfunktionen auslösen. Forscher fanden jetzt heraus, dass die Kopfbälle von Fußballern zu negativen Auswirkungen für den Kopf und das Gehirn führen können.

Die Wissenschaftler der University of Stirling stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Fußballer nach Kopfbällen signifikante Veränderungen der Gehirnfunktionen aufweisen. Auslöser dafür scheinen die Auswirkungen der Erschütterung durch Kopfbälle zu sein. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „EbioMedicine„.

Viele Menschen in Deutschland und der restlichen Welt spielen gerne Fußball. Mediziner warnen jetzt vor den Gefahren für das Gehirn, welche durch Kopfbälle entstehen können. (Bild: Brocreative/fotolia.com)
Viele Menschen in Deutschland und der restlichen Welt spielen gerne Fußball. Mediziner warnen jetzt vor den Gefahren für das Gehirn, welche durch Kopfbälle entstehen können. (Bild: Brocreative/fotolia.com)

Mediziner untersuchen Veränderungen des Gehirns bei Fußballern
Die neue Untersuchung analysiert erstmals die direkten Veränderungen, welche durch Kopfbälle entstehen können, verglichen mit den Auswirkungen von Gehirnverletzungen und Gehirnerschütterungen. Die Studie entstand aufgrund der Bedenken, dass die Gehirne von Fußballspielern durch die wiederholten Kopfbälle geschädigt werden, sagen die Forscher.

Früh einsetzende Demenz durch Kopfbälle beim Fußball?
Im Jahr 2002 starb der englische Fußballprofi und Stürmerstar Jeff Astle. Er litt unter einer früh einsetzenden Demenz und war zum Zeitpunkt seines Todes nur 59 Jahre alt. Einige Mediziner waren der Meinung, dass die Erkrankung durch die Auswirkungen von Kopfbällen beim Fußball entstanden ist.

Mediziner untersuchen Gehirn von toten Fußballer
Eine anschließende Untersuchung von Astles Gehirn ergab, dass der Fußballprofi unter einer sogenannten chronischen traumatischen Enzephalopathie (CTE) litt. CTE kann nur nach dem Tod festgestellt werden, sagen die Wissenschaftler. Die Erkrankung wurde auch bereits bei verstorbenen amerikanischen Fußballern, Boxern und Rugbyspielern entdeckt.

Studie simuliert Kopfbälle nach Eckstößen
Die Forscher der University of Stirling untersuchten jetzt eine Gruppe von 19 Fußballspielern, indem sie die Probanden bei Übungen 20 Kopfbälle durchführen ließen. Der Ball wurde dabei von einer Maschine abgeschossen. So sollte die Kraft und Geschwindigkeit eins Eckstoßes simuliert werden, erläutern die Autoren. Die Wissenschaftler testeten die Gehirnfunktionen und das Gedächtnis der Spieler. Dies geschah vor und unmittelbar nach den Kopfballübungen. Weitere Tests wurden nach 24 Stunden, 48 Stunden und zwei Wochen durchgeführt, fügen die Mediziner hinzu.

Kopfbälle verschlechtern die Gedächtnisleistung
Es wurde bereits eine erhöhte Hemmung des Gehirns festgestellt, nachdem die Probanden nur eine einzige Kopfballübung durchgeführt hatten. Die Gedächtnistestleistung waren ebenfalls zwischen 41 Prozent und 67 Prozent verringert, erläutern die Autoren. Die Effekte normalisierten sich aber wieder innerhalb von 24 Stunden.

Weitere Forschung ist dringend nötig
Ob die Hirnveränderungen nach wiederholten Kopfbällen zu langfristigen Konsequenzen für die Gesundheit des Gehirns führen, muss dringend in weiteren Untersuchungen festgestellt werden. Die gefundenen Veränderungen waren nur vorübergehend, trotzdem könnten sie für die Gesundheit unseres Gehirns von großer Bedeutung sein, sagen die Experten. Vor allem, wenn solche Erschütterungen durch Kopfbälle immer wieder vorkommen. Ein große Anzahl von Menschen auf der ganzen Welt spielt Fußball. Darum ist es sehr wichtig, dass die Auswirkungen auf das Gehirn und die dauerhaften negativen Folgen genauer untersucht werden, fügen die Mediziner hinzu.

Ergebnisse sollten zu einem besseren Schutz bei Kontaktsportarten führen
Zum ersten Mal können sportliche Einrichtungen und Mitglieder der Öffentlichkeit eindeutige Beweise für die Risiken sehen, welche mit den Auswirkungen von wiederholten Kopfbällen zusammenhängen, erläutern die Forscher. Hoffentlich kann diese Erkenntnis neue Ansätze für die Erkennung, Überwachung und Prävention von kumulativen Hirnverletzungen im Sport eröffnen, so die Experten weiter. Die Gesundheit von Fußballspielern und Einzelpersonen in anderen Kontaktsportarten müsse langfristig dringend besser geschützt werden. (as)

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