Nikotin-Entzug: Manche Raucher können gut aufhören

Heilpraxisnet

Nikotin-Entzug: Manche Raucher können leichter aufhören

12.01.2015

Sehr viele Raucher, die sich dazu entschlossen haben, dem Nikotin den Rücken zuzukehren, werden wieder rückfällig. Wie eine Untersuchung nun zeigt, hängen die Erfolgsaussichten verschiedener Methoden der Tabakentwöhnung offenbar davon ab, wie schnell ein Mensch Nikotin abbaut.

Erfolgschancen hängen von Schnelligkeit des Nikotinabbaus ab
Offenbar hängen die Erfolgschancen verschiedener Wege zur Tabakentwöhnung auch davon ab, wie schnell ein Mensch Nikotin abbaut. Wie aus einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa hervorgeht, profitieren jene Raucher, die den Tabakstoff normal verstoffwechseln, einer Studie zufolge eher von Medikamenten. Bei den Menschen, deren Körper Nikotin nur langsam abbaut, reichen hingegen Nikotinpflaster, die in den USA und Europa häufigste Pharmakotherapie. Dies berichten US-Mediziner um Caryn Lerman von der University of Pennsylvania in Philadelphia im Fachblatt „The Lancet Respiratory Medicine“.

Großteil der Raucher wird rückfällig
Jedes Jahr sterben weltweit etwa sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens, die Kosten für die Gesundheitssysteme werden auf 200 Milliarden US-Dollar (170 Milliarden Euro) geschätzt. Zur Tabakentwöhnung stehen diverse Optionen zur Verfügung. „Bis zu 65 Prozent der Raucher, die aufhören, haben in der ersten Woche wieder einen Rückfall“, so Lerman. Erschwert wird die Entwöhnung den Angaben zufolge insbesondere durch das Verlangen nach Nikotin, welches auch davon abhängt, wie schnell der Organismus eines Menschen diesen Stoff abbaut. Und das wiederum hängt den Angaben zufolge vor allem von der Aktivität eines Enzyms in der Leber ab, die vom Erbgut und auch von den äußeren Umständen beeinflusst wird.

Stärkere Entzugserscheinungen bei normaler Abbaurate
Die Nikotinwerte im Körper fallen bei Menschen mit normaler Abbaurate – laut den Autoren etwa 60 Prozent der Bevölkerung – schneller ab. In der Regel rauchen sie mehr, haben bei ausbleibendem Nachschub stärkere Entzugserscheinungen und sind somit auch stärker rückfallgefährdet. Die Mediziner testeten rund 1.250 abstinenzwillige Raucher in den USA und Kanada auf die Nikotinabbaurate (NMR), um den Einfluss des Metabolismus zu ermitteln. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt: Die einen bekamen ein Nikotinpflaster und eine Placebopille, eine weitere Gruppe erhielt ein Medikament und ein Placebopflaster und die übrigen bekamen ein Scheinpflaster und eine Scheintablette. Es zeigte sich, dass bei den Menschen mit normalem Stoffwechsel, die das Medikament erhielten, die Erfolgsquote nach elf Wochen doppelt so hoch war wie bei den Pflasterträgern.

Pflaster haben weniger Nebenwirkungen
Und auch nach sechs Monaten war das Medikament noch hilfreicher als das Pflaster, allerdings war der Unterschied inzwischen geringer. So lag die Abstinenzrate beim Placebo bei 10 Prozent, mit dem Pflaster bei 13 Prozent und mit dem Medikament bei 16 Prozent. Weiter wird berichtet, dass Pflaster und Tablette bei den Menschen mit langsamen Nikotinstoffwechsel am Ende der Therapie ähnlich wirksam waren. Daher raten die Mediziner diesen Personen zu Pflastern, da diese weniger Nebenwirkungen haben, wie etwa Übelkeit, Kopfschmerzenoder auch Depressionen. „Um die Erfolgsraten für alle Raucher zu steigern und gleichzeitig die Nebenwirkungen zu minimieren, sollten wir unseren Resultaten zufolge Menschen mit normalem Stoffwechsel mit Vareniclin und jene mit langsamem Abbau mit Nikotinpflaster behandeln“, erläuterte Koautorin Rachel Tyndale von der Universität Toronto.

E-Zigaretten als Hilfe beim Rauchstopp
„Was noch wichtiger ist, man könnte einen Schnelltest entwickeln, der die Abbaurate von Nikotin misst.“ Der von den Forschern verwendete Test zum Erfassen des Nikotinabbaus dauerte mehrere Tage und kostete pro Probe etwa 50 US-Dollar. Experten der englischen Universität Bristol bezeichneten die Studie in einem Kommentar als „wichtigen wissenschaftlichen Fortschritt“. Wenn die Resultate bestätigt werden sollten, könnte dies zu einer Änderung der klinischen Praxis führen. Ein weiteres Mittel zur Rauchentwöhnung wurde von den Forschern nicht untersucht: Auch E-Zigaretten können als Hilfe beim Rauchstopp sinnvoll sein. So hatte Ende vergangenen Jahres eine Cochrane-Studie ergeben, dass Raucher, die elektronische Zigaretten verwenden, leichter mit dem Rauchen aufhören oder es reduzieren können. Zudem seien in einer Studie die Auswirkungen der elektronischen Zigaretten im Vergleich zu Nikotinpflastern untersucht worden, wobei eine ähnliche Wirksamkeit der beiden Behandlungen festgestellt wurde, wie die Cochrane Collaboration damals berichtete. (ad)

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