Patienten werden in Griechenland zur Kasse gebeten

Alfred Domke

Klinik-Behandlung in Griechenland kostet Bürger 25 Euro

04.01.2014

Seit Jahresbeginn müssen Patienten in Griechenland tiefer in die Tasche greifen. Durch Sparmaßnahmen sollen zusätzliche 115 Millionen Euro für das staatliche Gesundheitssystem eingenommen werden. Etwa durch 25 Euro, die die Bürger pro Krankenhaus-Behandlung zu zahlen haben.

Staatliche Krankenhäuser bitten zur Kasse
Patienten in Griechenland müssen seit Jahresbeginn mehr Geld für ihre Gesundheit ausgeben. So werden sie nun in staatlichen Krankenhäusern zusätzlich zur Kasse gebeten. Menschen, die sich dort behandeln lassen, müssen 25 Euro bezahlen. Wie der griechische Gesundheitsminister Adonis Georgiades am Donnerstag im griechischen Fernsehen mitteilte, seien mittellose Bürger sowie chronisch Kranke von der neuen Regelung ausgenommen.

Ein Euro extra für das Gesundheitssystem
Zudem soll in den kommenden Wochen noch eine weitere Maßnahme in Kraft treten. Dann müssen Patienten für jedes Rezept außer ihrer Selbstbeteiligung noch einen zusätzlichen Euro für das staatliche Gesundheitssystem zahlen. In Athen erhofft man sich damit Einnahmen in Höhe von 115 Millionen Euro pro Jahr, wie der Verband der griechischen Ärzte berechnete.

Verantwortungslose Maßnahme
Das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), Griechenlands stärkste Oppositionspartei, kritisierte diese Maßnahme als „verantwortungslos“. Das staatliche Gesundheitssystem werde damit stufenweise aufgelöst, wie es hieß. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise war das griechische Gesundheitssystem ins Wanken geraten. Seit nunmehr fast zwei Monaten befinden sich tausende griechische Kassenärzte im Streik. Patienten müssen sich dort an Privatärzte oder Kliniken wenden.

Staatsbedienstete in Mobilitätsreserve
Ärzte, die einen Vertrag mit den staatlichen Versicherungen haben, wollen von der sogenannten „Mobilitätsreserve“ ausgenommen werden. Bei dem Programm zur Verschlankung des griechischen Staates sei vorgesehen, dass 25.000 Staatsbedienstete – darunter auch Ärzte – für acht Monate in die „Mobilitätsreserve“ gehen. Wenn in diesem Zeitraum kein anderer Job im staatlichen Bereich für sie gefunden wird, sind sie arbeitslos.

Gesundheit der Griechen durch Finanzkrise besonders betroffen
Die Gesundheit der Griechen sei durch die Finanzkrise ohnehin besonders stark betroffen. Zu diesem Ergebnis kam ein britisches Forscherteam um Professor Martin McKee von der „London School of Hygiene & Tropical Medicine“ in einem Artikel im renommierten Wissenschaftsmagazin „The Lancet“ vor wenigen Monaten. So sei den Angaben des nationalen Gesundheitsministeriums zufolge in Griechenland die Zahl der Selbstmorde in den ersten fünf Monaten 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 40 Prozent gestiegen. Auch habe die Politik die bereitgestellten Mittel für die öffentlichen Krankenhäuser um mehr als ein Drittel reduziert. Hier fehle es sowohl an Medikamenten als auch am Personal. „Ausbrüche von Infektionskrankheiten werden immer häufiger und Budgetkürzungen haben den Zugang zur Gesundheitsversorgung beschränkt“, so die Aussage der Wissenschaftler. Insbesondere bei den HIV-Infektionen verzeichneten die Forscher einen besorgniserregenden Anstieg im Zuge der Finanzkrise. (ad)

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Bild: Dieter Schütz / pixelio.de