Probiotika mindern Neurodermitis Risiko?

Fabian Peters

IQWiG: Probiotika schützen vor Neurodermitis

08.10.2013

Relativ viele Kinder entwickeln in den ersten Lebensjahren eine Neurodermitis (Atopisches Ekzem), die sie unter Umständen ihr Leben lang begleitet. Hier könnten sogenannten Probiotika beziehungsweise probiotische Nahrungszusätze für Schwangere und Säuglinge eine präventive Wirkung entfalten und das Erkranken an Neurodermitis verhindern, so die aktuelle Pressemitteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Bis zu zwei von zehn Kindern plagt laut Angaben des IQWiG zumindest zeitweise ein Juckender Hautausschlag in Form der Neurodermitis. Beschwerden, denen mit Hilfe der Einnahme von Prä- und Probiotika möglicherweise vorgebeugt werden kann. Zwar sei das Risiko für Neurodermitis überwiegend genetisch bedingt, doch lasse sich durch prä- und probiotischen Nahrungszusätze der Ausbruch der Erkrankung unter Umständen vermeiden, berichtet das IQWiG unter Berufung auf die Auswertung aktueller Studienergebnisse. „Eine Möglichkeit ist es, in den letzten Schwangerschaftswochen und / oder während der Stillzeit prä- oder probiotische Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen“, so die Mitteilung des Instituts.

Probiotika mit positiver Wirkung auf die Darmflora
In den Probiotika-Produkten sind lebende Keime, wie etwa Milchsäurebakterien, enthalten, denen eine positive Wirkung auf die Darmflora nachgesagt wird, was wiederum vor einer späteren Entwicklung allergischer Erkrankungen schützen soll. Als Präbiotika werden laut IQWiG Stoffe bezeichnet, welche „die Entwicklung von Probiotika im Verdauungssystem anregen.“ Die Prä- und probiotische Mittel seien als Tabletten, Flüssigkeiten oder in Form von Milchprodukten wie Joghurt erhältlich. Insbesondere bei Kindern, die nicht gestillt werden, könne Babymilch mit prä- beziehungsweise probiotischen Zusätzen in Frage kommen. Denn Babys, die nicht gestillt werden, hätten deutlich weniger Milchsäurebakterien im Darm als Babys, die mit Muttermilch gefüttert werden.

Studien zur präventiven Wirkung der Präbiotika bei Neurodermitis
Das IQWiG kommt bei der Bewertung der Forschungsergebnisse zu prä- und probiotischen Mitteln zu dem Schluss, dass sowohl bei den Präbiotika als auch insbesondere bei den Probiotika einige Hinweise dafür vorliegen, dass diese eine präventive Wirkung gegenüber Neurodermitis entfalten können. Zu den Präbiotika hätten „Wissenschaftler der Universität Sydney vier hochwertige Studien ausgewertet, in denen Babymilch mit präbiotischen Zusatzstoffen mit Babymilch ohne Zusätze verglichen wurde“, berichtet das IQWiG. Insgesamt waren circa 1.200 Mütter mit ihren Säuglingen an den Studien beteiligt. Die Auswertung habe gezeigt, dass von 100 Säuglingen, die mit einer Babymilch ohne Zusätze ernährt wurden, 12 eine Neurodermitis entwickelten, während von 100 Säuglingen, die präbiotische Babymilch erhielten, lediglich acht an Neurodermitis erkrankten. Demnach hätten die präbiotischen Zusätze vier von 100 Säuglingen vor einer Neurodermitis bewahrt, so das Fazit der Forscher.

Präbiotische Zusätze bisher nicht ausreichend erforscht
„Die Untersuchungen liefern schwache Hinweise darauf, dass mit Präbiotika angereicherte Babymilch vor Neurodermitis schützen kann“, so die Bewertung des IQWiG. Für verlässliche Aussagen sei allerdings dringend weitere Forschung erforderlich, denn die größte Studie habe nur ein Jahr gedauert und manche Kinder entwickeln erst nach dieser Zeit die chronischen Hautausschläge, berichtet das Institut. Des Weiteren seien die meisten Babys der Studien ohne Veranlagung für Neurodermitis zu Welt gekommen. „Ob präbiotische Babynahrung Neurodermitis auch bei Babys mit einem hohen Risiko für Hautausschläge vorbeugen kann, ist daher unklar“, so die Mitteilung des IQWiG. Als Präbiotika, mit denen Säuglingsnahrung angereichert wird, sind zum Beispiel die sogenannten Oligosaccharide (Kohlenhydrate aus Zucker oder Stärke) bekannt.

Probiotika zeigen präventive Wirkung bei Neurodermitis
Bei den Probiotika ist die Forschung indes schon einen Schritt weiter. Hier habe eine „Wissenschaftlergruppe der Universitäten Mailand und Paris Studien ausgewertet, in denen probiotische Produkte zur Vorbeugung von Neurodermitis untersucht wurden.“ Insgesamt 14 Studien mit über 6.500 Säuglingen wurden dem IQWiG zufolge berücksichtigt. Hier sei die Datenlage also recht gut. Getestet wurden überwiegend Produkte mit Milchsäurebakterien, wobei die „Mütter sie in einigen Studien ab den letzten Schwangerschaftswochen bis zum Abstillen“ einnahmen und „in anderen Studien die Säuglinge nach der Geburt für mehrere Monate Babynahrung mit probiotischen Zusätzen“ erhielten. Die beteiligten Babys hätten in den meisten Studien ein familiäres Risiko für allergische Erkrankungen aufgewiesen und seien über einen Zeitraum bis zu zwei Jahre nach-beobachtet worden, was die Aussagekraft der Studien weiter stärke. Die Auswertung habe gezeigt, dass 34 von 100 Säuglingen, die keine probiotischen Nahrungszusätze erhielten, an Neurodermitis erkrankten, während lediglich 26 von 100 Säuglingen, die probiotische Produkte erhielten oder deren Mütter probiotische Produkte einnahmen, ein atopisches Ekzem entwickelten. Demnach hätten die probiotischen Zusätze also bei acht von 100 Säuglingen eine Erkrankung an Neurodermitis verhindert. „Die Ergebnisse zeigen, dass probiotische Produkte zumindest etwas vor Neurodermitis schützen können“, so das Fazit des IQWiG. (fp)

Bild: Medienleiter / Markus Leiter / pixelio.de