Prostatakrebs: PSA-Früherkennungstests richten mehr Schaden an als Nutzen

Alexander Stindt

Sind sogenannte PSA-Tests empfehlenswert?

Forscher fanden heraus, dass Routinetests für Prostatakrebs offenbar mehr schaden, als sie nutzen. Außerdem retten dieses Tests keine Menscheleben durch frühzeitige Diagnose bei Patienten ohne Symptomen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Der Einsatz der Tests wird somit grundsätzlich in Frage gestellt.


Die Wissenschaftler der University of Bristol stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Routinetests für Prostatakrebs häufig mehr Schaden verursachen als sie verhindern. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of the American Medical Association“ (JAMA).

Ein sogenannter PSA-Test scheint nicht wirklich effektiv zu sein und zu vielen gesundheitlichen Problemen zu führen. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)

Forscher untersuchten mehr als 400.000 Männer

An der aktuellen Studie, welche sich mit der Wirksamkeit von sogenannten Prostata-spezifischen Antigen-Tests (PSA-Tests) befasste, waren insgesamt mehr als 400.000 Männer beteiligt. Fast 190.000 Teilnehmer hatten an einem PSA-Test teilgenommen, während 220.000 Probanden keinen solchen Test durchgeführt hatten. Männer haben in Deutschland ab dem Alter von 45 Jahren die Möglichkeit einer Untersuchung auf Prostatakrebs. Dies umfasst die Abtastung der Genitalien und der dazu gehörigen Lymphknoten in der Leiste. Ein PSA-Test ist dagegen nicht vorgesehen. Die Entscheidung für oder gegen einen solchen Test sollte erst nach einem Gespräch mit einem Mediziner getroffen werden, raten die Experten.

PSA-Tests können Prostatakrebs nicht effektiv feststellen

Die Forscher erklärten, dass PSA-Tests bei Männern ohne Symptome auf Erkrankungen hindeuten können, welche wahrscheinlich keinen Schaden verursachen würden. Andererseits kann die Untersuchung Erkrankungen übersehen, welche tödlich enden können. Dies unterstreicht die Mängel eines einzelnen PSA-Tests als Möglichkeit, um Prostatakrebs effektiv identifizieren. Bei der Untersuchung konnte festgestellt werden, dass nach einem Jahrzehnt beide Gruppen von untersuchten Teilnehmern den gleichen Prozentsatz an Männern aufwiesen, welche an Prostatakrebs verstarben (0,29 Prozent). Der PSA-Test identifiziert nicht die Feinheiten der Erkrankung und kann außerdem den Betroffenen Schaden zufügen, sagen die Mediziner. Es seien in Zukunft genauere Möglichkeiten zu entwickeln, um das Leben von betroffenen Männern zu retten.

PSA-Test kann keine Leben retten

„Unsere große Studie hat ein stark diskutiertes Thema beleuchtet. Wir fanden heraus, dass ein einziger PSA-Test für Männer ohne Symptome von Prostatakrebs nach einer durchschnittlichen Follow-up-Zeit von zehn Jahren keine Leben rettet“, erklärt Studienautor Professor Richard Martin von der University of Bristol in einer Pressemitteilung.

PSA-Test kann zu Problemen führen

Die Ergebnisse unterstreichen die Vielzahl von Problemen, die der PSA-Test aufwirft. Diese umfassen beispielsweise unnötige Ängste und eine überflüssige Behandlung durch die Diagnose von Krebs an der Prostata von Männern, die nicht an Krebs leiden. Außerdem werden einige gefährliche Arten von Prostatakrebs nicht erkannt.

Aggressive Prostatakarzinome müsse frühestmöglich erkannt werden

Prostatakrebs ist die zweithäufigste Todesursache bei Männern in Großbritannien, erläutert Dr. Emma Turner von University of Bristol. Es müssen jetzt bessere Möglichkeiten gefunden werden, um aggressive Arten von Prostatakrebs zu diagnostizieren, welche dringend eine frühzeitige Behandlung erfordern, so die Expertin weiter. Während einige Arten von Prostatakrebs aggressiv und tödlich sind, seien andere klinisch unbedeutend und würden niemals zu Schaden oder Tod führen, wenn sie nicht entdeckt werden. Im Idealfall müssen aggressive Prostatakarzinome so früh wie möglich erkannt und behandelt werden, betont die Mediziner.

Negative Auswirkungen des PSA-Tests

Wenn Männer wegen Prostatakrebs besorgt sind, sollten sie unbedingt ein Gespräch mit einem Arzt über diese Erkrankung führen. Es ist wichtig, dass die Gespräche der Hausärzte mit ihren Patienten über den PSA-Test auf den aktuellsten Erkenntnissen beruhen und das Risiko eines ernsthaften Schadens richtig darstellen. Obwohl PSA ein unkomplizierter Bluttest ist, kann der nachfolgende Diagnose- und Behandlungsprozess negative Auswirkungen auf das Leben eines Mannes haben, wie beispielsweise das Risiko einer Infektion oder Sepsis durch Biopsie. Außerdem kann auch Inkontinenz entstehen und die sexuelle Funktionen und Darmfunktion können durch die Behandlung beeinträchtigt werden. (as)