Rausch und Sucht: Ärzte warnen vor der Gabe von Codein-Hustensaft

Sebastian
Kinder und Jugendliche sollten vor Codein geschützt werden
Ärzte warnen vor dem Einsatz von Medikamenten mit Codein. Laut den Experten seien Schmerzmittel mit Codein nicht zur Behandlung von Kindern unter zwölf Jahren geeignet. Nun bestätigte ein Vorfall mit einem 14 jährigen Mädchen diese Warnung. Die Teenagerin war nach der Einnahme von Schmerzmitteln mit Codein ernsthaft erkrankt. Der aktuelle Fall war in dem Fachjournal „BMJ Case Reports“ veröffentlicht worden.
Arzneimittel mit Codein werden schon seit langer Zeit vorgeworfen, dass sie nicht wirksam genug seien und ein erhöhtes Risiko besitzen, Rausch und Sucht auszulösen. Später erklärten Experten, dass diese Vorwürfe unberechtigt wären. Jetzt machte der Fall eines vierzehn jährigen Mädchens klar, dass Medikamente mit Codein keinesfalls eingesetzt werden sollten, um Teenager oder kleine Kinder zu behandeln. Das Mädchen war tagelang verwirrt und litt unter schweren Nebenwirkungen.

Für Kinder kein Codein Hustensaft! Bild: photophonie - fotolia
Für Kinder kein Codein Hustensaft! Bild: photophonie – fotolia

Mädchen erleidet Gedächtnisschwund und schläft zwanzig Stunden am Tag durch Codein
Bei einem vierzehn Jahre alten Teenager hätte ein rezeptfreies Schmerzmittel mit Codein eine akute Verwirrung ausgelöst, berichten Mediziner in ihrer Untersuchung. Bisher gab es keine veröffentlichten Berichte über solche Auswirkungen bei Minderjährigen. Viele Eltern geben ihren Kindern auch heutzutage noch Codein Produkte, trotz aller Bedenken der Regulierungsbehörden. Dies könne daran liegen, dass „einige Eltern immer noch von der starken und schnellen schmerzstillende Wirkung überzeugt seien“, erklärten medizinische Fachkräfte aus Irland. Das Mädchen wurde fünf Tage lang in einem Krankenhaus behandelt, der Teenager wirkte äußerst verwirrt und litt sogar unter Gedächtnisschwund. Sie schlief etwa zwanzig Stunden am Tag, hatte eine verminderte Aufmerksamkeitsspanne und litt unter zeitweise auftretenden Kopfschmerzen.

Niemals Codein länger als drei Tage einnehmen
Die Eltern des Kindes hatten den Ärzten berichtet, dass ihr vierzehn jähriges Kind unter anderem fälschlicherweise überzeugt war, geduscht zu haben, obwohl sie es nicht hatte. Während das Mädchen seine Hausaufgaben machte, wechselte es zusätzlich unbewusst die Sprache. Der Teenager litt schon seit mehr als 15 Tagen an grippeähnlichen Symptomen. Sie verpasste oft die Schule und wurde in dieser Zeit mit zwei oder drei Esslöffeln Codeinphosphat am Tag behandelt. Obwohl das Mädchen nicht die empfohlene Tagesdosis, von drei bis sechs Esslöffel überschritten hatte, nahm das Kind das Medikament über einen zu längeren Zeitraum ein. Empfohlen sei eine Höchstlaufzeit von drei Tagen, erklärten die Ärzte in der Untersuchung. Aus diesem Grund wurde vermutet ,dass die vierzehn Jährige etwa 450-675mg Codein zu sich genommen hatte, statt der maximal empfohlenen Menge von 270 mg.

Codein kann sich auf das zentrale Nervensystem und die Atmung auswirken
Die Symptome ließen nach, nachdem das Kind fünf Tage im Krankenhaus verbracht hatte. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch kein Codein mehr im Urin des Teenagers. Bei einer klinischen Nachuntersuchung, zwei Wochen nach ihrer Entlassung, konnte festgestellt werden, dass die Vierzehnjährige wieder komplett beschwerdefrei war. Der verwirrte Zustand sei eine relativ ungewöhnliche Beschwerde für Codein. Es sei „dringend notwendig auf diesem Gebiet weitere gründliche Untersuchungen durchzuführen“, erklärten die beteiligten Mediziner. Codein ist dafür bekannt, dass es oft Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem und die Atmung hat. Außerdem kann das Medikament einen starken Juckreiz auf der der Haut verursachen.

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Codein kann Sucht bei Kindern auslösen
Im April hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur Ärzte davor gewarnt, Codein nicht bei Kindern und Jugendlichen zur Behandlung zu verwenden. Die Agentur überprüfte internationale Daten auf Husten und andere Infektionen der Atemwege, einschließlich vier Todesfällen, mit einer Beteiligung von Codein. Das Medikament sollte bei Husten und Erkältungen von Minderjährigen nur unter besonderen Umständen verwendet werden, erklärten die Ärzte. Auch ältere Kinder und Jugendliche mit Atembeschwerden, sollten Codein keinesfalls verwenden. Obwohl es keine Beweise von Codein Sucht in diesem Fall gab, hatten schon ältere Untersuchungen vermutet, dass Kinder und besonders anfällige Erwachsene ein erhöhtes Suchtpotenzial für das Medikament entwickeln könnten, erläuterten die Autoren des „BMJ“ Artikels. Die Kombination aus mangelnder Wirksamkeit, dem Risiko einer akuten Vergiftung und auftretender Abhängigkeit, könnte die Verwendung von rezeptfreien Medikamenten mit Codein ungerechtfertigt machen.

Personen unter 18 Jahren sollten komplett auf Codein verzichten
Codein ist als starke Medizin zur Schmerzlinderung zugelassen. Wenn Eltern Fragen hätten, sollten sie zu ihrem Hausarzt oder Apotheker gehen, der könne sie am besten beraten und alternative Behandlungsmethoden empfehlen. Mediziner sind sich der Risiken im Zusammenhang mit der Verschreibung von Codein bewusst und im Einklang mit den aktuellen Richtlinien. Sie würden Codein in der Regel nicht empfehlen, Medikamente mit Codein bei Kindern einzusetzen, erklärte Professor Nigel Mathers vom „Royal College of General Practitioners“. Es ist auch nicht zu ratsam, Medikamente mit Codein zu verwenden, wenn Patienten beispielsweise an Asthma leiden. Codein ist ein wirksames Hustenmittel und überall ohne ein Rezept verfügbar. Sollten sich also Patienten entscheiden Arzneimittel mit Codein einzunehmen, sollten sie dringend den Beipackzettel lesen und sich unbedingt an die empfohlene Dosis halten. Personen unter 18 Jahren sollten bei Husten überhaupt keine Medikamente mit Codein nutzen, warnte der Apotheker Neal Patel.

Codein: Risiken überwiegen klar
Es würde „nur begrenzte Hinweise darauf geben, dass Codein wirksam zur Behandlung von Husten und Erkältung bei Kindern ist“, fügte der Apotheker hinzu. Die Risiken überwiegen die Vorteile für die Behandlung der Symptome von Husten in dieser Altersgruppe. Codein-haltige Arzneimittel zur Behandlung von Schmerzen oder Husten bei Kindern, seien wegen der möglichen schweren Nebenwirkungen nicht geeignet, erläuterte Patel. Apotheker raten generell dazu, das Arzneimittel mit Codein nur für drei Tage und nur in der empfohlenen Dosis eingenommen werden sollten. Bei einer längeren Verwendung könnte ein Sucht nach dem Medikament entstehen. Menschen mit Husten, der länger als zwei Wochen dauert, sollten zur Beratung einem Apotheker oder Hausarzt aufsuchen.(as)