Risiken reduzieren: Cannabis sollte ausschließlich ohne Tabak geraucht werden

Alexander Stindt
Mediziner suchen nach Möglichkeiten Cannabis-Konsum sicherer zu machen
In vielen Ländern auf der Welt hat sich die Einstellung zu Cannabis in den letzten Jahren stark verändert. Endgültige Verbote von Cannabis werden immer häufiger durch eine lockerere Gesetzgebung ersetzt. Wissenschaftler suchen jetzt nach Mitteln und Wegen, um die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Cannabis zu reduzieren. Forscher fanden dabei heraus, dass viele der Risiken für Nutzer vermindert werden, wenn Cannabis ohne Tabak konsumiert wird.

Die Wissenschaftler des anerkannten King’s College London und der UCL stellten bei einer Untersuchung fest, dass der Konsum von Cannabis weitaus weniger schädlich ist, wenn der Cannabis-Gebrauch ohne Tabak stattfindet. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse der Studie in der Fachzeitschrift „Lancet Psychiatry“.

Viele Konsumenten von Cannabis rauchen es mit der Hilfe von Tabak. Viele gesundheitliche Risiken könnten jedoch reduziert werden, indem Cannabis pur ohne Tabak geraucht wird. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Konsumenten sollten Cannbis pur durch einen Vaporizer zu sich nehmen
Es ist entscheidend für Gesundheitsbeamte, dass Maßnahmen ergriffen werden, um den Schaden des Konsums von Cannabis zu reduzieren. Viele der gesundheitlichen Risiken können vermieden werden, wenn Nutzer ermutigt werden, Cannabis ohne Tabak zu konsumieren und es beispielsweise mit der Hilfe von sogenannten Vaporizern zu sich nehmen.

Bei der aktuellen Drogenpolitik müssen Konsumenten vor negativen Auswirkungen geschützt werden
Die sich schnell ändernden Gesetze rund um Cannabis führen zur Notwendigkeit, dass die Benutzer vor den schädlichsten Auswirkungen geschützt werden, sagen die Experten. Weitere Forschung sei dringend erforderlich, um die veränderte Drogen-Politik wissenschaftlich zu begleiten.

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Cannabis-Nutzung hat sich in vier Jahrzehnten verdoppelt
Es ist bisher recht schwer einzuschätzen, welche Cannabis-Sorten und welche Mengen von Cannabis generell konsumiert werden. Schätzungen deuten aber darauf hin, dass sich die Cannabis-Nutzung im Durchschnitt in den vergangenen vier Jahrzehnten verdoppelt hat, erläutern die Wissenschaftler. In vielen Ländern dominiere Cannabis mit hoher Potenz beim Verkauf auf dem Schwarzmarkt.

Konsum von Cannabis soll sicherer gemacht werden
In den vergangenen acht Jahren hat sich die Zahl der Europäer, welche sich einer Behandlung aufgrund von Problemen mit Cannabis unterzogen haben, um mehr als 50 Prozent erhöht. Dabei ist unklar, wie viele Menschen freiwillig an einer Behandlung teilnehmen oder wie viele durch Gerichte in Klinken eingewiesen wurden, erklären die Autoren. Wissenschaftler arbeiten jetzt daran, dass der Konsum generell sicherer gemacht wird.

Gesetzte für Cannabis haben sich in vielen Ländern verändert
Mehrere europäische Länder haben bereits ihre Gesetze für Cannabis geändert. Zu diesen gehören beispielsweise die Niederlande, Spanien und Portugal. In den USA haben acht Staaten Cannabis formal legalisiert. Es gibt auch viele Regionen, in denen Cannabis als Medikament aus medizinischen Gründen verwendet wird, fügen die Forscher hinzu.

Auswirkungen der veränderten Drogen-Politik sind noch unklar
Durch die Legalisierung von Cannabis wird erwartet, dass die Kosten für Cannabis gesenkt werden. Dabei ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich die Anzahl von Nutzern reduzieren wird. Inwiefern die veränderte Drogen-Politik im Bezug auf Cannabis zu einem erhöhten Gebrauch führen wird und vermehrten gesundheitlichen Problemen führen wird, bleibt laut Aussage der Wissenschaftler auch unklar. Aber wir wissen, dass Konsumenten von Cannabis ein erhöhtes gesundheitliches Risiko aufweisen, fügt der Autor Dr. Amir Englund vom Institute of Psychiatry am King’s College London hinzu.

Was bewirken die Hauptverbindungen in Cannabis?
Die Hauptverbindungen, welche in Cannabis gefunden werden, sind THC (Delta-9-tetrahydrocannabinol) und Cannabidiol (CBD), erklären die Experten. Das THC führe zu dem typischen sogenannten Cannabis-High. Hohe Level von THC seien mit einem verstärkten Risiko für die Entstehung von Psychosen verbunden. Es gebe jedoch einige Hinweise darauf, dass CBD den negativen Auswirkungen von THC entgegen wirkt, zu diesen gehören beispielsweise ein schlechtes Gedächtnis und Paranoia, erklären die Wissenschaftler.

Es besteht Handlungsbedarf zum Schutz der Konsumenten
Wir können nicht immer auf eine Vielzahl von Forschungen warten, wir müssen mit den derzeit bekannten Beweisen bestmögliche Ergebnisse erzielen, sagt Autor Dr. Englund. Nur so können Konsumenten in einem gewissen Maße vor negativen gesundheitlichen Auswirkungen geschützt werden.

Cannabis sollte nicht mit Tabak geraucht werden
In diesem Jahr wird Dr. Englund bei einer weiteren Studie untersuchen, ob verschiedene Ebenen von CBD die schädlichen Auswirkungen von THC reduzieren können. Die europäische Angewohnheit, Cannabis mit Tabak zu rauchen, ist eines der größten bekannten gesundheitlichen Risiken für die Konsumenten von Cannabis. Dieses Problem werde aber weitgehend im Rahmen der Debatte um die Folgen für die öffentliche Gesundheit ignoriert, sagen die Mediziner. Gesundheitliche Schäden können minimiert werden, indem wir wirksame Strategien entwickeln, um das Rauchen von Cannabis mit Tabak in der Gesamtbevölkerung zu reduzieren, fügen die Experten hinzu. (as)