Schädel-Hirn-Trauma: So endet das künstliche Koma

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Schädel-Hirn-Trauma: Wenn das künstliche Koma hilft

29.01.2014

In den meisten Fällen ereignet sich ein sogenanntes Schädel-Hirn-Trauma in Folge von Sport-, Arbeits – oder Haushaltsunfällen. In seltenen Fällen kann sich ein Trauma auch durch eine beabsichtigte Gewalteinwirkung auf den Kopf eines Menschen ereignen. Damit einhergehend ist häufig eine Verletzung des Schädels oder Gehirn verbunden, wie es auch dem Rennsportprofi Michael Schuhmacher passierte.

Die Schwere eines Unfalls veranlasste die Ärzte vor einem Monat dazu, den ehemaligen Rennfahrer ins künstliche Koma zu versetzen. Bei schweren Unfällen ist es die beste Möglichkeit, den Körper durch den künstlich herbeigeführten Tiefschlaf zu entlasten. Betroffene eines schweren Unfalls werden dabei mit Hilfe von Medikamenten in die Langzeitnarkose versetzt, um die Schmerzen und das Bewusstsein auszuschalten. Schätzungsweise erleiden knapp 250.000 Menschen in Deutschland ein Schädel-Hirn-Trauma und es soll die Haupttodesursache bei den unter 45-Jährigen sein. Für die behandelnden Ärzte ist der Ausgang einer solch schweren Erkrankung nicht vorhersehbar, denn die Heilung der Patienten hängt von vielen Faktoren ab. Die durch den Unfall hervorgerufene Schwellung drückt auf die Blutgefäße und die Sauerstoffversorgung kann dadurch nur noch schlecht aufrecht erhalten werden, was zu schweren bleibenden Folgeschäden führen kann. Die Mediziner sehen in dem künstlichen Koma die beste Möglichkeit den Patenten zu entlasten und es wird so lange wie möglich aufrecht erhalten.

"Das medizinische Ziel ist es immer, das künstliche Koma so bald wie möglich zu beenden", sagt Andreas Zieger vom Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg. "Es wird nur aufrechterhalten, wenn es wichtige Gründe dafür gibt, etwa, weil es dringend nötig ist, um das Gehirn bei der Erholung zu unterstützen."

"Wie sehr das Gehirn geschädigt ist, hängt davon ab, wo Gewebe kaputtgegangen ist und in welchem Ausmaß", sagt Claudia Spies, Leiterin der Klinik für Anästhesiologie mit dem Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité in Berlin, gegenüber der Zeitung „Welt“ "Gab es etwa auf der rechten Seite eine starke Einblutung, dann kann man damit rechnen, dass die Fähigkeiten der linken Körperhaft eingeschränkt sind." Häufig haben die Betroffenen nach einem Schädel-Hirn-Traumata Probleme mit der Motorik und dem Sprechen. Aber auch das Gedächtnis, die Konzentration und die Schnelligkeit des Denkens sind in Mitleidenschaft gezogen. Hin und wieder wurden auch Persönlichkeitsveränderungen beobachtet.

Auch das künstliche Koma hat Nebenwirkungen
Doch das künstliche Koma ist nicht nur positiv für den Patenten zu bewerten, denn je länger es andauert, um so schwerer ist die Verletzung zu bewerten und auch die in der Folge auftretenden Komplikationen. "Mit jedem Tag, der im künstlichen Koma vergeht, steigt die Komplikationsrate – und damit wird die Prognose für den Patienten ungünstiger", erklärt er. Etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten mit schwerstem Schädel-Hirn-Trauma überleben das künstliche Koma nicht.. In Folge des langen Liegens ohne jedwede Bewegung und durch die künstliche Beatmung, können Thrombosen entstehen oder der Patient erleidet eine Lungenentzündung. Langfristig können auch eine Schwächung des Immunsystems, eine Blutdruckregulationsstörung, Nerven – und Muskelschwäche oder langanhaltende Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen auftreten.

"Das künstliche Koma schützt das Gehirn vor zu viel Stoffwechsel, es wird gewissermaßen heruntergefahren", erklärt Spies, die den Ärzte-Leitfaden der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin zur Behandlung bei künstlichem Koma mit entwickelt hat. "Das hat aber zur Folge, dass intakte Zellen zunächst blockiert werden und sich das Kommunikationsverhalten der Nervenzellen ändert – etwa das jener, die für Konzentrations- und Gedächtnisprozesse wichtig sind. Und Gehirnzellen wollen nicht auf Dauer abgeschaltet sein.", berichtet sie gegenüber der Welt.

Frühes Stimulieren der Patienten verbessert die Heilungschancen
Die Folgen lassen sich durch frühes Mobilisieren, am besten noch während des Komas, abmildern. Um den Patienten langsam aus dem Koma herauszuführen, wird in der Regel das Narkosemittel Stück für Stück reduziert. Jeweils um zehn Prozent an einem Tag. Nach und nach wacht der Patient langsam auf und nimmt wieder mehr von seiner Umgebung wahr ."Wie lange die Phase des Aufwachens dauert kann man vorher nur schwer einschätzen", erklärt Spies. "Das hängt davon ab, wie stabil der Kreislauf ist, wie stark die Schmerzen sind, die der Patient beim Aufwachprozess verspürt, und als wie stressreich der Körper das empfindet. Jeder zusätzliche Stress bedeutet eine weitere Schädigung des Gehirns, und das versucht man unter allen Umständen zu vermeiden."

Die Patienten reagieren unterschiedlich in der Aufwachphase. Einige durchleben nachts furchtbare Albträume oder Nahtoderlebnisse oder das zurückkehrende Bewusstsein bringt zeitgleich hämmernden Kopfschmerzen mit sich. Ein genaues Abschätzen der Folgeschäden ist schwierig und erfordert vor allem Geduld, denn erst nach einigen Monaten lässt sich erkennen, mit welchen Einschränkungen der Patient in Zukunft leben muss. Ein Schädel-Hirn-Trauma lässt sich generell in drei Schweregrade einteilen: leicht (SHT Grad I), mittelschwer (SHT Grad II) und schwer (SHT Grad III). Umgangssprachlich wird eine solche Erkrankung von den Medizinern auch als „Gehirnerschütterung“, „Gehirnprellung“, oder als „Gehirnquetschung“ bezeichnet. (fr)

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de