Schamanische Übungen für den modernen Menschen

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Schamanische Übungen für den modernen Menschen

Seit den 60er Jahren wurden traditionelle schamanische Praktiken im westlichen Kontext neu interpretiert und in die psychotherapeutische, medizinische und spirituelle Praxis umgesetzt. Zahlreiche alternative Behandlungsmethoden nehmen sich schamanische Konzepte zum Vorbild, ebenso folgende alltagspraktischen Übungen zum „sinnvollen Zerstören“, welche die eigene Entwicklung voranbringen können und sich ideal zum Ausprobieren eignen.

Die Natur als (schamanisches) Vorbild für gesunde Entwicklung
Damit sich Neues entwickeln kann, muss Altes verabschiedet werden. Im Kreislauf der Natur wechseln sich Zerstörung und Erschaffung fortwährend ab, was besonders im Laufe der Jahreszeiten deutlich wird: Das Blatt eines Baumes, satt und lebendig im Sommer, verändert im Herbst sterbend seine farbliche Erscheinung, fällt zu Boden, bietet ruhend kleinen Winterschläfern Schutz und wird im Frühling zur Nahrung von Kleinstlebewesen. Und erst wenn die Frühjahrssonne Schnee und Eis vertrieben hat, können neue Keime sprießen. Jede Jahreszeit weicht der nächsten und immer findet im Wandel Zerstörung statt, damit neues Leben nachrücken kann.

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„Stirb und werde“
In Überlieferungen schamanischer Initiationsriten verschiedener Kulturen finden sich zahlreiche Praktiken, in denen der „Lehrling“ die eigene „Vernichtung“ erfährt, indem Nahtoderlebnisse herbeigeführt werden oder der Anwärter in einer Vision körperlich vollständig (und ziemlich brutal) auseinandergenommen wird. Ziel dabei ist es, das alte Weltbild vollständig zu zerstören, damit ein neues sich entwickeln kann. Genauso soll bis heute eine alljährlich durchgeführte Fastenkur durch den Substanzverlust nicht nur zur Entrümpelung des Körpers, sondern ebenso zur Erneuerung der Lebenseinstellung führen. Auch der heilkundige Dichter Goethe bezog sich auf die physische und psychische Entwicklung des Menschen, als er schrieb: „Wenn du das nicht hast, dies: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.“

Die Übungen: Prüfen, sortieren, verabschieden
Etwas weniger dramatisch als die früheren Schamanen können wir Veränderungen einläuten, indem wir auf der alltagspraktischen Ebene damit beginnen, Platz für Neues zu schaffen: Wenn es stockt im Leben, Unzufriedenheit oder Langeweile einen plagen, kann man sich auf Veränderung vorbereiten, indem Bestehendes geprüft und –falls sinnvoll- verabschiedet wird. Das kann materiellen Besitz, Überzeugungen, Gewohnheiten und Beziehungen betreffen. Da in schamanischen Praktikern Humor und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, eine wichtige Rolle spielen, sollte auch mit den folgenden Übungen spielerisch experimentiert werden:

Übung 1:
Überprüfen Sie Ihren materiellen Besitz. Beginnen Sie mit Ihrem Kleiderschrank und sortieren Sie aus, was Sie nicht (mehr) anziehen. Verabschieden Sie sich innerlich von den Kleidungsstücken und würdigen Sie die Zeiten, die Sie in ihnen verbracht haben. Wiederholen Sie den Vorgang einige Male, bis sich der Bestand sichtlich reduziert hat. Danach nehmen Sie sich weitere Bereiche vor, z.B. Wohnungsinventar, Garage, Keller, Dachboden u.s.w.

Übung 2:
Überprüfen Sie Ihre Überzeugungen und Einstellung zu verschiedenen Themen, z.B. zur eigenen Person, den Geschlechtern, Geld, Arbeit, Liebe oder Sexualität. Tragen Sie in eine zweispaltige Tabelle links Ihre Ansichten und rechts die dazu gegenteilige Aussage ein. Lautet Ihre (bald) überholte Überzeugung also „Ich kann nicht kochen“, dann schreiben Sie daneben: „Ich kann hevorragend kochen und vorzügliche Gerichte zubereiten“, u.s.w. Dabei können Sie ruhig übertreiben, um sich selber von den neuen Fähigkeiten zu überzeugen, die bald wahr werden. Danach verbrennen Sie die Liste einfach.

Übung 3:
Beobachten Sie sich und fertigen Sie eine Liste Ihrer Gewohnheiten an, von der Reihenfolge der Morgentoilette über die verschiedenen Mahlzeiten, Wege, Verkehrsmittel und Ihrer Arbeitsweise. Erkennen und überprüfen Sie Ihre Angewohnheiten. Wägen Sie ab, welche Alternativen Sie ausprobieren möchten und setzen Sie die neuen Verhaltensweisen probeweise ein. Vielleicht erleben Sie Überraschendes nach dem Motto: „Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast!“

Übung 4:
Fertigen Sie eine Liste Ihrer Freunde und Bekannten an. Überprüfen Sie jede einzelne der Beziehungen darauf, ob Sie sie weiterführen möchten oder eigentlich gern beenden würden. Manchmal fühlen wir uns nur verpflichtet oder sind daran gewöhnt, bestimmte Kontakte zu pflegen. Manche Menschen geben uns Kraft, während andere uns energetisch „auslaugen“ . Schließen Sie die Augen, nehmen Sie das Gefühl wahr, das Sie zu der betreffenden Person haben oder visualisieren Sie die Beziehung als Licht, das entweder hell erstrahlt oder als unscheinbares Flämmchen erscheint. Stellen Sie im Zweifelsfall eine Liste über Vorzüge und Nachteile der Beziehung auf. Mit wem möchten Sie verhandeln, um die Beziehung zu verändern? Wo wäre es besser, den Kontakt zu lockern oder sogar abzubrechen? Diese Übung ist schwierig und jede Entscheidung sollte sorgfältig abgewägt werden. (Dipl.Päd. Jeanette Viñals Stein, Heilpraktikerin, 07.02.2010)


Literaturhinweis:

Jose und Lena Stevens:
„Zur Quelle der Kraft-Schamanische Techniken für das Leben von Heute“;
Verlag Hermann Bauer KG 1994