Schlafstörungen oder zu langer Schlaf erhöhen das Risiko für Demenz und Lungenkrebs

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen die Auswirkungen eines gestörten Schlafes
Viele Menschen auf der ganzen Welt haben Probleme mit ihrem nächtlichen Schlaf. Solche Schwierigkeiten bei der Einleitung und Aufrechterhaltung des Schlafes im mittleren Alter können beispielsweise zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Demenz führen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Schlafprobleme mit Demenz und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Lungenkrebs in Verbindung stehen.

Die Wissenschaftler der University of Eastern Finland stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Probleme bei der Einleitung oder der Aufrechterhaltung von nächtlichem Schlaf zu einem erhöhten Risiko für Demenz und Lungenkrebs führen können. Die Mediziner veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

Nächtliche Schlafprobleme haben sicherlich schon die meisten Menschen erlebt. Die Auswirkungen für den nächsten Tag sind meist katastrophal, wir sind antriebslos, müde und unsere Leistung verringert sich. Mediziner stellten fest, dass Schlafprobleme sogar die Wahrscheinlichkeit für Lungenkrebs und Demenz erhöhen können. (Bild: Sven Vietense/fotolia.com)

Wie viele Stunden Schlaf pro Nacht sind gesund?
Wenn Menschen weniger oder mehr als 7 bis 7,5 Stunden pro Nacht schlafen, erhöht dies ihr Risiko an Demenz oder Lungenkrebs zu erkranken, erklären die Experten. Ein solches Schlafverhalten scheine niedrige Grade von Entzündungen im menschlichen Körper hervorzurufen. Außerdem führt eine Störung unserer Schlaf-Hormone dazu, dass das Tumorwachstum angetrieben wird, sagen die Autoren.

Schlafmangel erhöht den Gehalt von Kupfer in unserem Blut
Der Mangel an Schlaf ist auch mit erhöhten Konzentrationen von Kupfer in unserem Blut verbunden, welche wiederum das Krebsrisiko erhöhen, erläutern die Wissenschaftler. Wenn der nächtliche Schlaf über längere Zeit gestört wird, erhöhe sich dadurch auch das Risiko für die Entstehung von Demenz um das 1,5-fache. Dieser Effekt kann auf eine Akkumulation eines spezifischen Proteins zurückzuführen sein, welches mit dem Gedächtnis verbundene Hirnregion beeinträchtigt und die Regeneration der Gehirnzellen verhindert.

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Experten untersuchten knapp 2.700 Teilnehmer
Für ihre Studie untersuchten die Forscher 2.682 männliche Probanden über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Studienteilnehmer waren bei den Grundlagenprüfungen in den Jahren 1984 bis 1989 zwischen 42 und 60 Jahren alt. Bei der Untersuchung wurden auch persönliche gesundheitliche Faktoren (beispielsweise Rauchen) berücksichtigt, sagen die Experten.

Was passiert während unseres Schlafes?
Während des Schlafes wird die Energie des Körpers der zellulären Reparatur, den Immunfunktionen und der neuronalen Plastizität des Gehirns und der Gedächtniskonsolidierung zugewiesen, erläutern die Autoren. Die Notwendigkeit des Schlafes ist individuell und ändert sich während der Lebensdauer. Für Erwachsene betrage die empfohlene Schlafdauer normalerweise sieben bis neun Stunden. Unzureichender Schlaf, Schlafstörungen, Schlaflosigkeit oder Störungen im Schlaf-Rhythmus können tagsüber zu einer übermäßigen Müdigkeit führen.

Welche Probleme treten akut durch Schlafmangel auf?
Akute Effekte des schlechten Schlafes sind beispielsweise Schwierigkeiten bei kognitiven Aufgaben, erhöhter Energiebedarf, erhöhter Zellstress, geringere Herzfrequenz und geringere Körpertemperatur, erläutern die Wissenschaftler.

Zu welchen chronischen Krankheiten können Langzeit-Schlafstörungen führen?
Langzeit-Schlafstörungen wurden mit einigen chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Demenz. Bei Personen mit zu kurzer oder zu langer Schlafdauer wurde außerdem ein erhöhtes Risiko der Mortalität festgestellt, erklären die Forscher.

Welche Faktoren erhöhen das Risiko für Krebs und Demenz?
Die zugrunde liegenden Faktoren hinsichtlich der Assoziation zwischen Schlafdauer und einem erhöhten Risiko von Lungenkrebs betreffen geringe Entzündungen und Störungen bei der Melatonin-Sekretion, sagen die Autoren. Diese Faktoren tragen zur Pathogenese von Krebs und zur Beschleunigung des Tumorwachstums bei. Entzündungen auf einen niedrigen Grad sind mit der Schlafdauer und dem Zink- und Kupfergehalten verbunden, welche das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs erhöhen können. Eine Assoziation zwischen Schlafstörungen und Demenz kann durch strukturelle Veränderungen im Gehirn, geringe Entzündungen und Störungen der Neurogenese entstehen, fügen die Experten hinzu.(as)