Schwangerschaft: Antidepressiva erhöhen das Autismus-Risiko bei Kindern

Alexander Stindt
Wie wirkt sich die Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft auf Kinder aus?
Die Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft birgt einige Risiken für Mutter und Kind. Forscher fanden jetzt heraus, dass die Einnahme von Antidepressiva während der Schwangerschaft zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Autismus führt.

Die Wissenschaftler der University of Bristol stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass die Kinder von Müttern, welche während der Schwangerschaft Antidepressiva einnehmen, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Autismus aufweisen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

Wenn schwangere Frauen Antidepressiva einnehmen, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder Autismus entwickeln. (Bild: dubova/fotolia.com)

Antidepressiva während der Schwangerschaft führen bei den Kindern zu einem erhöhten Risiko für Autismus
Wenn Mütter Antidepressiva während der Schwangerschaft einnahmen, führte dies bei deren Kindern zu einem erhöhten Risiko, an Autismus zu erkranken. Das festgestellte absolute Risiko ist relativ gering, es steigt von 2,9 Fällen bei 100 Kindern auf 4,1 Fälle an, erläutern die Experten.

Forscher analysieren für ihre Studie die Daten von 254.610 Menschen
Die Forscher analysierten bei der aktuellen Studie die Daten von insgesamt 254.610 Personen im Alter von vier bis 17 Jahren. Darunter waren auch 5.378 Menschen mit Autismus. Bis zu acht Prozent der schwangeren Frauen in Großbritannien nahmen während ihre Schwangerschaft Antidepressiva ein, fügen die Autoren hinzu.

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Welche Auswirkungen hätte es, wenn Mütter keine Antidepressiva mehr einnehmen würden?
Auch wenn die Assoziation zwischen Antidepressiva und Autismus kausal ist, könnte eine Einstellung der Einnahme von Müttern während der Schwangerschaft nur etwa zwei Prozent aller Fälle der Erkrankung verhindern, erläutern die Forscher.

Sind Stimmungsstörungen oder Medikamente der Auslöser für erhöhtes Risiko von Autismus?
Es ist möglich, dass das erhöhte Autismus-Risiko auf die Medikamente zurückzuführen ist, vielleicht ist das erhöhte Risiko allerdings auch auf die Auswirkungen der Stimmungsstörung zurückzuführen, erklären die Experten.

Depressive Stimmungslagen sind häufiger bei Eltern von Kinder mit Autismus
Angesichts der Tatsache, dass vorherige Familienstudien bereits vermehrte Stimmungsstörungen bei den Eltern von Kindern mit Autismus zeigten, könnte auch eine Überlappung der genetischen Faktoren zwischen Stimmungsstörungen und Autismus involviert sein, fügen die Wissenschaftler hinzu. Sollte es eine kausale Beziehung zwischen Antidepressiva und Autismus geben, dann sei dieser Zusammenhang nur sehr bescheiden.

Weitere Forschung ist nötig
Es gibt auch andere Faktoren, abgesehen von Antidepressiva, welche eine Erklärung für die festgestellten Effekte liefern könnten, mutmaßen die Experten. Die aktuelle Studie werfe einige neue Fragen auf. Weitere Forschung werde nun nötig, um die Auswirkungen und Zusammenhänge besser zu verstehen. (as)