Schwangerschaften beeinflussen das weibliche Gehirn und verrusachen Vergesslichkeit

Alexander Stindt

Forscher untersuchen die Auswirkungen der Schwangerschaft auf die Gehirnfunktion

Es entstehen bei Frauen in der Schwangerschaft Veränderungen am Gehirn, welche nicht nur das Gedächtnis betreffen. In der Vergangenheit haben bereits viele schwangere Frauen darüber berichtet, dass sie unter auftretender Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit leiden. Diese durch Veränderungen am Gehirn ausgelösten Auswirkungen wurden jetzt von Forschern wissenschaftlich belegt.


Wissenschaftler fanden bei ihrer aktuellen Studie heraus, dass Veränderungen der Gehirnfunktion während der Schwangerschaft eine reales Phänomen sind. Diese Veränderungen betreffen mehrere kognitive Bereiche. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The Medical Journal of Australia“.

Schwangere Frauen klagen häufig über Probleme mit der Konzentration und dem Gedächtnis. Mediziner untersuchten jetzt, welche Auswirkungen eine Schwangerschaft auf das Gehirn der betroffenen Frauen hat. (Bild: nuzza11/fotolia.com)

Experten analysieren die Daten aus 20 Studien

Für ihre Untersuchung analysierten die Mediziner die kombinierten Daten aus insgesamt 20 verschiedenen Studien, welche die Beziehung zwischen Schwangerschaften und Veränderungen im Gehirn beschrieben. Die Forscher untersuchten dabei die Unterschiede der kognitiven Funktionen von 709 schwangeren Frauen und 521 Frauen ohne Schwangerschaft.

Schwangere Frauen schnitten bei Gedächtnistests schlechter ab

Die aktuelle Studie untersucht erstmals, wie sich die Schwangerschaft auf andere kognitive Bereiche außerhalb des Gedächtnisses auswirkt, sagen die Experten. Speziell ging es darum, ob diese Veränderungen je nach Schwangerschaftstrimester variieren können. Die Ergebnisse zeigen, dass schwangere Frauen im Vergleich zu nicht-schwangeren Frauen bei der Messung von Gedächtnis- und Exekutivfunktionen (einschließlich Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung und Planung) viel schlechter abschneiden. Dieser Unterschied ist im dritten Trimester besonders ausgeprägt.

Festgestellte Effekte haben keinen dramatischen Einfluss auf den Alltag

Wenn Frauen während ihrer Schwangerschaft an mehreren Zeitpunkten untersucht wurden, begann der Rückgang im ersten Trimester der Schwangerschaft und stabilisierte sich dann von der Mitte bis zum Ende der Schwangerschaft, erläutern die Wissenschaftler. Es ist allerdings zu beachten, das die festgestellten Unterschiede bei schwangeren Frauen immer noch im normalen Bereich lagen, wenn auch am unteren Ende dieses Bereichs, fügen die Experten hinzu. Die festgestellten Effekte bei schwangeren Frauen haben also keinen dramatischen Einfluss auf den Alltag. Die betroffenen Frauen werden meist einfach nur feststellen, dass es mehr mentale Anstrengungen erfordert, um routinemäßige Aufgaben zu erfüllen.

Graue Substanz in den Gehirnen von Schwangeren war reduziert

Die Veränderungen können von den schwangeren Frauen nahestehenden Personen durchaus bemerkt werden, dies hängt allerdings stark von der persönlichen Erfahrung jeder Frau in Bezug auf die Schwangerschaft ab, erläutern die Mediziner. Eine bereits früher in der Fachzeitschrift „Neuroscience“ veröffentlichte Studie zeigte, dass bei Schwangeren die sogenannte graue Substanz in den mit der Verarbeitung von sozialen Informationen verbundenen Hirnarealen reduziert war. Die Veränderungen im Gehirn von schwangeren Frauen könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, die betroffenen Frauen auf die Erziehung ihrer Kinder und ihre neue Rolle als Mutter vorzubereiten, vermuten die Studienautoren.

Verluste der grauen Substanz werden mit der Zeit wiederhergestellt

Die gleiche Studie hatte auch festgestellt, dass die Verluste der grauen Substanz im Hippocampus zwei Jahre nach der Geburt eines Kindes wiederhergestellt werden. Dies unterstützt die Annahme, dass die festgestellten kognitiven Rückgänge nicht dauerhaft sind. Es gilt aber noch einige Fragen zu beantworten, um mehr über dieses Phänomen zu erfahren. Es ist beispielsweise unklar, ob die Veränderungen während der Schwangerschaft in die frühe Elternschaft hineinreichen und wie lange sie andauern könnten.

Die Schwangerschaft ist eine Zeit massiver Veränderungen

Auch zugrunde liegende Mechanismen sind noch unklar und bieten Raum für Spekulationen. Wenn Frauen große hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft erleben, ist es wahrscheinlich, dass die erhöhten Hormone Östrogen, Progesteron und Oxytocin eine wichtige Rolle bei diesen kognitiven Veränderungen spielen, erläutern die Experten. Andere Faktoren können ebenfalls dazu beitragen, wie unterbrochene Schlafmuster, Stimmungsschwankungen, erhöhte Stresslevel und morgendliche Übelkeit, fügen die Forscher hinzu. Die Schwangerschaft ist eine Zeit massiver physischer, psychischer und sozialer Veränderungen. Es ist also nicht wirklich verwunderlich, dass diese sich auf die Mütter auswirkt und sie gelegentlich abgelenkt ist. (as)