Smartphone-Studie: Unregelmäßiges Essen macht uns dick

Sebastian
Menschen in den USA essen sehr unregelmäßig
Regelmäßiges Essen in einem bestimmten zeitlichen Rahmen kann gesundheitliche Vorteile bringen. Das konnten Wissenschaftler bereits in Untersuchungen mit Tieren herausfinden. Welchen Einfluss die Essenszeit auf die Gesundheit des Menschen hat, war bislang noch nicht bekannt. US-Forscher konnten nun interessante Erkenntnisse dazu durch eine Smartphone-Studie gewinnen und veröffentlichten diese jüngst im Fachmagazin „Cell Metabolism“.

Sind drei feste Mahlzeiten am Tag ein Relikt aus früheren Zeiten?
Frühstück um sieben, Mittagessen um zwölf und Abendbrot um 19 Uhr: So oder so ähnlich sah zu früheren Zeiten der Essensplan in vielen Familien aus. Doch heute verteilt sich die Nahrungsaufnahme offenbar nur noch selten auf drei Mahlzeiten innerhalb von zwölf Stunden. Zumindest in den USA – denn hier ernährt sich der größte Anteil der Bevölkerung unregelmäßig in in einem Zeitfenster von mehr als 15 Stunden am Tag.

Studie zeigte: Unregelmäßiges Essen macht dick. Bild: nito - fotolia
Studie zeigte: Unregelmäßiges Essen macht dick. Bild: nito – fotolia

150 Probanden fotografieren täglich ihr Essen
Zu diesem Ergebnis kamen nun Wissenschaftler des Salk Instituts für Biologische Studien in La Jolla (Kalifornien). Wie die Nachrichtenagentur „dpa“ berichtet, hatten die Forscher für ihre Untersuchung zum ersten Mal exakte Daten zur Ernährung freiwilliger Probanden erheben können. Möglich wurde dies durch den Einsatz von Smartphones, mit denen mehr als 150 Freiwillige über drei Wochen hinweg täglich ihr Essen fotografierten. Parallel dokumentierten die Wissenschaftler mithilfe einer App die Zeitpunkte und Orte, an denen die Teilnehmer ihre Mahlzeiten einnahmen.

„Bisher fragten die meisten Ernährungsstudien ja Frühstück, Mittagessen, Abendbrot und Snacks ab“, so Senior-Autor Satchidananda Panda in einer Mitteilung des Salk Instituts. Durch die Nutzung der Foto-App sei es jedoch möglich geworden, Informationen über das tatsächliche Essverhalten der Probanden zu bekommen.

Ein Drittel der täglichen Kalorienzufuhr nach 18 Uhr
Es zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der erwachsenen Teilnehmer sehr unregelmäßig aß – und dass im Prinzip über die gesamte wache Zeit hinweg. Dabei sei lediglich ein Viertel der täglichen Kalorienmenge bis zur Mittagszeit aufgenommen worden, während ein Drittel der Energie nach 18h zu sich genommen wurde. „Der Kontext der Bilder sprach Bände – zum Beispiel, wenn Mahlzeiten neben einer Tastatur, im Bett, beim Fernsehen, auf dem Bürgersteig, im Auto oder beim Tanken eingenommen wurden“, berichtet Studie Shubhroz Gill.

Zudem konnten die Forscher Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten der US-amerikanischen Studienteilnehmer gewinnen. Demnach seien vorrangig Kaffee und Milch am Morgen, Alkohol am Abend und Tee über den ganzen Tag hinweg getrunken worden. Zudem hätten die Probanden morgens häufig Yogurt, mittags Sandwiches und Burger sowie abends oft Gemüse und Eiscreme verzehrt. Fotos von Schokolade und anderen Süßigkeiten seien darüber hinaus von 10 Uhr morgens an gemacht worden.

Probanden verlieren nach vier Monaten 3,5% ihres Übergewichts
Wie das Salk Institut berichtet, hatten die Forscher zusätzlich acht übergewichtige Teilnehmer ausgewählt, die normalerweise über mehr als 14 Stunden am Tag Essen zu sich genommen hatten. Sie erhielten das Angebot, 16 Wochen lang ihre Nahrungsaufnahme auf einen Zeitraum von 10 bis 11 Stunden am Tag zu begrenzen, ohne sich dabei in Hinblick auf die Kalorienmenge einschränken zu müssen. Die Teilnehmer erhielten jede Woche ihr persönliches „feedogram“, welches die bisherige Gewichtsabnahme dokumentierte. Nach den vier Monaten zeigte sich ein interessantes Ergebnis, denn die Probanden hatten durchschnittlich 3,5% ihres Übergewichts verloren und berichteten zudem von mehr Energie und besserem Schlaf.

600 Millionen Erwachsene weltweit von Adipositas betroffen
Eine wichtige Erkenntnis, denn Übergewicht wird zu einem immer größeren Problem. 2014 waren gut 1,9 Milliarden Erwachsene übergewichtig, davon litten 600 Millionen an Adipositas (krankhafter Fettleibigkeit). Diese stelle laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dementsprechend eine „globale Epidemie” dar, die sich rasant ausbreitet und zunehmend auch arme Länder betrifft. In den USA gelten 34 Prozent aller Erwachsenen als krankhaft übergewichtig, in Deutschland liegt der Anteil bei knapp 15%. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr, denn Übergewicht gilt mittlerweile als wichtigste Ursache für Diabetes, Bluthochdruck, Schlaganfälle und bestimmte Krebsarten.

Änderung der Essenszeiten kann unter Umständen riskant sein
Dennoch sollten die Ergebnisse der Studie keine zu große Hoffnung im Kampf gegen die Pfunde wecken. „Trotzdem sollte man nun nicht den Schluss ziehen, dass eine Änderung der Esszeiten die einzige Methode ist, seine Gesundheit zu verbessern“, so Panda. Zudem könne eine solche Veränderung gesundheitliche Gefahren bedeuten, denn „dies kann auch riskant für Personen mit einer nicht diagnostizierten Hypoglykämie sein“, ergänzt der Wissenschaftler.

„In der Studie geht es um die Entwicklung von Methoden und sie bietet einen vorläufigen Einblick in das, was und wann die Leute essen“, resümiert Panda. Nun seien jedoch weitere, größere Studien notwendig, um z.B. Daten von Schichtarbeitern und aus verschiedenen sozioökonomischen Gruppen zu sammeln. Denn nur so könne ein vollständigeres Bild erstellt und sozioökonomischen Unterschiede untersucht werden. (nr)