Sonne macht ähnlich abhängig wie Heroin

Heilpraxisnet

Sonnenbäder können abhängig machen

20.06.2014

Obwohl UV-Strahlen das Hautkrebsrisiko deutlich erhöhen, haben viele Menschen ein großes Verlangen nach Sonnenbädern. Diesem scheinbar instinktiven Verhalten gingen US-amerikanische Forscher jüngst nach. Laut ihrer Studie machen regelmäßige Sonnenbäder ähnlich abhängig wie Drogen. Mäuse, die über mehrere Wochen UV-Strahlung ausgesetzt waren, zeigten typische Entzugserscheinungen, als sie ein Medikament erhielten, das die strahlungsbedingte Bildung bestimmter Stoffe blockierte.

Verlangen nach Sonnenbädern hat sich evolutionär entwickelt
UV-Strahlung gilt als hochgradig hautkrebserregend. Dennoch haben viele Menschen das Bedürfnis, sich intensiver Sonnenstrahlung auszusetzen. Ein Forscherteam um David Fisher vom Massachusetts General Hospital in Boston stellte sich die Frage, warum sich dennoch das Verlangen nach Sonnenbädern im Zuge der Evolution entwickelt haben könnte. Sie vermuteten, dass möglicherweise ein Zusammenhang zum Vitamin D-Spiegel im Blut bestehen könnte.

Wenn UV-Strahlung auf die Haut trifft, werden verschiedene Prozesse angestoßen: Die hornbildenden Zellen beginnen mit der Produktion des Proteins Proopiomelanocortin (POMC), das wiederum eine Vorstufe für verschiedene Botenstoffe ist. So kann mit Hilfe von POMC ein Hormon gebildet werden, welches das Hautpigment Melanin herstellt. Der körpereigene Schmerzstiller beta-Endorphin wird ebenfalls aus POMC gebildet. Beta-Endorphin ist in diesem Zusammenhang besonders interessant, da es ähnlich wie Heroin und einige andere Drogen oder Medikamente wie Morphin an die sogenannten Opioid-Rezeptoren bindet und auf diese Weise seine schmerzlindernde Wirkung entfaltet.

Die Forscher wollten im Rahmen ihrer Studie herausfinden, ob UV-Strahlung nicht nur in der Haut, sondern auch im Blut eine Veränderung des beta-Endorphin-Spiegels bewirkt, dessen Wirkung schmerzstillend ist und zugleich abhängig macht.
Mäuse zeigten Abhängigkeit von UV-Strahlung
Für ihre Untersuchung wurden Mäuse, denen der Rücken rasiert worden war, über einen Zeitraum von sechs Wochen regelmäßig an fünf Tagen in der Woche UV-Strahlung ausgesetzt. Die Dosis wurde dabei so gewählt, dass die Tiere gebräunt aber nicht verbrannt wurden. Wie die Forscher berichten, habe die Strahlungsintensität etwa der entsprochen, der ein hellhäutiger Mensch bei einem 20- bis 30-minütigen Sonnenbad in Florida ausgesetzt wäre. Bereits nach einer Woche wiesen die Forscher einen erhöhten beta-Endorphin-Spiegel im Blut der Nager nach. Zudem waren sie schmerzresistenter. Im nächsten Schritt wurde einigen Versuchstieren ein Medikament verabreicht, welches die Wirkung von beta-Endorphin an den Opioid-Rezeptoren blockiert. Die mit dem Mittel behandelten Mäuse reagierten mit Entzugserscheinungen wie Zittern und Zähneklappern. Darüber hinaus hielten sie sich fern von dem Ort, an dem sie das Medikament erhielten.

Zur Kontrolle wurden andere Mäuse genetisch so verändert, dass sie entweder gar kein oder nur ihre Hautzellen kein beta-Endorphin bilden konnten. Sie zeigten keine Reaktion auf die UV-Strahlung hinsichtlich ihrer Schmerzempfindlichkeit. Auch die Gabe des Medikaments hatte keine Wirkung.

„Es ist überraschend, dass wir genetisch dazu programmiert sind, von etwas so gefährlichem wie UV-Strahlung abhängig zu werden – dem wahrscheinlich am meisten verbreitetsten Kanzerogen der Welt", zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ Studienautor Fisher.

Möglicherweise könnte der Drang nach Sonnenbädern in Zusammenhang mit dem Vitamin D-Spiegel stehen, vermuten die Forscher, da die Bildung von Vitamin D durch UV-Strahlung angeregt wird und eine wichtige Rolle beim Knochenaufbau übernimmt.

„Obwohl die ursprüngliche UV-Sucht – vermittelt durch die hedonische Wirkung von beta-Endorphin und die gegensätzlichen Effekte des Entzugs – theoretisch die evolutionäre Vitamin-D-Biosynthese begünstigt haben könnte, trägt sie nun zum unaufhaltsamen Anstieg der Hautkrebserkrankungen beim Menschen bei“, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Cell“, in dem sie ihre Studienergebnisse veröffentlicht haben. (ag)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de