Späte Pickel: Akne bei Erwachsenen

Astrid Goldmayer

Wenn Spätakne Pickel am Kinn sprießen lässt

15.01.2014

Pickel und Mitesser sind normalerweise unliebsame Begleiter während der Pubertät. Hautärzte beobachten jedoch, dass mehr und mehr Erwachsene an der sogenannten Spätakne leiden. Sie betrifft vor allem Frauen zwischen 25 und 45. Meist sind Stress und falsche Ernährung Ursache der Hautprobleme. Zudem kann die Anti-Baby-Pille Einfluss auf das Hautbild nehmen. Wird das Verhütungspräparat abgesetzt, kommt es zu einem Überschuss an männlichen Hormonen, auf die Haarfollikel in der Gesichtshaut mit einer Überempfindlichkeit reagieren und sich entzünden können.

Stress begünstigt Pickel und Mitesser bei Erwachsenen
„Immer mehr Menschen klagen über unreine Haut", berichtet Thomas Dirschka vom Bundesverband der Deutschen Dermatologen gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. „Jede vierte Frau zwischen 25 und 45 hat mit Spätakne zu kämpfen", ergänzt Elena Helfenbein, Beautyexpertin des VKE-Kosmetikverbandes. Die Fachfrau sieht Stress als eine der Hauptursachen von Spätakne an, da dieser zu einer Vermehrung der männlichen Hormone führt und die Stresshormonproduktion anregt. Beides führt zur verstärkten Talgbildung, so dass die Poren übermäßig verhornen, verstopfen und Mitesser bilden. Bakterien verursachen dann die Entzündungen, die von leicht geröteten Hautstellen bis hin zu roten, eitrigen Pusteln und Knötchen reichen können. Darüber hinaus hat Stress aber noch eine andere Wirkung. „Stress bringt das Zusammenspiel bestimmter Neuropeptide, der Zytokine, durcheinander, die für die Regulierung der Talgdrüse zuständig sind", erläutert Helfenbein.

Unausgewogene Ernährung kann zu Spätakne bei Erwachsenen führen
Unreine Haut kann zudem auf eine ungesunde Darmflora hinweisen, sagt Renate Donath vom Bundesverband Deutscher Kosmetiker/-innen in Bexbach bei Frankfurt am Main zur Nachrichtenagentur. „Wenn die Darmflora im Ungleichgewicht ist, etwa durch die Einnahme von Antibiotika oder unausgewogene Ernährung, kann die Haut ebenfalls blühen“, so die Expertin. Die Ausscheidung laufe nicht nur über die Verdauung, sondern auch über die Haut. „Man sollte die Bakterien im Dickdarm vom Hausarzt mit einer Stuhlprobe untersuchen lassen“, empfiehlt Dornath. Ist eine unausgewogene Ernährung Ursache der Hautunreinheiten, können Betroffene meist mit einer Ernährungsumstellung eine Verbesserung des Hautbildes erreichen. „Es ist erwiesen, dass eine Ernährung mit vielen Milchprodukten und Kohlenhydraten bei Akne-Patienten ungünstig ist", erläutert Hautarzt Dirschka. Stattdessen sollten reichlich Gemüse und Obst verzehrt werden. Ungesunde Fette und Zucker können die Entstehung von Mitessern und Pickeln dagegen fördern. Eine ausgewogne Ernährung strafft die Haut zudem und lässt sie jünger wirken. Dazu gehört laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) auch eine tägliche Trinkmenge von mindestens 1,5 Litern Wasser oder anderen ungesüßten Getränken wie Früchtetee.

Darüber hinaus hat eine gründliche Reinigung eine wesentlichen Einfluss auf eine gesunde Haut. Schaum, Gel oder Milch mit Weidenrindenextrakt, der einen zusammenziehenden Effekt auf die Poren habe, sei besonders geeignet, rät Donath. Danach sollte ein Gesichtswasser ohne Alkohol verwendet werden, um die Haut zu klären.

Absetzen der Pille lässt Pickel sprießen
Eine weitere Ursache von Spätakne, die vor allem Frauen betrifft, die in ihrer Jugend kaum Hautprobleme hatten, ist die Anti-Baby-Pille. Wie Dirschka erläutert, habe das Verhütungsmittel neben der kontrazeptiven Wirkung auch einen Einfluss auf die Haarfollikel in der Gesichtshaut. Die Pille schirme die Follikel vor den männlichen Hormonen ab, die die Talgproduktion anregen. Diese leicht anti-androgene Wirkung ende jedoch, wenn das Präparat abgesetzt werde. „Dann kommt es zu einem Überschuss an männlichen Hormonen, auf die der Haarfollikel sensibel reagiert", so Dirschka.

Zudem können Pflegeprodukte, die nicht zum Hauttyp passen, Hautunreinheiten auslösen. „Auch sehr reichhaltige Nacht- oder Anti-Age-Cremes können eine Ursache sein", warnt der Hautarzt. Solche Pflegeprodukte werden von Frauen verwendet, da die Haut mit dem Alter anspruchsvoller wird. Aber: „Ältere Haut braucht Lipide, wohingegen eine Akne-Haut eher wenige Lipide braucht", berichtet Helfenbein gegenüber der Nachrichtenagentur. Der Besuch bei einer Kosmetikerin kann Aufschluss über den Hauttyp und mögliche Probleme wie Akne geben. „Sie erkennt die Ursachen und kann die passende Pflege empfehlen." Eine entzündliche Akne sollte jedoch von einem Hautarzt begutachtet werden, denn entzündete Stellen im Gesicht können auch Hinweis auf eine andere Hauterkrankung sein. „Rosazea zeigt sich ebenfalls mit entzündlichen Stellen, Laien können das verwechseln", so Dirschka.

Hautpflege und Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Akne
Eine nicht-entzündliche Akne können Betroffene dagegen meist mit der regelmäßigen Ausreinigung bei der Kosmetikerin und der passenden Hautpflege in den Griff bekommen. Bei leichter Akne empfiehlt sich eine sogenannte liposomale Lotion, bei bis zu mittelschwerer Akne Azelainsäure in Form von Cremes oder Gelen sowie Cremes mit dem Vitamin-A-Säure-Abkömmling Retinoid. Als leichtes Antibiotikum gegen de Entzündungen kommt häufig zudem eine Creme mit Benzoylperoxid zum Einsatz.

Ein Antibiotikum zum Einnehmen verordnet der Hautarzt nur bei einer schweren Form der Akne, wenn Pusteln und Knötchen in der Gesichtshaut auftreten. „Es ist niedrig dosiert und reduziert den Grad der Entzündung", erklärt Dirschka. Eine Vitamin-A-Säure-Creme, die parallel angewendet wird, sorgt zudem für ein glatteres Hautbild. Bei den Patientinnen dürfe jedoch keine Schwangerschaft bestehen, „denn sowohl Antibiotika als auch Vitamin-A-Säure-Abkömmlinge sind fruchtschädigend", sagt Dirschka. Während und etwa einen Monat nach der Behandlung sollte die Betroffene nicht schwanger werden.

Hausmittel gegen Akne
In der Naturheilkunde werden bereits seit langer Zeit verschiedene pflanzliche und andere natürliche Stoffe als Hausmittel gegen Pickel eingesetzt. Zur äußeren Anwendung kommt beispielsweise Heilerde zur Anwendung, die die Pickelbildung hemmt und Giftstoffe sowie Entzündungsprodukte aufsaugt. Auch das Auflegen von Kamillenteebeuteln auf die betroffenen Hautstellen wirkt entzündungshemmend.
Ebenfalls sehr wirksam gegen Akne und unreine Haut soll der reine Saft der Aloe sein, wenn er abends dünn auf die Haut aufgetragen und über Nacht dort verbleibt. Zudem kann Aloe innerlich angewendet werden, was die Heilung zusätzlich fördern kann.

Eine Hauttinktur aus Gänseblümchen wirkt ebenfalls entzündungshemmend. Etwa 100 Gänseblümchenköpfchen werden dafür abgezupft und für drei bis vier Wochen in 100 Milliliter 40-prozentigen Alkohol eingelegt. Dann wird die Tinktur auf die Pickel getupft.

Zur inneren Anwendung kommen bei Hautunreinheiten unter anderem Kräutertees aus Heilkräutern mit blutreinigender, ausleitender, entgiftender und stoffwechselanregender Wirkung in Frage. (ag)

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