Studie: Mit Stallstaub-Stoffen gegen Allergien

Alfred Domke

Mit Stoffen aus Stallstaub Allergien vermeiden

08.03.2014

Es ist seit längerem bekannt, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, seltener an Allergien leiden. Nun versuchen Mediziner herauszufinden, wie künftig Stoffe aus dem Stallstaub gezielt zur Allergieprävention eingesetzt werden könnten.

Wie eine Art Impfung
Mediziner aus mehreren Ländern haben bis gestern, den siebten März in Mainz beraten, wie künftig Stoffe aus Stallstaub gezielt zur Allergieprävention eingesetzt werden könnten. Es ist seit längerer Zeit bekannt, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, seltener an Allergien leiden. Professor Joachim Saloga von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sagte am Rande des 26. Mainzer Allergie Workshops: „Es wird derzeit daran geforscht, wie man das Immunsystem von kleinen Kindern so prägen könnte, dass weniger Allergien entstehen.“ Er fügte hinzu: „Das wäre wie eine Art Impfung. Das ist aber noch nicht auf dem Markt, das sind erst mal grundsätzliche Überlegungen.“

Heuschnupfen-Risiko von Bauernhof-Kindern nur halb so groß
Bereits 2011 hatten Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum in dem Staub ein Zuckermolekül entdeckt, welches „möglicherweise vor Allergien und allergischem Asthma schützt“. Den Forschern zufolge kommt das sogenannte Arabinogalaktan in Futterpflanzen „in großen Mengen vor und hindert das Immunsystem an überschießenden Abwehrreaktionen, wenn es im ersten Lebensjahr in hoher Konzentration eingeatmet wird“. Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, ob sich Arabinogalaktan zur Prophylaxe oder zur Therapie einsetzen lässt. Auch der Marburger Allergologe Harald Renz entdeckte mit seinem Team schon vor über zehn Jahren, warum Bauernhof-Kinder viel seltener an Allergien erkranken. Ihr Risiko für Asthma oder Heuschnupfen sei nur halb so hoch wie das von Kindern, die im städtischen Umfeld aufwachsen. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass dies an den Mikroben liege, die in großer Anzahl auf Bauernhöfen vorkommen. Diese würden die Gene ausschalten, welche allergische Reaktionen in Gang setzen.

Therapien stärker auf den Patienten zuschneiden
Die Mediziner diskutierten bei dem Mainzer Workshop auch, wie Entzündungssymptome bekämpft werden können. So gebe es etwa neue Erkenntnisse darüber, wie die Entzündungsreaktion bei allergischen Krankheiten funktioniere. „Das erlaubt es dann wiederum, neue Angriffspunkte für Therapien zu entwickeln, um genau diese Prozesse zu hemmen“, so Saloga. Auch wenn es schon länger bekannt sei, welche Zellen dabei eine Rolle spielen, so gibt es „immer wieder neue Erkenntnisse darüber, welche Stoffe sie produzieren und auf welche Rezeptoren das jeweils wirkt“, so der Mainzer Mediziner. Es gehe zugleich darum, Therapien noch stärker auf den Patienten zuzuschneiden. „Früher haben wir von der Hausstaub-Allergie gesprochen“, sagte Saloga, „aber in dem Hausstaub waren ganz viele verschiedene Allergene drin. Die Hausstaubmilbe etwa, aber auch Schabenallergene.“ Es helfe für eine Therapie, wenn geklärt wird, welche einzelnen Moleküle die allergischen Reaktionen auslösten.

Ein Drittel aller Erwachsenen hatte bereits einmal eine Allergie
In Deutschland hat knapp ein Drittel der Erwachsenen bereits einmal in seinem Leben an einer Allergie gelitten. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) im letzten Jahr. Das RKI führte vor dem Hintergrund, dass sich Allergien inzwischen zu einer „Volkskrankheit“ entwickelt haben, eine Untersuchung zur „Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland“ durch. Mindestens 20 Prozent hätten während dem Zeitpunkt der Bekanntgabe mindestens an einer Allergie gelitten. Die Betroffenen haben Allergien gegen Pflanzenpollen, Milben, Tierhaare, Insektengift oder Lebensmittel wie Nüsse oder Eier und Milchprodukte, doch der Großteil der Allergiker (14,8 Prozent) ist von Heuschnupfen betroffen. Zudem zeigte sich, dass Frauen generell häufiger betroffen waren als Männer und Jüngere häufiger als Ältere. Ein Juckender Hautausschlag und Pusteln, tränende Augen oder eine verschnupfte Nase sowie Atemnot sind nur einige Symptome, die auf eine Allergie hinweisen können. Auch wenn es im schlimmsten Fall sogar zu einem sogenannten anaphylaktischen Schock kommen kann, bei dem es zum Kreislaufschock und Organversagen kommen kann, treten Allergien bei den meisten Menschen jedoch weitaus schwächer ausgeprägt auf. Indem sie nicht nur das Sozialleben beeinflussen sondern auch die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit mindern, können Allergien die allgemeine Lebensqualität jedoch stark einschränken. (ad)

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Bild: Bettina Stolze / pixelio.de


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