Studie: Antibiotika-Vergabe stark rückläufig

Heilpraxisnet

Ärzte verschreiben seltener Antibiotika

07.10.2014

Die Verschreibung von Antibiotika in Deutschland ist in den vergangenen 5 Jahren deutlich zurückgegangen. Dennoch warnen Experten vor der zunehmenden, durch einen zu intensiven Einsatz von Antibiotika ausgelösten Ausbreitung von resistenten Bakterien.

In den vergangenen 5 Jahren sind Patienten von den niedergelassenen Ärzten in Deutschland deutlich weniger Antibiotika verschrieben worden als in den Jahren davor. Laut Zentralinstitut (Zi)der Kassenärztlichen Versorgung habe es vor allem bei den Kinderärzten einen deutlich feststellbaren Rückgang bei der Verabreichung und Verschreibung von Antibiotika gegeben. Besorgniserregend wäre dagegen die Entwicklung bei Reserveantibiotika, die normalerweise ausschließlich der Behandlung von besonders resistenten Bakterienstämmen dienen sollen.

Zunehmende Resistenzen bei Bakterienstämmen
Deren zunehmende Ausbreitung in Krankenhäusern, Altenheimen und Arztpraxen wird mit großer Sorge beobachtet, da resistente Bakterien die Behandlungsmöglichkeiten deutlich einschränken. In solchen Fällen stellen Reserveantibiotika oft die Ultima Ratio dar, jedoch leider nicht in jedem Fall. Ursachen für die zunehmende Zahl resistenter Bakterienstämme sollen vor allem die übermäßige Verschreibung von Antibiotika und deren Einsatz in der Tiermast sein.

Entwicklung angesichts der Resistenzproblematik positiv
Basis der Studie sind die Arzneiverordnungen von Arztpraxen zwischen 2008 und 2012. So haben sich laut der Studie „signifikante rückläufige Trends bei der Verordnung von Antibiotika“ herauskristallisiert. Allerdings gibt es sowohl altersbedingte als auch regionale Unterschiede. So sank der Anteil der Kinder, die Antibiotika verschrieben bekommen haben auf unter 37,6 Prozent. „Angesichts der Resistenzproblematik ist diese Entwicklung äußerst positiv“, betont Dr. Mandy Schulz, die Mitautoren der Studie des Zi. der Kassenärztlichen Versorgung.

Ähnlich positiv bewertet die Studie die Entwicklung bei den über siebzigjährigen. Allerdings räumen die Experten ein, dass hier die Tatsache, dass nur die Arzneimittelverordnungen der niedergelassenen Ärzte zur Auswertung herangezogen wurden und die in Krankenhäusern verordneten Antibiotika keine Berücksichtigung gefunden haben, das Ergebnis verfälscht haben könnte. In der Altersklasse zwischen 15 und 69 gibt es dagegen kaum Veränderungen bei der Verabreichung von Antibiotika.

Neben den altersbedingten Unterschieden fallen in der Studie auch die regionalen auf. So markieren das Saarland und Rheinland – Pfalz den „High Score“ bei den Verschreibungen von Antibiotika durch niedergelassene Ärzte, während in den neuen Bundesländern eher sparsam mit entsprechenden Rezepten umgegangen wird. Aber auch im Westen gibt es Unterschiede, so stehen Bayern und Schleswig Holstein relativ gut da.

Besorgniserregend sei dagegen die zunehmende Verschreibung von sogenannten Reserveantibiotika. Hier sehen Mediziner trotz eines deutlichen Rückgangs des Einsatzes Handlungsbedarf, da die übermäßige Verschreibung dieser Antibiotika verantwortlich für die Bildung multiresistenter Bakterienstämme sein soll. (jp)

Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de