Studie: Erhöhter Blutzuckerspiegel bei Schwangeren hat schwere Konsequenzen

Wie wirkt sich ein erhöhter Zuckerspiegel in der Schwangerschaft aus? Forscher fanden heraus, dass ein zu hoher Blutzuckerspiegel zu ernsthaften Risiken für das Neugeborene führt. (Bild: tunedin/fotolia.com)
Alexander Stindt
Erhöhter Zuckerspiegel steigert das Risiko für Präeklampsie, Makrosomie und Schulterdystokie
Ein höherer Zuckerspiegel bei schwangeren Frauen kann zu unerwünschten Folgen für die werdende Mutter und ihr Kind führen. Zu den auftretenden Problemen gehören beispielsweise Präeklampsie, Makrosomie und Schulterdystokie. Dabei macht es auch keinen Unterschied, ob die Frauen Schwangerschaftsdiabetes haben. Ein zu hoher Zuckerspiegel führt generell zu einem stark erhöhten Risiko für das Auftreten von negativen gesundheitlichen Auswirkungen.

Die Wissenschaftler vom Bradford Institute for Health Research in Großbritannien stellten bei einer Untersuchung fest, dass ein zu hoher Blutzuckerspiegel einen linearen Zusammenhang mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko für Mutter und Kind hat. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

Wie wirkt sich ein erhöhter Zuckerspiegel in der Schwangerschaft aus? Forscher fanden heraus, dass ein zu hoher Blutzuckerspiegel zu ernsthaften Risiken für das Neugeborene führt. (Bild: tunedin/fotolia.com)
Wie wirkt sich ein erhöhter Zuckerspiegel in der Schwangerschaft aus? Forscher fanden heraus, dass ein zu hoher Blutzuckerspiegel zu ernsthaften Risiken für das Neugeborene führt. (Bild: tunedin/fotolia.com)

Bisher gibt es keinen Richtwert für ein stark erhöhtes Risiko durch den Zuckerspiegel
Die neue Untersuchung fand auch heraus, dass es bisher keine klare Glucose-Schwelle gibt, ab der die Konzentration zu einem stark erhöhten Risiko für negative Auswirkungen führt, erläutert Dr. Diane Farrar vom Bradford Institute for Health Research in Großbritannien.

Hoher Blutzucker kann zu Schulterdystokie führen
Eine erhöhte sogenannte nüchterne Glukose-Konzentrationen hat eine starke Auswirkung auf die allgemeinen Risiken der negativen Ereignisse, erklären die Mediziner. Ein höherer Blutzuckerspiegel ist mit einem mehr als zweifach erhöhten Risiko für einige Erkrankungen verbunden, wie beispielsweise Präeklampsie, Makrosomie bei Säuglingen und Makrosomie bei Kleinkindern. Auch führen Übergewicht und Diabetes der Mütter oft zu übermäßig großen Babys. Der hohe Blutzuckerspiegel kann des Weiteren eine sogenannte Schulterdystokie verursachen und so die Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt mit sich bringen, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Studie analysiert die Daten aus 23 internationalen Untersuchungen
Die Mediziner analysierten für ihre Untersuchung die Daten von 23 Studien aus Ländern mit einem hohen Einkommen. Zu diesen gehörten beispielsweise Länder in Asien, Australien, Europa und Nordamerika.

Schwellenwert bei Schwangerschafts-Diabetes ist recht willkürlich
Bei Schwangerschaftsdiabetes (nach der Definition der International Association of Diabetes and Pregnancy; IADPSG) war für drei verschiedene negative Ereignisse ein deutlich erhöhtes Risiko festzustellen. Zu diesen gehören Makrosomie, die Dicke der Hautfalten bei der Geburt und das Auftreten des sogenannten C-Peptids im Nabelschnurblut. Schwangerschafts-Diabetes erhöht auch das Risiko für Diabetes-Typ 2. Die Definition des Schwellenwertes ist aber recht willkürlich und konzentriert sich vor allem auf die Verfettung von Kindern. So wird versucht ein zukünftiges Risiko für die Entstehung von Fettleibigkeit festzustellen, erläutert Dr. Farrar.

Untersuchungen sollten auftretende negative Auswirkungen besser miteinbeziehen
Die Anwendung eines Schwellenwertes für alle Ergebnisse würde davon ausgehen, dass alle Ergebnisse auch klinisch gleich wichtig sind, erläutern die Wissenschaftler. Statt eines willkürlichen Risikoniveaus sollten Untersuchungen in Zukunft die auftretenden negativen Auswirkungen im Bezug auf unterschiedliedliche Blutzuckerspiegel und Schwangerschaftsdiabetes miteinbeziehen. Diese werden von Müttern und Gynäkologen als wichtiger angesehen, sagen die Autoren. In der Zwischenzeit sollte die Bedeutung der Veränderung von Lebensgewohnheiten bei Patienten mit Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) oder einem gestörten Glukosespiegel beachtet werden.

Zusätzliche Forschung ist dringend notwendig
Es gibt keinen festen Wert, welcher bestimmt, ab wann Betroffene als gefährdet für eine Schwangerschaftsdiabetes gelten. Sicher ist aber, dass eine Änderung von Ernährung und Bewegung bei Risikopersonen vorteilhaft ist. Weitere Studien sollten sich damit befassen, einen zuverlässigen Schwellenwert für die verschiedenen negativen Ereignisse zu bestimmen. Es bleibe allerdings fraglich, ob Schwellenwerte bei dem Problem überhaupt hilfreich sein können, fügen die Experten hinzu. (as)

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