Studie: Krebszellen brauchen Fett zur Ausbreitung

Alexander Stindt
Experten gelingt Durchbruch bei der Erforschung von Krebs
Seit langer Zeit schon suchen Mediziner nach Mitteln und Wegen, um die Ausbreitung von Krebszellen in unserem Körper einzudämmen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Krebszellen Fett benötigen, um durch unseren Körper reisen zu können. Die Zellen nutzen das Fett als eine Art Transporter, um sich so im Menschen auszubreiten. Forscher versuchen jetzt diese Fähigkeit zu neutralisieren, so könnte dann auch die Verbreitung der schädlichen Zellen gestoppt werden.

Die Wissenschaftler vom „The Flanders Institute for Biotechnology“ stellten bei einer Untersuchung fest, dass Krebszellen Fett benötigen, um durch unseren Körper zu reisen und sich auszubreiten. Die Experten arbeiten jetzt an Möglichkeiten, um diese Fähigkeit der Krebszellen auszuschalten. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

Experten entdecken die Bedeutung von Fett bei der Ausbreitung von Krebszellen im menschlichen Körper. (Bild: crevis/fotolia.com)

Krebszellen nutzen Fett als Weg zur Ausbreitung
Zum jetzigen Zeitpunkt werden Chemotherapie und Strahlentherapie zur Behandlung vieler Krebsarten eingesetzt. Die Mehrheit der Todesfälle durch Krebs entsteht, wenn sich der Krebs im menschlichen Körper ausbreitet. Um sich ausbreiten zu können, nutzen die Zellen Fett als eine Art bestehenden Weg oder sie verwenden das Fett, um neue Wege zu erstellen, erläutern die Autoren.

Krebszellen lassen mit der Hilfe von Fett lymphatische Gefäße wachsen
Den Wissenschaftlern vom Flanders Institute for Biotechnology gelang ein Durchbruch bei der Erforschung von Krebs. Die Mediziner konnten feststellen, dass Krebszellen einen erhöhten Bedarf an Fett haben, um daraus sozusagen Wege (lymphatische Gefäße) wachsen zu lassen, welche der Krankheit eine Ausbreitung ermöglichen.

Die Rolle von Lymphgefäßen bei der Verbreitung von Krebs
Lymphgefäße sind eine spezielle Art von Gefäßen. Sie transportieren Flüssigkeit statt Blut. Die enthaltene Flüssigkeit spielt eine primäre Rolle bei der Verbreitung von Krebs, erklären die Experten. Bisher war die Bildung neuer Lymphgefäße (auch als Lymphangiogenese bezeichnet) ein nur schlecht erforschtes Verfahren. Dadurch fehlen klinisch zugelassene Medikamente, welche das Wachstum verhindern können.

Lymphgefäße verwenden mehr Fett
Professor Dr. Peter Carmeliet und seine Kollegen untersuchten bei ihrer Studie den Stoffwechsel von Nährstoffen durch die lymphatischen Gefäße. Die Untersuchung begann mit der einfachen Beobachtung, dass Lymphgefäße im Vergleich zu Blutgefäßen mehr Fett oder Fettsäuren verwenden.

Medikamente sollten die Fettverwertung der Lymphgefäße verhindern
Durch die Verwendung von Medikamenten zur Verhinderung der Fettverwertung der Lymphgefäße kann das sogenannte lymphatische Wachstum verhindert werden. Dieser Befund könnte in Zukunft die Hemmung der Metastasierung bewirken, sagen die Mediziner. Um überhaupt zu verstehen, warum die Zellen so abhängig von Fett sind, untersuchten die Forscher die Entwicklung von Lymphgefäßen.

Die Auswirkung der Fettverwendung von Lymphgefäßen
Lymphgefäße entstehen während der embryonalen Entwicklung aus normalen Blutgefäßen. Diese Umwandlung beruht auf einer Zunahme der Fettverwendung. Das Fett wird hierbei dazu verwendet, um bestimmte Moleküle zu erzeugen, sagen die Wissenschaftler. Diese können dann die Expression des genetischen Codes regulieren. Die epigenetischen Veränderungen gewährleisten die Funktion der Lymphgefäße. Der genetische Code (DNA) wird durch das Fett nicht verändert, sondern die Nutzung des Codes, welcher die lymphatische Gensignatur definiert, fügen die Experten hinzu.

Das Wachstum der Lymphgefäße muss kontrolliert werden
Unsere Studie zeigt, dass die Verwendung von Fett durch Lymphgefäße in ihrer Entwicklung programmiert ist und für ihr Wachstum und ihre Funktion erforderlich ist, erläutern die Forscher. Durch die Verbesserung oder die Verhinderung der Verwendung von Fett (oder Fettnebenprodukten) können wir das Wachstum der Lymphgefäße kontrollieren, so Autor Dr. Brian Wong weiter. Dies würde verhindern, dass Krebszellen sich ausbreiten und zu einer effektiveren Behandlung für Krebspatienten führen.

Weitere Forschung wird sich mit Fettverbrennungshemmern befassen
Zukünftige Forschung wird sogenannte Fettverbrennungshemmer auf ihre Fähigkeit zur Verringerung der Metastasierung bei verschiedenen Krebsarten testen. So kann festgestellt werden, ob spezielle Fettergänzungen (zum Beispiel in Form von Ketonkörpern, welche beispielsweise von Athleten verwendet werden) fehlerhafte Lymphgefäße heilen können, sagen die Wissenschaftler.

Auswirkungen fehlerhafter Lymphgefäße
Fehlerhafte Lymphgefäße stellen eine große Komplikation bei der Behandlung von Krebspatienten dar. Bei einer chirurgischen Entfernung von Krebs können diese Gefäße zu Schwellungen und einer Dysfunktion der Arme und Beine führen, welche auch als Lymphödem bezeichnet wird, erklären die Mediziner. Für dieses Problem ist derzeit kein Medikament verfügbar.

Weitere Forschung ist nötig
Die unmittelbaren nächsten Studien konzentrieren sich auf die weitere Umsetzung dieser Erkenntnisse auf die Krebserkrankung, sagt Autor Professor Carmeliet. Früher konnten wir keine Medikamente entwickeln, welche auf das Wachstum von Lymphgefäßen ausgerichtet sind. Der Grund dafür war, dass wir deren Entwicklung und Funktion nicht verstanden, fügt der Professor hinzu. (as)