Sexualpheromone zeigen Lust auf Sex

Alfred Domke

Menschen produzieren Sex-Duftstoffe

03.05.2014

Ein chinesisch-amerikanisches Forscherteam konnte erstmals beweisen, dass auch Menschen mit Hilfe von chemischen Botenstoffen, sogenannten Pheromonen, sexuelle Botschaften austauschen. Dass Tiere in ihrem Sexualverhalten von diesen Duftstoffen gesteuert werden, war schon länger bekannt; für Menschen war dies bisher nur vermutet worden.

Menschen produzieren Sexualpheromone
Schon seit langem ist bekannt, dass Pheromone eine wichtige Rolle im Sexualleben von Tieren spielen. Doch nun haben Forscher erstmals direkte Hinweise darauf gefunden, dass auch Menschen Sexualpheromone produzieren, die die Wahrnehmung vorwiegend des anderen Geschlechts beeinflussen. Wie ein chinesisch-amerikanisches Forscherteam um Wen Zhou von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking im Fachblatt „Current Biology“ berichtet, bilden Frauen und Männer unterschiedliche Signalstoffe, die bei anderen Menschen, vorwiegend des anderen Geschlechts, unbewusst die sexuelle Wahrnehmung beeinflussen. Vor allem hänge der Einfluss der geruchlosen Pheromone vom Geschlecht und von der sexuellen Orientierung ab. Bei Pheromonen handelt es sich um chemische Botenstoffe, über die Informationen unter Artgenossen übermittelt werden. Die Substanzen spielen vor allem für das Sexualverhalten eine wichtige Rolle. Bislang wurden beim Menschen noch keine Sexualpheromone nachgewiesen. Die Studie wurde kürzlich auch im Fachmagazin „Cell“ veröffentlicht.

Stoffe aus Samenflüssigkeit und weiblichem Urin
Im Rahmen der Studie prüften die Psychologen und Hirnforscher nun zwei Stoffe. Zum einen Androstadienon, das sich in Samenflüssigkeit und in den Achselhöhlen von Männern findet und zum anderen Estratetraenol, das im Urin von Frauen nachgewiesen wurde. Bislang deuteten Studien darauf hin, dass die beiden geruchlosen Stoffe bei Vertretern des jeweiligen anderen Geschlechts die Laune heben. Es war aber unklar, ob die Stoffe auch die sexuelle Wahrnehmung beeinflussen. Die Forscher prüften dies nun an jeweils 48 – zur Hälfte hetero- und homosexuellen – Männern und Frauen.

Homosexuelle Menschen reagieren auf Signalstoff des eigenen Geschlechts
Die Probanden sahen an verschiedenen Tagen sogenannte Point-Light-Walker, bei denen 15 Punkte einen bestimmten Gang widerspiegeln. Die jeweiligen Schrittmuster waren dabei in unterschiedlichem Maße männlich und weiblich. Während sie Androstadienon, Estratetraenol oder einer Kontrollsubstanz ausgesetzt waren, sollten die Teilnehmer die jeweilige Gangart an drei verschiedenen Tagen einem Geschlecht zuordnen. Heterosexuelle Männer neigten unter dem Einfluss des weiblichen Stoffs Estratetraenol dazu, im Gang der Figuren eher eine Frau zu sehen. Bei heterosexuellen Frauen hingegen hatte der Stoff keinen Effekt. Allerdings reagierten diese, im Gegensatz zu den heterosexuellen Männern, auf Androstadienon. Homosexuelle Männer und Frauen reagierten eher auf den Signalstoff des eigenen Geschlechts.

Nase erschnüffelt das Geschlecht
Der Effekt war zwar insgesamt nicht übermäßig stark, aber doch deutlich ausgeprägt. „Wenn die visuellen Geschlechtshinweise äußerst unklar waren, führte das Riechen von Androstadienon im Vergleich zu Estratetraenol zu einer Veränderung der Geschlechtswahrnehmung von etwa acht Prozent“, so das zusammengefasste Resultat von Zhou. „Unsere Resultate sprechen für die Existenz menschlicher Sexualpheromone“, so der Wissenschaftler. „Sie zeigen, dass die Nase aus Körpersekreten das Geschlecht erschnüffelt, selbst wenn wir auf bewusster Ebene nichts zu riechen glauben.“ Dies sei somit der erste direkte Beleg dafür, dass menschliche Signalstoffe sexuelle Informationen übermitteln, die je nach Geschlecht und sexueller Orientierung unterschiedlich wirken. (ad)

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