Studie: Wer schlecht über alte Menschen denkt, erkrankt eher an Alzheimer

Fabian Peters
Negative Vorstellung vom Altern erhöhen das Alzheimer-Risiko
Negative Vorstellungen vom Altern haben laut einer aktuellen Studie signifikanten Einfluss auf das Alzheimer-Risiko. US-Wissenschaftler der Yale School of Public Health fanden heraus, dass die Einstellung gegenüber älteren Menschen Einfluss auf die Entwicklung von Alzheimer hat. Wer Seniorinnen und Senioren für „altersschwach“ hält, zeigt laut Prof. Becca Levy und Kollegen selbst häufig Azheimer-typische Veränderungen im Gehirn. Die Wissenschaftler führen dies auf den Stress zurück, der mit einer negativen Einstellung gegenüber dem Altern verbunden ist.

Das Ergebnis der US-Wissenschaftler scheint auf den ersten Blick durchaus fragwürdig, da der festgestellte Zusammenhang ein wenig wie „Gerechtigkeit“ des Schicksals wirkt. Menschen, die besonders schlecht über Alte denken, werden praktisch mit einem höheren Alzheimer-Risiko bestraft. Der biologische Zusammenhang wird laut Aussage der Forscher jedoch vermutlich über den Stress hergestellt, der bei negativen Vorstellungen vom Alter erheblich größer ist. Die aktuelle Studie lege den Schluss nahe, dass die Behebung von negativen Vorstellungen über das Alter möglicherweise zur Verringerung der rasch steigenden Raten der Alzheimer-Erkrankungen beitragen könnte, berichtet die Yale School of Public Health.

Eine positive Vorstellung vom Alter könnte das Alzheimer-Risiko deutlich senken. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)
Eine positive Vorstellung vom Alter könnte das Alzheimer-Risiko deutlich senken. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)

Rückgang des Hirnvolumens
Die Wissenschaftler analysierten im Rahmen der Studie die Daten aus der „Baltimore Longitudinal Study of Aging“, wobei sie sich auf Probanden konzentrierten, die zu Studienbeginn nicht an Alzheimer oder Demenz litten. Anhand von Bildern der Magnetresonanztomographie (MRT) konnten die Wissenschaftler die Entwicklung der Gehirnstrukturen bei den Studienteilnehmern auswerten und diese mit den Angaben zu der Einstellung gegenüber dem Altern abgleichen. Dabei stellten Prof. Levy und Kollegen fest, dass stereotype Vorstellungen über das Alter wie eine verblassende Erinnerung, Zerstreutheit und die Unfähigkeit, neue Dinge zu lernen, vermehrt mit Veränderungen im Gehirn einhergingen. „Teilnehmer, die mehr negative Vorstellungen vom Altern hatten, zeigten einen größeren Rückgang des Volumens im Hippocampus“, berichtet die Yale School of Piblic Health. Ein reduziertes Hippocampus-Volumen sei als Indikator für die Alzheimer-Krankheit bekannt.

Mehr Alzheimer-Plaques bei schlechter Vorstellung vom Alter
In einem weiteren Schritt analysierten die Wissenschaftler anhand vorliegender Daten aus Gehirn-Autopsien, inwiefern auch zwei andere Alzheimer-Indikatoren – die sogenannten Amyloid-Plaques und die Neurofibrillen – bei einer negativen Vorstellung vom Alter verändert waren. Den Proteinablagerungen der Amyloid-Plaques wird eine schädigende Wirkung auf die Nervenzellen zugeschrieben und sie gelten als möglich Ursache des Gedächtnisverlustes. Neurofibrillen sind spezielle Proteinstrukturen, die im Zuge einer Alzheimer-Erkrankung eine veränderte Struktur entwickeln. „Die Teilnehmer, die mehr negative Vorstellungen über das Altern hatten, zeigten eine signifikant größere Anzahl von Plaques und Tangles“ (veränderte Neurofibrillen), schreiben die Wissenschaftler.

Stress Ursache des festgestellten Zusammenhangs?
Zwar wurden die Wirkungszusammenhänge zwischen der Vorstellung vom Alter und den Veränderungen im Gehirn in der aktuellen Studie nicht weiter untersucht, doch gehen die Forscher davon aus, dass Stress hier eine maßgebliche Rolle spielt. „Wir glauben, dass die verinnerlichten negativen Überzeugungen über das Altern Stress erzeugen, der zu den pathologischen Veränderungen im Gehirn führen kann“, erläutert Prof. Levy. Hier sei es „ermutigend zu wissen, dass diese negativen Überzeugungen über die Alterung abgemildert und positive Überzeugungen verstärkt werden können“, so Levy weiter. (fp)