Gefährliches Tropisches Fieber durch Buschmücken

Fabian Peters

West-Nil-Fieber: Tropisches Fieber durch Buschmücken in Griechenland. Reisende sollten sich besonders vor Mücken schützen, da diese als Überträger gelten.

(12.08.2010) Das eigentlich überwiegend in den Tropen und Subtropen verbreitetet West-Nil-Fieber ist seit einigen Jahren auch in Teilen der USA, Kanadas und vereinzelt in Europa zu beobachten. Derzeit ist in Thessaloniki (Griechenland) eine regelrechte West-Nil-Fieber-Welle aufgetreten bei der nach Aussage des Centrum für Reisemedizin (CRM) bereits 22 Menschen erkrankten. Übertragen wird die Krankheit hauptsächlich von Mücken, so dass die verschiedenen Fachblätter Griechenland-Reisende dazu aufrufen, sich entsprechend zu schützen, um einer Infektion vorzubeugen. Impfstoffe zur vorbeugenden Behandlung gegen da West-Nil-Fieber gibt es bisher nicht.

Besorgniserregend ist nach Ansicht der Experten die „auffällige Häufung“ der Fälle in Thessaloniki, so der wissenschaftliche Leiter des CRM, Tomas Jelinek. Nur konsequenter Mückenschutz, am besten mit heller langärmliger Kleidung und Repellents (Insektenschutzmittel) mit dem Wirkstoff Dieythyl-m-Toluamid (DEET) an unbedeckten Körperstellen bieten hier wirksame Abhilfe. Insbesondere nach Einbruch der Dämmerung, sind Reisende dazu aufgefordert sich entsprechend zu schützen. Bei offenen Fenstern sollte unbedingt ein Moskitonetz mit einer Lochgröße von maximal 1,5 Millimetern.angebracht werden, so der Fachmann. Sollte jemand dennoch von einer infizierten Mücke gestochen worden sein, so dauert es drei bis sechs Tage bis die Symptome des West-Nil-Fiebers auftreten. Fieber, Muskelschmerzen und ein Anschwellen der Lymphknoten sind meistens die ersten spürbaren Anzeichen einer Erkrankung.

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Bei ca. 30 Prozent Patienten folgen Hautausschläge an Brust, Rücken und Armen und einige erleiden zudem eine Hirn- bzw. Hirnhautentzündung (Meningitis). Von den in Thessaloniki betroffenen Personen sind alle 22 mit einer Hirn- bzw. Hirnhautentzündung ins Krankenhaus gebracht worden, wobei drei ältere Patienten die Erkrankung nicht überlebten. Eigentlich treten „nur bei jedem 500. Patienten (…) schwere Beschwerden auf", so der Fachmann Jelinek aber insbesondere für ältere Menschen stellt das West-Nil-Fieber ein erhebliches Risiko dar.

Die Gefahr der Infektion durch exotische Mücken ist in den vergangenen Jahren europaweit erheblich gestiegen. Während sie sich äußerlich kaum von ihren einheimischen Artgenossen untercheiden, können in ihrem Inneren gefährliche Viren lauern, so Pie Müller, Mückenspezialist am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut. Müller untersucht im Namen seines Instituts das Auftreten exotischer Mücken in der Schweiz und hat festgestellt, dass z. B. die Asiatische Buschmücke mittlerweile auch in der Schweiz weit verbreitet ist. Sie kann ebenfalls Überträger des oben beschrieben West-Nil-Fiebers sein.

Welche und wie viele exotischen Mückenarten sich schon in unseren Breitgraden tummeln, lässt sich nach Aussage des Experten jedoch nur schwer bestimmen. Fest steht nur, dass sie hier sind. So wurden z. B. in Norditalien mehrere Menschen durch die Asiatische Tigermücke mit dem Chikungunya-Fieber infiziert, wodurch anschließend mehr als 200 Personen erkrankten. In den Tropen ist die Tigermücke bekannt als Überträger zahlreicher Krankheiten wie z. B. Gelbfieber, das Dengue- oder das Chikungunya-Virus. Sie ist mittlerweile jedoch nicht nur in Norditalien heimisch geworden, wo jedes Jahr versucht wird, das Problem mit massiven Helikoptersprüheinsätzen in den Griff zu bekommen, sondern wurde bereits 2007 von Mückenforscher auch in der deutschen Oberrheinebene gesichtet.

Als wirksame Grundlage der Bekämpfung und um das Gefährdungspotenzial besser einschätzen zu können, fordern die Experten ein generelles Monitoring der Mückenausbreitung. Denn nicht nur die Tigermücke trägt gefährliche Erreger in sich. So konnten z. B. Mitarbeiter des deutschen Bernhard-Nocht-Instituts in Baden-Württemberg drei Mückenarten nachweisen, die das Sindbis-Virus (auch als Rheuma-Virus bekannt) in sich trugen, welches ähnlich gravierende Folgen für die Erkrankten haben kann wie das West-Nil-Fieber.

Auch Zugvögel gelten in diesem Zusammenhang als Gefahrenquelle, da sie als potenzielle Träger des West-Nil-Fiebers von einer Mücke gestochen werden können, welche anschließend die Krankheit auf einen Menschen überträgt. So betrachten die Experten insbesondere die großen Rastplätze auf den Routen der Zugvögel, wie z. B. das Elsässer Naherholungsgebiet Petite Camargue Alsacienne mit wachsender Sorge und haben bereits die ersten Versuche unternommen, mit biologischen Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Mückenvermehrung vorzugehen. (fp)