Überprüft: Krebserregende Mineralöle in Lippenpflege gefunden

Das Verbraucherschutzministerium NRW hat verschiedene Kosmetika untersuchen lassen. In mehreren Lippenpflegestiften wurden Mineralölstoffe gefunden. Diese gelten als gesundheitsgefährdend. (Bild: Dan Race/fotolia.com)
Alfred Domke
Erneut gefährliches Mineralöl in Lippenpflege-Produkten gefunden
Viele Menschen haben stets eine Pflegestift zur Hand um ihre Lippen vor dem Austrocknen zu schützen. Verbraucherschützer warnen jedoch: In manchen dieser Produkte sind Mineralölstoffe enthalten, die womöglich krebserregend sind.

Gesundheitliche Gefahren durch Kosmetika
Für viele Frauen und Männer ist es selbstverständlich, stets einen Pflegestift für ihre Lippen zur Hand zu haben. Zu oft sollten solche Produkte aber nicht verwendet werden. Laut Medizinern kann man durch die häufige Benutzung von Lippenpflegestiften sogar eine Art Abhängigkeit entwickeln. Von manchen dieser Stifte kann zudem eine große gesundheitliche Gefahr ausgehen, da sie Mineralölstoffe enthalten, die möglicherweise krebserregend sind. Das zeigte eine Studie, die für das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium durchgeführt wurde. Der Branchenverband sieht keinen Grund zur Sorge.

Das Verbraucherschutzministerium NRW hat verschiedene Kosmetika untersuchen lassen. In mehreren Lippenpflegestiften wurden Mineralölstoffe gefunden. Diese gelten als gesundheitsgefährdend. (Bild: Dan Race/fotolia.com)
Das Verbraucherschutzministerium NRW hat verschiedene Kosmetika untersuchen lassen. In mehreren Lippenpflegestiften wurden Mineralölstoffe gefunden. Diese gelten als gesundheitsgefährdend. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl
Nachdem erst vor wenigen Monaten über bedenkliche Substanzen in Lippenpflegestiften berichtet wurde, sind erneut Stoffe aus Mineralöl in solchen und weiteren Körperpflegeprodukten gefunden worden. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa teilte das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium mit, dass bei insgesamt neun von 31 untersuchten Produkten aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl (MOAH) nachgewiesen wurden. Das Ministerium hatte die Studie in Auftrag gegeben. Den Angaben zufolge sind vor allem Lippenpflegeprodukte betroffen.

Bislang gibt es keinen Grenzwert
NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne), der die Ergebnisse beunruhigend nannte, sagte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR): „Solche Stoffe gehören einfach nicht in Pflegemittel.“ Der BR hatte zuerst mit dem WDR über die neue Untersuchung informiert. Vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) werde nicht ausgeschlossen, dass in MOAH krebserregende Verbindungen enthalten seien. Einen MOAH-Grenzwert für Kosmetika gibt es bislang nicht. Über die aromatischen Kohlenwasserstoffe (MOAH, „Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons“) war bisher vor allem in Verbindung mit Lebensmitteln diskutiert worden. Die aktuelle Untersuchung macht aber erneut deutlich, dass auch hinsichtlich Kosmetika weiterer Handlungsbedarf besteht.

Bundesinstitut will MOAH-Gehalt minimieren
Laut der Agenturmeldung decken sich die neuen Analysen mit Ergebnissen einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Mai. Damals hatte das BfR den Herstellern empfohlen, den MOAH-Gehalt zu minimieren, was technisch möglich sei. Am Freitag teilte das BfR nun mit:„Der Rücklauf, wie diese Empfehlung in der Praxis umgesetzt wird, steht noch aus.“ Der Herstellerverband IKW sieht offenbar keinen Grund für Änderungen. Er teilte mit: „Mineralöle in kosmetischen Mitteln sind sicher. Sämtliche in Kosmetika eingesetzten Mineralöle haben Pharmaqualität.“ Dem Verband zufolge gebe es kein gesundheitliches Risiko. „Daher besteht auch kein Grund für eine Umformulierung der Produkte.“

Abschließende Risikobewertung wird erschwert

Allerdings hatte das BfR im Mai mitgeteilt, dass bei Lippenstiften eine abschließende Risikobewertung durch fehlende Daten erschwert werde, vor allem auch weil die enthaltenen Substanzen oral aufgenommen werden könnten. Die Experten des BfR schrieben damals, dass aufgrund der Datenlücken darauf hinzuweisen sei, „dass insbesondere bei einer möglichen oralen Aufnahme (z. B. über Lippenstifte) eine abschließende Risikobewertung erschwert ist“. Die neue Untersuchung wurde vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Münster im Auftrag des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums durchgeführt. Geprüft wurden unter anderem 25 Lippenkosmetika, bei fünf davon lag der MOAH-Wert über der Nachweisgrenze. (ad)

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