UK-Auswertung: Krebs-Erkrankungen bei Kindern nehmen dramatisch zu

Wissenschaftler machten eine beunruhigende Entdeckung. Immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken an Krebs. In Großbritannien ist Krebs die meist verbreitete Todesursache bei Kindern unter 14 Jahren. (Bild: Frantab/fotolia.com)
Alexander Stindt
Immer mehr Kinder erkranken an verschiedenen Krebsarten
In der heutigen Zeit erkranken immer mehr Menschen an Krebs. Die Erkrankungen enden nicht selten mit dem Tod der Betroffenen. Forscher stellten jetzt fest, dass auch Kinder zunehmend an Krebs erkranken. In weniger als zwei Jahrzehnten stieg die Zahl der Krebsfälle bei Kindern um vierzig Prozent.

Die Wissenschaftler von Wohltätigkeitsorganisation Children with Cancer Uk fanden bei einer Untersuchung heraus, dass die Anzahl der Krebsfälle bei Kindern stark zunimmt. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre erkrankten etwa 40 Prozent mehr Kinder an Krebs. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. So werden beispielsweise die Luftverschmutzung und der Einsatz von Pestiziden mit diesem Anstieg in Verbindung gebracht. Die Mediziner veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Studie bei einer Konferenz zum Child Cancer Awareness Month.

Wissenschaftler machten eine beunruhigende Entdeckung. Immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken an Krebs. In Großbritannien ist Krebs die meist verbreitete Todesursache bei Kindern unter 14 Jahren. (Bild: Frantab/fotolia.com)
Wissenschaftler machten eine beunruhigende Entdeckung. Immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken an Krebs. In Großbritannien ist Krebs die meist verbreitete Todesursache bei Kindern unter 14 Jahren. (Bild: Frantab/fotolia.com)

Viele Kinder leiden an Krebs
Krebs ist eine bösartige Gewebeneubildung beziehungsweise ein bösartiger Tumor. Die entsprechenden Erkrankungen sind in der auf der ganzen Welt weitverbreitet. Mediziner suchen schon lange nach neuen Medikamenten und Behandlungsmöglichkeiten gegen die gefürchteten Krebserkrankungen. Nicht nur erwachsene Menschen sind von Krebs bedroht, auch immer mehr Kinder erkranken an Krebs, zitiert die britische Zeitung „The Independent“ die Wissenschaftler.

Krebsfälle bei Kindern nehmen um 40 Prozent zu
Innerhalb von weniger als zwei Jahrzehnten nahm die Krebsrate bei Kindern um etwa 40 Prozent zu. Es gibt in Großbritannien jedes Jahr ungefähr 1.300 zusätzliche Krebs-Diagnosen bei Menschen im Alter unter 25 Jahren, verglichen mit dem Jahr 1998, erklären die Forscher. Diese zusätzlichen Erkrankungen kosten den National Health Service (NHS) etwa 130 Millionen britische Pfund pro Jahr. Die Gründe für die Erkrankungen sind vielfältig. Andere Studie ergaben beispielsweise vor kurzer Zeit, dass Kinder von übergewichtigen Vätern ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben.

Welche Krebsarten sind besonders verbreitet bei Kindern?
Alarmierend ist beispielsweise, dass sich die Fälle von Darmkrebs bei Kindern um 200 Prozent erhöht haben. Schilddrüsenkrebs bei Kindern hat sich mehr als verdoppelt. Krebserkrankungen des Eierstocks stiegen um 70 Prozent, sagen die Wissenschaftler. Gebärmutterhalskrebs erhöhte sich bei Kindern um 50 Prozent.

Krebs häufigste Todesursache bei Kindern unter 14 Jahren
Alleine in Großbritannien entwickeln jedes Jahr etwa 4.000 Kinder und Jugendliche eine Krebserkrankung. Krebs ist hier die häufigste Todesursache bei Kindern bis 14 Jahre, werden die Mediziner von der Tageszeitung „The Independent“ zitiert. Der starke Anstieg um 40 Prozent in etwa 16 Jahren sei teilweise auch auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen. Die Inzidenzrate pro 100.000 Menschen ist allerdings ebenfalls um 30 Prozent angestiegen, erklären die Wissenschaftler.

Lebensstil und auftretende Umweltfaktoren beeinflussen das Krebs-Risiko
Der Lebensstil und etliche Umweltfaktoren spielen eine große Rolle bei der Entstehung von Krebs, erläutert Professor Denis Henshaw, wissenschaftlicher Leiter bei Children with Cancer UK. Der deutliche Anstieg der Krebserkrankungen sei nicht alleine durch Verbesserungen bei der Krebsdiagnose oder der Registrierung von Krebs zu erklären. Lebensstil und Umwelt sind zusätzliche ursächliche Faktoren, die wir berücksichtigen müssen, sagt Professor Henshaw. Außerdem stellten Wissenschaftler fest, dass auch natürliche Strahlung das Krebsrisiko bei Kindern erhöht.

Luftverschmutzung und Pestizide erhöhen die Krebsgefahr
Es gibt etliche Ursachen für diesen dramatischen Anstieg. Verbranntes Fleisch beim Grillen und elektrische Felder durch Stromleitungen und Haartrockner erhöhen beispielsweise das Krebsrisiko, sagen die Wissenschaftler. Auch die Ernährung von schwangeren Müttern und Schichtarbeit wirken sich auf die Krebswahrscheinlichkeit aus, berichtet „The Independent“ unter Berufung auf Professor Henshaw. Es sei zudem bekannt, dass viele Krebserkrankungen auf Luftverschmutzung und den Einsatz von Pestiziden und Lösungsmittel zurückzuführen sind. Es ist sehr schwer einige dieser Faktoren zu vermeiden. Die Eindämmung der weltweit zunehmenden Luftverschmutzung fühle sich beispielsweise so an, als ob wir einen aussichtslosen Kampf führen, fügt der Experte hinzu.

Große Krebs-Konferenz zum Thema Krebs bei Kindern
Children with Cancer UK veranstaltet derzeit eine dreitägige internationale Konferenz zum Thema Krebs bei Kindern. Dabei werden besonders die neuen Möglichkeiten der Immuntherapie und beeinflussbare Ursachen für Krebs im Kindesalter thematisiert. Eine anderes großes Thema ist die sogenannte Präzisions-Medizin. Diese betrachtet die Gene von Lebewesen, die Umwelt und den Lebensstil von Betroffenen, sagen die Forscher.

Zielgerichtete Therapien zeigen gute Wirkung
Es gibt bereits frühe Anzeichen dafür, dass die sogenannte Präzisions-Medizin für Krebserkrankungen bei Kindern gute Wirkung zeigt. Durch diese Art der Behandlung können wahrscheinlich in Zukunft viele Leben gerettet werden, mutmaßen die Forscher. Zielgerichte Therapien können die Last der Toxizität verringern. Diese Behandlungen könne auch die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. (as)

Advertising