Uni-Klinikum: Chefarzt-Behandlung ohne Chefarzt

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Münchner Uni-Klinikum: Chefarzt-Behandlung ohne Chefarzt?

30.12.2014

Das Münchner Universitätsklinikum rechts der Isar war im vergangen Jahr im Zusammenhang mit dem Organspende-Skandal in die Schlagzeilen geraten. Nun gibt es neue Vorwürfe: Das Krankenhaus soll in OP-Berichten auch den Chef der Chirurgie genannt haben, obwohl dieser nicht anwesend war. Dadurch seien höhere Rechnungen zustande gekommen.

Klinikum bestätigt fehlerhafte OP-Dokumentationen
Nach dem Organspende-Skandal gibt es nun neue Vorwürfe gegen die Chirurgie am Münchner Uni-Klinikum rechts der Isar, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) zufolge soll der Chefarzt der Chirurgie in Operationsberichten als Operateur genannt worden sein, obwohl er bei den Eingriffen nicht dabei gewesen sei. Von Seite des Klinikums wurde bestätigt, dass in einigen Fällen Operationen fehlerhaft dokumentiert wurden. „Ob das zu Abrechnungsfehlern geführt hat, prüfen wir noch“, so eine Sprecherin.

Patientenschützer wollen Strafanzeige stellen
Wie es heißt, sollen die Patienten und ihre jeweilige Krankenversicherung Anfang 2015 über das Ergebnis informiert werden und gegebenenfalls eine Rückzahlung erhalten. Es sei jedoch noch offen, um welche Summen es gehen könnte. Die „SZ“ hatte berichtet, dass falsch abgerechnet wurde. Strafrechtliche Ermittlungen gibt es bislang nicht, doch die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall. Ein Sprecher sagte: „Wir prüfen das“. Unterdessen kündigte die Deutsche Stiftung Patientenschutz Strafanzeige wegen Verdachts auf gewerbsmäßigen Abrechnungsbetrug an. Deren Vorsitzender, Eugen Brysch, sagte, dass es „kein Kavaliersdelikt, das nebenbei oder unauffällig geschieht“ wäre, wenn tatsächlich falsch abgerechnet worden sei, „sondern in der Regel mit Absicht“.

Professor war gleichzeitig in München und Berlin
Der SZ zufolge gibt es mehrere Fälle, bei denen der Professor laut Klinik-Dokumentation Patienten operiert, zeitgleich aber auf Kongressen Vorträge gehalten haben soll. Beispielsweise soll er am 26. April 2012 in München eine Wundheilungsstörung behandelt, Hämorrhoiden entfernt und einen Bruch der Speiseröhre geflickt haben, während er laut Onlineprogramm auf einem Chirurgenkongress in Berlin eine Veranstaltung geleitet habe. Wie der Chirurg gegenüber der Zeitung sagte, sei es ein bedauerlicher Fehler, dass er in den Berichten zu diesen und anderen Eingriffen als Operateur genannt werde.

Komplexe Abrechnungsvorschriften
Das Klinikum nimmt bereits seit April OP-Berichte unter die Lupe. Wie eine Sprecherin mitteilte, sei die Prüfung wegen sehr komplexer Abrechnungsvorschriften schwierig. Laut Klinikum muss der Arzt zunächst nicht mit Konsequenzen rechnen. Von der Klinik gebe es in Auftrag gegebene juristische Gutachten, nach denen die Vorfälle weder strafrechtlich noch arbeitsrechtlich relevant seien.

Ansehen der Klinik litt im Zuge des Organspende-Skandals
Wie die SZ berichtete, hatte der Mediziner erst im Sommer seinen Posten als Chefarzt der Chirurgie wieder aufgenommen, nachdem er erfolgreich gegen seine Kündigung im Zuge des Transplantationsskandals von Anfang 2013 geklagt hatte. Damals hatte ein Bericht der Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) der Bundesärztekammer 36 Verstöße bei Lebertransplantationen aufgezeigt. Das Ansehen des Klinikums rechts der Isar hat im Zuge des Skandals deutlich gelitten. Noch im Jahr 2010 war das Klinikum für seine hervorragende Arbeit vom bayrischen Gesundheitsminister mit dem bayrischen Organspendepreis ausgezeichnet worden. (ad)

Bild: Martin Büdenbender / pixelio.de