Veganer leben gesund mit Risiken

Fabian Peters

Leicht erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Veganern

07.07.2011

Zwar werden einer vegetarischen Ernährung, die nicht fleischliche Tierprodukte wie Eier und Milch zulässt, zahlreiche positive Effekt auf die Gesundheit zugeschrieben, doch bei ausschließlich veganer Kost, bestehen durchaus erhöhte Risiken schwerwiegender gesundheitlicher Probleme, berichte „Welt Online“ auf Basis einer Übersichtsstudie des chinesischen Ernährungswissenschaftlers Duo Li.

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Während Vegetarier auf Fleisch verzichten, andere nicht fleischliche Tierprodukte jedoch durchaus zu sich nehmen, lehnen Veganer den Verzehr tierischer Lebensmittel grundsätzlich ab. So fallen für sie neben dem Fleisch auch andere tierische Lebensmittel wie zum Beispiel Milch und Eier vollständig weg. Damit verbunden ist offenbar ein erhöhtes Risiko von gesundheitlichen Problemen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so das Ergebnis einer Übersichtsstudie des chinesischen Ernährungsforschers Duo Li. Vegetarier hingegen stehen im Durchschnitt gesundheitlich deutlich besser dar, als die sogenannten Omnivoren (Allesfresser).

Erhöhtes Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko bei Veganern
Bis heute ist unter Ernährungswissenschaftlern nicht unumstritten, welche gesundheitlichen Folgen mit einer vegetarischen oder veganen Ernährung einhergehen. Daher hat sich der chinesische Ernährungsforscher Duo Li in einer Übersichtsstudie der Auswertung der bestehenden Forschungsergebnisse gewidmet. Dabei stellte Li fest, dass zwar mit einer vegetarischen Ernährung grundsätzlich positive gesundheitliche Effekte einhergehen, Veganer jedoch deutlich erhöhten Risiken bei bestimmten Krankheiten unterliegen. So sei zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Veganern maßgeblich erhöht, da ihr Blut zu viel Homocystein und nicht genügend gefäßschützendes HDL-Cholesterin aufweise. Darüber hinaus würden Veganer eher zu Blutgerinnseln neigen, berichtet „Welt Online“. Wie der chinesische Ernährungsforscher gegenüber dem Onlinejournal erklärte, könne er „keinem Menschen empfehlen, sich veganisch zu ernähren“. Außer die Betroffenen versorgen ihren Organismus zusätzlich per Nahrungsergänzung mit den benötigten Biostoffen wie beispielsweise Eisen, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B12 und Zink.

Gesundheitszustand der Vegetarier insgesamt überdurchschnittlich
Obwohl die Veganer eigentlich zu Mangelerscheinungen tendieren müssten, ist ihr Gesundheitszustand insgesamt deutlich überdurchschnittlich, erklärte der Ernährungswissenschaftler David Jenkins von der University of Toronto. Der Fachmann ergänzte, dass von bestimmten Auffälligkeiten im Blutbild nicht zwangsläufig auf ein erhöhtes Krankheitsrisiko geschlossen werden könne. So sei zum Beispiel der HDL-Cholesterin-Bedarf bei Veganern insgesamt deutlich niedriger als im Durchschnitt, da die Aufgabe des HDL-Cholesterins eigentlich die Beseitigung des schädliche LDL-Cholesterins von den Gefäßwänden sei. „Doch in den Blutgefäßen von Veganern, die keine tierischen Fette zu sich nehmen, kursiert gar nicht so viel LDL, das beseitigt werden müsste“, betonte David Jenkins gegenüber „Welt Online“. Auch der österreichische Ernährungswissenschaftler Ibrahim Elmadfa von der Universität Wien unterstrich, dass der Nährstoffmangel bei Veganern nicht automatisch zu Krankheiten führen müsse. Elmadfa konnte in einer unabhängigen Studie belegen, dass Veganer trotz der geringeren Aufnahme der oben genannten Biostoffe keine erhöhte Neigung zu Mangelerkrankungen wie beispielsweise Osteoporose haben.

Gesunder Lebensstil reduziert Bedarf an gesundheitsfördernden Substanzen
Denn Veganer führen – wie auch die meisten normalen Vegetariern – in der Regel einen Lebensstil, der den Bedarf an gesundheitsfördernden Substanzen deutlich reduziert, erklärte Ibrahim Elmadfa. Ein gesunder Lebenswandel mit viel Bewegung, ausreichender Flüssigkeitsaufnahme, wenig oder keinem Alkoholkonsum und dem Verzicht auf Tabak, ist hier deutlich häufiger die Regel, als bei den Omnivoren. Dadurch reduziere sich auch der Bedarf nach antioxidativen Vitaminen und Mineralien. Außerdem seien Kalziumräuber wie Cola-Getränke und Schmelzkäse in der Regel keine Bestandteil der vegetarischen Ernährung, wodurch sich der Mineralstoffbedarf der Vegetarier und Veganer weiter reduziere, erläuterte Elmadfa. Zudem seien Vegetarier und Veganer öfter im Freien unterwegs, wodurch die körpereigene Vitamin-D-Produktion stimuliert werde, so der Ernährungswissenschaftler Ibrahim Elmadfa weiter. Dahinter seht die Aussage, dass Vegetarier sich nicht nur anders ernähren, sondern grundsätzlich gesünder leben als der Rest der Bevölkerung. Ihr nachweisbar geringeres Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Stoffwechselstörungen geht demnach wahrscheinlich nicht nur auf ihre Ernährung, sondern maßgeblich auch auf ihren gesamten Lebensstil zurück, erklärten die Experten.

Positive gesundheitliche Effekte durch Fleischverzicht und Lebensstil
Für die positiven gesundheitlichen Effekte vegetarischer Ernährung scheint es eher nebensächlich, welcher Form der Vegetarismus die Betroffenen nachgehen, berichtet „Welt Online“ unter Bezug auf eine Langzeitstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Die DKFZ-Wissenschaftler hatten über einen Zeitraum von 21 Jahre die Gesundheit von 1.904 Veganern, Ovo-Lakto-Vegetariern und „moderaten“ Vegetariern (gelegentlicher Fisch- und Fleischkonsum) beobachtet und die gewonnenen Daten mit denen der Durchschnittsbevölkerung verglichen. Dabei konnten die Forscher zwar einen deutlichen besseren Gesundheitszustand bei den Studienteilnehmern im Vergleich zur Normalbevölkerung feststellten, jedoch wiesen die verschiedenen Formen des Vegetarismus untereinander keine wesentlichen Unterschiede bei der Gesundheit auf. Die positiven Effekte bei den moderaten Vegetariern und den Veganern hätten kaum Abweichungen ergeben, berichtete die Studienleiterin des DKFZ, Jenny Chang-Claude. Insgesamt sei der bessere Gesundheitszustand bei Personen mit vegetarischer Ernährung „durchaus mit der Fleischabstinenz“ zu erklären und stehe „im Einklang mit der These, dass tierische Fette und cholesterinreiche Kost Erkrankungen der Herzkranzgefäße begünstigen“, betonte die Expertin. Da kaum Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen des Vegetarismus festzustellen waren, geht die DKFZ-Wissenschaftlerin davon aus, dass Vegetarier und Veganer sich nicht nur wegen des Fleischverzichts, sondern „aufgrund ihres insgesamt sehr gesundheitsbewussten Lebensstils deutlich von der Allgemeinbevölkerung unterschieden“. (fp)