Veganer: Mehr durch moderne Lebensmitteltechnik

Nina Reese

Pflanzliche Produkte gewinnen immer mehr an Popularität

22.10.2013

Vegane Ernährung wird immer populärer – denn durch moderne Verfahren können mehr und mehr Lebensmittel produziert werden, die zwar wie Fleisch schmecken, aber dennoch aus Pflanzenstoffen bestehen. Dadurch könnte es in den nächsten Jahren zu einer gravierenden Bewusstseinsveränderung im Bereich Ernährung kommen.

Veganer können auf größere Produktauswahl hoffen
Ob vegane Burger, Schnitzel oder Brathähnchen: Immer mehr Produkte könnten zukünftig in hiesigen Supermarktregalen liegen, die wie Fleisch schmecken und aussehen, aber dennoch rein pflanzlich sind. Während es in den USA in diesem Bereich schon eine relativ große Auswahl gibt, besteht in Europa noch ein gewisser Nachholbedarf. Doch laut dem Chef des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik, Volker Heinz, könnten auch Veganer hierzulande schon bald auf eine größere Produktauswahl hoffen.

Besonders hohe Qualität bei veganem Geflügelfleisch
Dies beträfe laut Volker Heinz in erster Linie den Ersatz für Hühner- oder Putenfleisch, denn „ein Analog-Produkt zum Rindfleisch, zum Rindersteak lässt sich auf die Art und Weise nicht herstellen“, so der Experte gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Beim veganen Geflügelfleisch hingegen könne nach Ansicht Heinz jedoch durchaus hohe Qualität produziert werden, sodass für Konsumenten der Unterschied zu „echtem“ Fleisch kaum erkennbar sei. Daher könnte eine Weiterentwicklung und Ausweitung des Angebots an pflanzlichen Produkte dafür sorgen, dass immer mehr Menschen zu veganen Lebensmitteln greifen, so der Experte weiter. Dafür spräche nach auch, dass pflanzliche Produkte möglicherweise zukünftig qualitativ hochwertiger sein könnten als das tierische Original. Schließlich würden Schweine nach heutigen Mast-Kriterien normalerweise nach etwa sechs Monaten geschlachtet, „da können sie keinen Schinken in Serrano-Qualität produzieren“, so Heinz gegenüber der dpa. In Form eines veganen Pflanzen-Produkts sei dies hingegen durchaus möglich.

Herstellung ohne riskante Chemikalien
Die Produktion der entsprechenden Produkte sei dabei laut Heinz unproblematisch und erfordere keinerlei Chemikalien – stattdessen würden die fleischlosen Alternativen aus pflanzlichen Eiweißkonzentraten, Wasser und Gewürzen sowie dem Einsatz von Temperatur und so genannten „Scherkräften“ hergestellt. Auch wenn durch die neuen Möglichkeiten zukünftig vermutlich immer mehr Menschen zu veganen Produkten greifen werden, mag Heinz noch nicht von einer „Nahrungsmittelwende“ sprechen – denn schnelle Veränderungen im Ernährungsbereich seien seiner Ansicht nach nicht wahrscheinlich. Stattdessen sei aber durchaus eine „Wahrnehmungsveränderung in den entwickelten Ländern“ festzustellen, denn in vielen europäischen Staaten und den USA gehe jetzt schon der Fleischkonsum zurück, so Heinz weiter gegenüber der dpa.

Schnellerer Bewusstseinswandel als bei „Bio“?
Christian Vagedes, Gründer der Veganen Gesellschaft Deutschland, glaubt hingegen an einen schnelleren Bewusstseinswandel bei den Verbrauchern, ausgelöst durch die steigende Attraktivität veganer Lebensmittel. So werde „dieser Trend noch ein bisschen schneller sein als Bio“, vermutet Vagedes gegenüber der dpa. Denn hier hätten mehr als 20 Jahre vergehen müssen, bis entsprechende Produkte in jedem gewöhnlichen Supermarkt zu finden waren, rein pflanzliche Produkte lägen hingegen schon heute bei nahezu jedem Discounter im Regal.

Vegane Ernährung auch bei kleinem Budget
Dabei müsse eine vegane Ernährung dem Experten nach nicht teuer sein, stattdessen könne auch mit kleinem Budget qualitativ hochwertig und abwechslungsreich vegan gelebt werden: „Bei vielen Discountern gibt es Bio-Pflanzenmilch für unter 90 Cent je Liter, es gibt Bio-Fleischalternativen und Tofu, die man für unter 3 Euro bekommt und mit denen man ein Gericht für zwei Personen zubereiten kann“, informiert Vagedes im Gespräch mit der Online-Zeitung „zeitjung.de“.

„Veganfach-Messe“ informiert am 2. November in Hamburg
Vegan boomt – so auch auf der diesjährigen „Veganfach-Messe“ am 2. November in Hamburg, bei der die führenden veganen Markenartikelhersteller ihre innovativen Produkte vorstellen werden. Zudem können Besucher hier von 10 bis 18 Uhr im Veranstaltungs-Terminal „Tango“ des Flughafens Hamburg auch Vorträge und Koch-Shows besuchen und außerdem die Vielfalt veganer Kost probieren. Laut Christian Vagedes eine wichtige Veranstaltung für alle Veganer und Interessierten, denn „die Veganfach ist etwas für alle, die es bewusst gut meinen und vegan möglichst mit bio, fairtrade und anderen ethischen Standards verbinden möchten“, so eine aktuelle Mitteilung der „Veganen Gesellschaft Deutschland e.V.“ (nr)

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Bild: Mika Abey / pixelio.de