Verdauungsschnaps wirkt kontraproduktiv

Fabian Peters

Schnaps wirkt ungünstig auf die Verdauung

27.12.2013

Schnaps eignet sich nicht zur Anregung der Verdauung. Zwar erfreut sich der Verdauungsschnaps insbesondere nach fettigen Mahlzeiten wie dem Weihnachtsschmaus einer hohen Beliebtheit, doch zeigt dieser nach Ansicht von Medizinern nicht die dem Namen nach versprochene Wirkung. Tatsächlich könne der Schnaps sich sogar negativ auf die Verdauung auswirken, so das Ergebnis einer Schweizer Studie aus dem Jahr 2010.

Die Schweizer Forscher konnten in ihrer Studie zeigen, dass Schnaps nicht zu einer Verbesserung der Verdauung beiträgt, sondern die Verdauungstätigkeit durch den Alkohol stattdessen sogar beeinträchtigt wird, berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel Online“. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Alkohol die Nerven der Magenmuskulatur blockiert und die Verdauung daher langsamer abläuft. Demnach ist von einem Schnaps nach dem Essen unter Gesichtspunkten der Verdauung eher abzuraten.

Alkohol verlangsamt die Verdauung
Die Schweizer Studie basierte zwar lediglich auf einer Stichprobe von 20 Probanden, doch kamen die Forscher zu einem relativ eindeutigen Ergebnis. Sie ließen die Studienteilnehmer ein deftiges Käsefondue essen, dass mit seinem Fettgehalt von 32 Prozent eine besondere Herausforderung für die Verdauung darstellt. Zum Essen erhielten einige Teilnehmer schwarzen Tee, andere tranken 300 Milliliter Wein. Nach dem Käsefondue gab es Schnaps oder Wasser. Laut „Spiegel Online“ fiel das Ergebnis eindeutig aus. Mit steigendem Alkoholkonsum ließ die Verdauung kontinuierlich nach. Bereits der Wein habe die Entleerung des Magen deutlich verlangsamt. Tranken die Probanden zusätzlich einen Verdauungsschnaps, so lief die Verdauung noch langsamer.

Bitterstoffe mit positiver Wirkung
Zu den Ursachen für den beobachteten Effekt erläuterte Direktor der Helios Klinik für Gastroenterologie in Wuppertal, Christian Prinz, gegenüber „Spiegel Online“, dass „der Magen im Prinzip ein großer Muskel (ist), der kontinuierlich pumpt und das Essen in Richtung Darm entleert.“ Durch den Alkohol würden wahrscheinlich Nerven, die den Magen zum Pumpen anregen, blockiert, so der Fachmann weiter. „Ich bin ein wahrer Feind von Schnaps nach dem Essen“, betonte Prinz und ergänzte: „Generell sehe ich bei Hochprozentigem keinen positiven Ansatz für die Gesundheit.“ Empfehlenswert sei hingegen ein Spaziergang nach dem Essen, aber auch Espresso könne aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe einen positiven Effekt entfalten.

Aperitif eher empfehlenswert als Verdauungsschnaps
Manche alkoholischen Getränke zeigen laut Aussage des Mediziners jedoch tatsächlich eine förderliche Wirkung auf die Verdauung. Dabei spielen die Inhaltsstoffe, die Einnahmemenge und der Zeitpunkt der Einnahme eine wesentliche Rolle. Empfehlenswert sei zum Beispiel „ein Sherry vor dem Essen“ oder auch ein Portwein, ein Pils sowie manche Prosecco-Sorten als Aperitif. Die enthaltenen Bitterstoffe würden spezielle Zellen in der Magenschleimhaut dazu anregen, Säure freizusetzen, was die Verdauung fördere beziehungsweise die Vorverdauung der Speisen vereinfache. Der enthaltene Alkohol spiele bei diesem Effekt jedoch keine Rolle. So zeige ein Espresso, was die Bitterstoffe anbelangt, im Prinzip dieselbe Wirkung, erläuterte der Magenspezialist. Hier könne der Espresso möglicherweise allerdings einen nachteiligen Effekt auf den Geschmackssinn haben. Die gilt unter Umständen auch für einen Aperitif, weshalb Prinz dazu rät, diesen am besten eine halbe Stunde vor dem Essen einzunehmen. „Dann verfliegt der Geschmack bis zum Essen wieder, und man kann das Gericht uneingeschränkt genießen“, erläuterte der Experte.

Spaziergang statt Verdauungsschnaps
Statt mit Aperitif oder Verdauungsschnaps Versuche zu unternehmen, die Verdauung anzukurbeln, sollte bei Völlegefühl nach einer deftigen Mahlzeit ein gemütlicher Spaziergang unternommen werden, erläuterte der Magenspezialist weiter. Denn dies helfe, den Magen schneller zu entleeren. Laut Prinz hat „die Bewegung der Bauchdecke wahrscheinlich einen direkten Einfluss auf die Schrittmacherzellen im Magen“, welche ihrerseits den Takt vorgeben, mit dem das Essen Richtung Darm transportiert wird. (fp)

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de