Verzicht auf gesättigte Fette erhöht Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Todes

Alexander Stindt
Wenn Menschen zu wenige gesättigte Fette zu sich nehmen, gefährdet dies die Lebenserwartung
Viele Personen achten auf eine fettarme Ernährung, um möglichst schlank und gesund zu bleiben. Es gibt mittlerweile unterschiedlichste Formen der Ernährung, welche beispielsweise komplett auf Fleisch oder Kohlenhydrate verzichten. Forscher fanden jetzt heraus, dass der Verzicht auf gesättigte Fetten bei der Ernährung dazu führt, dass die Sterberate um bis zu 13 Prozent ansteigt.

Die Wissenschaftler der McMaster University in Kanada stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass der Verzicht auf den Konsum von gesättigten Fetten bei der Ernährung dazu führt, dass betroffene Menschen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen frühzeitigen Tod aufweisen. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet“.

In manchen Lebensmitteln wie Olivenöl sind gesunde, ungesättigte Fette enthalten. Bei gesättigten Fetten sind viele Menschen jedoch der Meinung, dass diese generell ungesund für den Körper sind. Wenn wir allerdings zu wenig gesättigte Fette zu uns nehmen, steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit frühzeitig zu versterben. (Bild: volff – fotolia)

Forscher untersuchen mehr als 135.000 Probanden
Für ihre Studie analysierten die Mediziner die Daten von mehr als 135.000 Menschen. Dabei konnten sie feststellen, dass die Reduzierung der gesättigten Fettaufnahme auf weniger als drei Prozent der gesamten Kalorien, zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate von 13 Prozent führt. Eine höhere Aufnahme von Fetten aller Art reduzierte das Gesamtrisiko des Todes um 23 Prozent, das Schlaganfallrisiko um 18 Prozent und die nicht mit dem Herzen zusammenhängende Sterblichkeit um 30 Prozent, erläutern die Experten.

Wie wirkt sich eine Ernährung aus, welche reich an Kohlenhydraten ist?
Eine Ernährung, welche reich an Kohlenhydraten ist (etwa 77 Prozent der zu sich genommenen Kalorien), führte zu einem um 28 Prozent größeren Risiko für einen frühzeitigen Tod, obwohl solch eine Ernährung nicht die Rate von Herzinfarkten und Schlaganfällen beeinflusste, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Probanden waren zwischen 35 und 70 Jahren alt
Die Wissenschaftler verglichen die Probanden mit der höchsten Aufnahme von Fetten und Kohlenhydraten mit Teilnehmern mit einer geringen Aufnahme über einen Zeitraum von über sieben Jahren. Die Studienteilnehmer waren zwischen 35 und 70 Jahren alt, sagen die Experten. Die Probanden kamen aus 18 Ländern mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommen.

Wo konsumieren die Menschen die meisten Kohlenhydrate und Fette?
Die durchschnittliche Ernährung weltweit besteht aus etwa 61,2 Prozent Kohlenhydraten und 23,5 Prozent Fetten (darunter sind 8 Prozent gesättigte Fette) und 15, 2 Prozent Protein, erklären die Wissenschaftler. Die Aufnahme von Kohlenhydraten war in Ländern wie China, Südasien und Afrika am höchsten. Die am meisten Fett enthaltende Ernährung hatten Menschen dagegen in Nordamerika, Europa, dem Nahen Osten und Südostasien, fügen die Experten hinzu.

In vielen Ländern wird eine fettarme Ernährung gefördert
Der aktuelle Fokus auf der Förderung von einer fettarmen Ernährung ignoriert die Tatsache, dass die meisten Menschen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen sehr viele Kohlenhydrate zu sich nehmen, was mit negativen gesundheitlichen Folgen zusammenhänge, erklärt Autor Dr. Mahshid Dehghan von der McMaster University.

Richtlinien sollten in einigen Ländern überarbeitet werden
In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen die Energie aus Nahrung manchmal zu mehr als 65 Prozent aus Kohlenhydraten besteht, sollten die Richtlinien ihre Aufmerksamkeit auf die Verringerung der Aufnahme von Kohlenhydraten konzentrieren, anstatt die Verringerung der Aufnahme von Fetten zu fördern. Gesättigte Fette, welche typischerweise in tierischen Produkten wie Milch, Käse und Fleisch vorkommen, wurden bisher allgemein als ungesund und schädlich für Herz und Arterien angesehen.

Welche gesundheitlichen Probleme traten während der Studie auf?
Während der Studie verstarben insgesamt 5.796 Teilnehmer und es wurden dabei 1.649 Todesfälle durch Herz- und Arterienerkrankungen verursacht, erklären die Forscher. Die Mediziner verzeichneten insgesamt 2.143 Herzinfarkte und 2.234 Schlaganfälle. (as)