Warentester: Teure Matratzen sind meistens nicht besser als günstige

Fabian Peters
Preiswerte Matratzen und Hochpreisige oft mit ähnlichen Bewertungen
Wer viel Geld für eine Matratze ausgibt, geht meist davon aus, ein hochqualitatives Produkt erworben zu haben. Das muss aber nicht immer so sein.Viele Hersteller und Händler wollen möglichst teure Produkte verkaufen. Aber gerade teure Matratzen halten oft nicht, was sie versprechen. Stiftung Warentest stellte fest, dass teure Matratzen sich häufig im befriedigenden Bereich wiederfinden, genau wie deutlich günstigere Modelle.

Lidl und Aldi oft besser als teure Luxusmodelle
Stiftung Warentest prüfte innerhalb der letzten sechs Jahre 214 Matratzen. Dabei wurde festgestellt, dass Rollmatratzen von Aldi oder Lidl (ab 70 Euro) besser als teure Luxusmodelle sein können. Die am besten bewertete Matratze kostete gerade mal 199 Euro. Es gibt mehrere „gute“ Matratzen für einen Preis von unter 300Euro. Viele teure Modelle sind innerhalb weniger Jahre durchgelegen. Die Anzahl der Zonen einer Matratze sagt demnach nichts über die Qualität aus, ebenso wenig wie der Preis.

Teure Matratzen sind nicht zwangsläufig die besseren. (Bild: Ljupco Smokovski/fotolia.com)
Teure Matratzen sind nicht zwangsläufig die besseren. (Bild: Ljupco Smokovski/fotolia.com)

Werbemärchen der Händler
Beim Matratzenkauf sollte darauf geachtet werden, dass diese zu ihrer Körperform passt. Außerdem sollte die Härte beachtet werden, um Rückenschmerzen und andere Beschwerden zu vermeiden. Verkäufer versuchen meist mit Scheinargumenten zum Kauf zu verführen. Um den Absatz zu fördern, wird beispielsweise behauptet, Matratzen sollten mindestens 20 Zentimeter hoch sein, Gelschaum sei besonders hochwertig oder Matratzen könnten ihre optimalen Liegeeigenschaften nur auf einem speziellen Lattenrost entfalten.

Passende Matratzen für jeden Körper- und Schlaftyp
Aber was muss eine gute Matratze wirklich können? Laut Angaben der Stiftung Warentest sollten sie die normale S-Form der Wirbelsäule stützen und erhalten. Der Rücken sollte entlastet und in jeder Position optimal unterstützt werden, egal in welcher Lage der Benutzer schläft. Für jeden Schläfer gibt es hierbei ein passendes Modell. Federkernmatratzen sind gut für Menschen, die stark schwitzen, sind aber vergleichsweise schwer und haben eine geringe Wärmeisolierung. Boxspringbetten sind meist recht hoch, erleichtern deswegen das Hinlegen und Aufstehen und haben durch einen sogenannten Topper aus Kaltschaum eine gute Wärmeisolierung. Meist sind sie aber teuer und sperrig. Durch die Konstruktion kann zudem der Transport der Feuchtigkeit stark eingeschränkt sein. Latexmatratzen haben ein angenehmes Liegegefühl, eine gute Wärmedämmung und ein gute Dauerhaltbarkeit. Die Nachteile von Latexmatratzen sind ein mäßiger Feuchtigkeitstransport. Sie sind schwer und wabbelig. Das bewirkt Schwierigkeiten beim Wenden und Drehen. Kaltschaummatratzen sind strapazierbar und elastisch. Sie sind der Stiftung Warentest zufolge geeignet für verstellbare Lattenroste, sind leicht zu wenden und besitzen eine gute Wärmeisolierung. Nachteile sind ein mäßiger Transport der Feuchtigkeit und es können sich Liegekuhlen bilden. Außerdem kann die Härte innerhalb einer Charge durch schwankende Qualität variieren.

Dreizehn teure Matratzen im aktuellen Test
Laut Angaben der Stiftung Warentest wurden kürzlich 13 teure Matratzen geprüft. Die Preise variierten von 600 Euro bis zu knapp 1.400 Euro. Am besten schnitten dabei die „Swissflex Versa“ für einen Preis ab 860 Euro und die „Naturlatex Supra-Comfort Allergie“ von Allnatura für 640 Euro im gehobenen Preissegment ab. Die „Technogel Piacere“ für 1390 Euro war die teuerste Matratze im Test, erhielt allerdings nur die Bewertung „befriedigend“. Die Matratze wurde schnell weich und durchgelegen. Dieses Problem trat laut Stiftung Warentest auch bei der „MLine Slow Motion III“ von Matratzen Concord auf. Die Stiftung Warentest ließ im Rahmen des Tests eine 140 Kilogramm-Walze 60.000 Mal über eine Matratze rollen. Das entspricht laut Angaben der Prüfer der Belastung und Abnutzung von etwa acht Jahren Verwendung.

Mehr Zonen bedeutet nicht mehr Schlafqualität
Die Hersteller versuchen oft den Eindruck zu vermitteln, dass mehr Zonen bei einer Matratze besser sind und die Wirbelsäule optimal unterstützen. „Focus Online“ zitiert dazu Holger Brackemann, Bereichsleiter Untersuchungen bei Stiftung Warentest mit der Aussage, dass sieben Zonen nicht wirklich sinnvoll seien, weil abhängig von der Größe verschiedene Menschen mit anderen Körperpartien auf einzelnen Zonen liegen.

Schlaftypen und ihre Liegeeigenschaften
Matratzen wurden für vier verbreitet Schlaftypen (HEIA-Typen) auf ihre Liegeeigenschaften getestet. Typ H ist geeignet für große und schwere Menschen mit viel Gewicht an Bauch und Schultern. Typ E umfasst große und schwere Menschen, die zusätzlich viel Gewicht an der Hüfte mit sich führen. Typ I ist für kleine und leichte Menschen optimal. Typ A ist für Schläfer, die oben schmal sind, aber dafür an Bauch und Becken mehr Gewicht haben, erläutert die Stiftung Warentest. (as)