Weite Wege zur Wunschklinik akzeptabel?

Fabian Peters

Viele Patienten nehmen weite Wege für die Klinik-Behandlung in Kauf

04.04.2014

Die meisten Patienten würden für das Wunschkrankenhaus weit fahren, wobei die Qualität der Behandlung Grundlage dieser Entscheidung sei, berichtet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) auf Basis der durchgeführten Krankenhaus-Befragung 2014.

„Über 40 Prozent würden mehr als 50 Kilometer bis zu der Klinik fahren, die ihren Vorstellungen entspricht“, so die Pressemitteilung von PwC. Ein Sechstel der Befragte nehme „sogar Wegstrecken von mehr als 100 Kilometern in Kauf, während sich am anderen Ende des Spektrums nur knapp jeder zwölfte Befragte grundsätzlich im nächstgelegenen Haus behandeln ließe“, berichtet PwC weiter. Die Ergebnisse der Befragung sind auch für die Gestaltung der künftigen Kliniklandschaft und den Erhalt kommunaler Krankenhäuser von Bedeutung, da deutlich wird, dass eine wohnortnahe Versorgung für die Patienten bei planbaren Eingriffen nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Ärztliche Versorgungsqualität entscheidend für die Klinikwahl
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat im Rahmen der Krankenhaus-Befragung 2014 auch ermittelt, welche Risiken die Kliniken für die Zukunft sehen. Insbesondere die schwierige Finanzlage der Krankenhäuser, die hierdurch erzwungenen Einsparungen und folgende Einschnitte bei der ärztlichen Versorgungsqualität könnten demnach zur Abwanderung von Patienten und damit zu einer Verschärfung der wirtschaftlichen Situation führen. Wenn die Versorgungsqualität abnimmt, werden die Krankenhäuser schnell unattraktiv, da „ein hochqualifiziertes Ärzte- und Spezialistenteam für fast 60 Prozent der Deutschen ein wesentliches Entscheidungskriterium bei der Krankenhauswahl“ ist, berichtet PwC. So drohe „selbst leicht defizitären Kliniken eine Abwärtsspirale, wenn sie ihr Budget nicht schnell wieder in den Griff bekommen“, erläutere Armin Albat, Krankenhausexperte und PwC-Partner. „Werden die tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Finanzschwierigkeiten bekannt, entscheiden sich viele Patienten für eine andere Klinik. Dadurch sinkt die Auslastung und die finanziellen Probleme wachsen“, so Albat weiter.

Universitätskliniken mit dem besten Ruf
Die Befragung hat laut Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auch ergeben, dass die Entscheidung für eine Klinik eher selten mit der Empfehlung des Hausarztes übereinstimmt. Für lediglich 27 Prozent der Befragten habe die Empfehlung eine wichtige Rolle bei der Wahl einer bestimmten Klinik gespielt. Ein moderner Gerätepark sei für knapp 40 Prozent entscheidend. Des Weiteren könnten die Kliniken mit „Komfortmerkmalen wie Einzelzimmern, gutem Essen und ansprechenden Räumlichkeiten nur bei wenigen potenziellen Patienten punkten“, berichtet PwC. Allgemein den besten Ruf bei den Patienten genießen laut PwC die Universitätskliniken. So würden knapp „60 Prozent der Deutschen den Forschungs- und Lehrkrankenhäusern die höchsten Qualitätsstandards zusprechen.“ Auf Platz zwei folgen die Kliniken in privater Trägerschaft, dahinter dann die kommunalen und kirchlichen Krankenhäuser. Allerdings sei die Trägerschaft nur bei drei von hundert Deutschen für die Krankenhauswahl tatsächlich wichtig.

Die Ergebnisse der Umfrage sind nach Einschätzung von PwC auch für die Politik relevant, da sich gezeigt habe, dass die wohnortnahe Versorgung „zumindest jenseits der Akutmedizin für die Bürger offenbar weniger relevant als oft angenommen“ ist. Hier würden sich Potenziale eröffnen „für die Zusammenlegung von Kapazitäten und die weitere fachliche Spezialisierung.“ (fp)

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